FC Wohlen
Lucien Tschachtli und sein Tribünengast: Sitzt hier der neue unbekannte Investor von Wohlen?

Nach Monaten der Ungewissheit stehen jetzt wegweisende Tage im Freiamt bevor: Wird Ende Monat beim FC Wohlen ein neuer Investor vorgestellt?

Calvin Stettler
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FC-Wohlen-Präsident Lucien Tschachtli (l.) und der unbekannte Tribünengast

FC-Wohlen-Präsident Lucien Tschachtli (l.) und der unbekannte Tribünengast

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Da sitzt er. Dieser Mann, eingekleidet im Business-Casual-Look, mit diesem orientalisch angehauchtem Antlitz und diesem Feuer der Leidenschaft in den Augen. Er verfolgt gerade das Aargauer Fussballderby. Zusammen mit FCW-Verwaltungsratspräsident Lucien Tschachtli.

Soeben ist die siebte Spielminute angebrochen. Wohlen kontert. Plötzlich liegt der Ball im Netz. Tschachtlis Nachbar schnellt auf, ballt die Faust und jubelt. Bald bemerkt auch er die Fahne des Assistenten. Offside. Schade. Mit seinem Pathos kaschiert dieser Mann neben Tschachtli,dass seine Verbundenheit zum Freiämter Challenge-League-Klub frisch ist. Er ist neu. Und was an ihm vor allem interessiert, ist seine offensichtliche Liquidität. Dieser Mann soll nämlich der neue Mäzen im Freiamt werden. Sprich bereit sein, den Profifussball in Wohlen zu alimentieren. «Wir haben tatsächlich jemanden gefunden, der uns hilft», sagt Verwaltungsrat Tschachtli am Spieltag gegenüber der «Aargauer Zeitung».

Die Frage, wer der potente Mann ist, lässt Tschachtli aber unbeantwortet. Tschachtli gibt sich in der Investorenfrage erwartet wortkarg: «Wir informieren, sobald es etwas zu verkünden gibt.» Tschachtli behandelt diese Personalie höchst behutsam, agiert wie gewohnt unaufgeregt. Aus seinem FC Wohlen soll kein zweites Xamax werden – also ein Klub, der geblendet von den Versprechungen der Solvenz des Investors, ihm einfach Glauben schenkt.

Fest steht, dass die Aktionäre der FC Wohlen AG am Dienstag, 31. Mai, für eine ausserordentliche Generalversammlung zusammenkommen. Dort soll der neue Investor offenbar vorgestellt werden. Es steht ein Antrag auf eine Kapitalerhöhung um 225 000 Franken auf neu 325 000 Franken im Raum. Zudem wird es an diesem Abend auch zu Ergänzungswahlen kommen. Ein fünfköpfiger Verwaltungsrat soll gewählt werden. Aktuell ist Tschachtli alleiniger Verwaltungsrat.

Der grosse Umbruch droht

Es sind wegweisende Tage im Freiamt. Nicht nur auf der Teppichetage, sondern auch in der Garderobe. Gegen Aarau werden mit Rexhep Thaqi, Joël Geissmann und Samir Ramizi gleich drei Spieler verabschiedet. Es ist der Anfang des Exodus aus der Wohler Kabine. Denn auch Nicolas Bürgys Rückkehr zu den Young Boys steht bereits fest, zudem laufen einige Verträge aus. Es droht der Umbruch. Ein Umstand, der im Freiamt mittlerweile Sommer für Sommer auftritt. Mit welchen Spielern man weitermachen will, wurde bereits definiert. Während dieser Woche wird Wohlen-Trainer Martin Rueda mit den derzeit Vertragslosen weitere Gespräche führen und Angebote unterbreiten. «Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es aber keine neue Vertragsverlängerung zu verkünden», sagt Rueda. Für die Transferpolitik übernimmt der 53-Jährige die Maxime von Tschachtli: Bloss nichts überhasten.

Im Gegensatz zu den Spielern beginnt für Rueda am kommenden Freitagnachmittag nicht die Ferienzeit, sondern die Phase der Evaluierung. Neben den internen Akteuren, die man halten will, müssen der FCW-Trainer und sein Team auch neue Köpfe präsentieren. Ersatz muss gefunden werden für Führungsspieler wie Geissmann und Ramizi. Auch ein Abwehrstabilisator soll kommen. Die Voraussetzungen sind klar: Möglichst billig und doch fähig sollen die Neuverpflichtungen sein. Vielleicht schon bald finanziert von diesem Mann mit dem orientalisch angehauchten Antlitz.

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