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Löst sich nach dem Doppelpack der Knoten von Stephan Andrist?

FCA-Flügelspieler Stephan Andrist kommt Spiel für Spiel zu guten Tormöglichkeiten, doch seine Ausbeute ist mangelhaft. Nach seinem Doppelpack gegen die Young Boys soll sich das für den unermüdlichen Kämpfer vom Berner Oberland ändern.

Dean Fuss
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Andrist (links) fehlt noch die Kaltschnäutzigkeit vor dem Tor.

Andrist (links) fehlt noch die Kaltschnäutzigkeit vor dem Tor.

Sarah Rölli

Gerne blickt Stephan Andrist auf das Spiel gegen die Young Boys zurück. Vor gut zweieinhalb Wochen hat der 26-jährige Berner Oberländer den FC Aarau auf dem Brügglifeld mit zwei Toren zum 3:2-Sieg über die Stadtberner geschossen. «Nun sollte sich der Knoten gelöst haben», sagt Andrist lächelnd. Er spricht damit seine zuletzt mangelhafte Torausbeute an. Obwohl er in fast jedem Spiel zu mindestens einer sogenannt 100-prozentigen Torchance kommt, sind die beiden Tore gegen YB seine bisher einzigen in der laufenden Saison.

Spiel für Spiel spult Andrist an der rechten Seitenlinie sein enormes Laufpensum ab. Er kämpft um jeden Zentimeter Raumgewinn, reibt sich in Duellen mit seinen Gegenspielern auf, diskutiert gestenreich mit dem Schiedsrichter. So kennt man den Berner Oberländer. «Ich liebe den Fussball», sagt Andrist, der aufblüht, sobald er auf dem Platz steht. Abseits des Rasens zeigt er sein anderes Gesicht: Ruhig und sachlich, fast schon mit einer gewissen Portion Schüchternheit spricht er über sein Leben. «Während des Spiels bin ich jeweils sehr emotional, nach dem Schlusspfiff kann ich dann aber alles nüchterner betrachten», sagt er. Er hat nicht das Gefühl, von den Schiedsrichtern benachteiligt zu werden, weil er sich zu viel mit ihnen anlegt.

Andrist fühlt sich wohl in Aarau, spielt gerne für den FCA. Nicht selbstverständlich, für einen, der nach starken Leistungen bei seinem Stammklub, dem beschaulichen FC Thun, auf die Saison 2011/12 zum FC Basel gewechselt hat. Dass er im Februar des laufenden Jahres nach Aarau transferiert wurde, sieht Andrist nicht als Karriere-Rückschritt an. «Ich habe beim FCB mit Streller, Shaqiri, Alex Frei und weiteren Cracks gespielt – zwei Titel gewonnen. Das kann mir niemand mehr nehmen», sagt er nicht ohne Stolz. Ein halbes Jahr bevor sein Vertrag in Basel ausgelaufen wäre setzte er sich im vergangenen Winter mit seinem Berater zusammen. «Ich hatte auch interessante Angebote aus dem Ausland, doch Aarau war für mich das Richtige.» Im Gegenzug wechselte Davide Callà vom Brügglifeld in den St. Jakob-Park.

Für Andrist war Aarau sicher keine schlechte Wahl. In der Rückrunde der Saison 2013/14 kam er unter Trainer René Weiler in 13 von 17 Partien zum Einsatz, acht Mal stand er in der Startformation. In der laufenden Saison gehörte er unter Trainer Sven Christ in jedem der zwölf Spiele zur Startformation und wurde nur einmal kurz vor Schluss ausgewechselt. Beim FCB hatte er sich nie richtig durchsetzen können und war unter anderem deshalb zwischenzeitlich an den FC Luzern ausgeliehen worden.

Definitiv in Aarau angekommen

Nur wenige Geh-Minuten vom früheren Thuner Lachen-Stadion entfernt aufgewachsen, fühlt sich Andrist in Aarau immer mehr zu Hause: Er hat seine Wohnung in der Basler Innenstadt vor ein paar Monaten aufgegeben und ist in die Gemeinde Buchs umgezogen. «Mittlerweile habe ich hier auch einen Freundeskreis. Die Stadt Aarau hat viele Ähnlichkeiten mit Thun, das gefällt mir», sagt er.

Andrist ist ein Spieler, der das Vertrauen des Trainers spüren muss. Unter Sven Christ ist das der Fall. Und auch dass Christ im Gegensatz zu seinem Vorgänger einen auf Ballbesitz ausgerichteten Fussball spielen lässt, kommt Andrist entgegen. So erhält er auf dem rechten Flügel viele Bälle und kann seine Schnelligkeit optimal ausspielen. Dass er seine Chancen noch nicht regelmässiger in Tore ummünzen kann, beunruhigt ihn nicht. «Ich bin bisher in fast jedem Spiel zu meiner Chance gekommen. Solange das so ist, weiss ich, dass ich vieles richtig mache.»

Gegen Thun ist Andrist gesperrt

Ob sich sein Knoten mit den beiden Toren gegen die Young Boys tatsächlich gelöst hat, muss sich in den kommenden Spielen zeigen. Allerdings nicht morgen in Thun (Anpfiff 17.45 Uhr): Weil Andrist bei der 0:3-Niederlage gegen St. Gallen seine vierte gelbe Karte sah, ist er für das Duell gegen seinen Stammklub gesperrt. «Schade, dass es ausgerechnet dieses Spiel ist», sagt er bedauernd. Ein Schelm, wer denkt, dass sich damit für Andrist eine schwierige Angelegenheit von selbst erledigt hat. «Ich will immer spielen, egal gegen wen», sagt er. In Thun wird er nun zum ersten Mal in dieser Saison nur als Zuschauer im Stadion sein.

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