Matchbericht
Neuzugang Bunjaku rettet den Punkt in letzter Minute: Aarau muss sich gegen Yverdon mit einem Unentschieden begnügen

Der FC Aarau erwischt beim Aufsteiger Yverdon Sport keinen guten Abend und bringt bis zur 72. Minute keinen Torschuss zustande. Am Ende darf sich der Aufstiegsaspirant mit dem Punkt glücklich schätzen. Einen Lichtblick gab es dennoch.

Sebastian Wendel aus Yverdon
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Torschütze Bunjaku (links) und Almeida feiern das späte 1:1 vor den mitgereisten FCA-Fans.

Torschütze Bunjaku (links) und Almeida feiern das späte 1:1 vor den mitgereisten FCA-Fans.

Pascal Muller/Freshfocus / freshfocus

Die vier Minuten Nachspielzeit sind bereits abgelaufen, als der FC Aarau nochmals einen Eckball erhält. Hektik kommt auf, als plötzlich Yverdon-Goalie Salvi am Boden liegt und eine Behandlung einfordert.

Doch der Schiedsrichter lässt den Corner noch zu – zum grossen Glück für die Aarauer: Marco Aratore bringt den Ball an den ersten Pfosten, Kevin Spadanuda verlängert und dann steht da tatsächlich Imran Bunjaku vor dem Tor und drückt den Ball mit einer Mischung aus Gesäss und Oberschenkel über die Linie. Ausgerechnet Bunjaku: Vor knapp zwei Wochen kurz vor Transferschluss von GC ausgeliehen, trifft der 28-Jährige in seinem ersten Einsatz für den FCA und 20 Minuten nach seiner Einwechslung.

Der FC Aarau beisst sich an Yverdons Defensiv-Bollwerk die Zähne aus.

Der FC Aarau beisst sich an Yverdons Defensiv-Bollwerk die Zähne aus.

Pascal Muller/Freshfocus / freshfocus

Die Gäste feiern das Tor vor den mitgereisten 100 Fans wie den Sieg. Verständlich angesichts des späten Zeitpunkts. Doch die Freude währt nur kurz. Denn tatsächlich bewahrt das späte 1:1 den FC Aarau lediglich vor der Schmach, Aufsteiger Yverdon am sechsten Spieltag zum ersten Saisonsieg verholfen zu haben. Wer weiss – vielleicht ist Bunjakus Last-Minute-Treffer am Ende der Saison rückblickend Gold wert. In der Gegenwart jedoch hat er nur den Wert von Schadensbegrenzung.

Aarau wie die Schweizer Nati - mit einem Unterschied

Dass mit Bunjaku ein Defensivspezialist trifft, ist symptomatisch: Die Offensive präsentiert sich wie schon vor der Länderspielpause gegen Vaduz (1:3) als laues Lüftchen. Ein direkter Freistoss von Mickael Almeida aus 18 Metern in der 72. Minute ist gleichzeitig der erste Schuss der Aarauer auf das gegnerische Tor. Und wird dies bis zu Bunjakus 1:1 auch bleiben. Die Spielfreude, der Mut und der Offensivdrang, die den FC Aarau in den ersten vier Spielen ausgezeichnet und zu elf Toren geführt haben, sind wie weggeblasen. Gegen Vaduz und Yverdon sind «nur» zwei Treffer dazugekommen – und auch auf klare Chancen für die Aarauer abgesehen von den zwei Toren hat man in den letzten zwei Partien vergeblich gewartet.

Telegramm

Yverdon Sport FC – FC Aarau 1:1 (0:0)

Municipal. – 674 Zuschauer. – SR: Thies. – Tore: 50. Vladi 1:0. 95. Bunjaku (Spadanuda) 1:1.

Yverdon: Salvi; Blum, Hajrovic, Rodrigues, Le Pogam; Silva, Eberhard (73. Lusuena); Ninte (57. Zock), Vladi (73. Jaquenoud), Kalezic (46. Gétaz); Koné (82. Beleck).

Aarau: Enzler; Thiesson, Thaler (80. Schwegler), Bergsma, Conus; Jäckle, Njie (75. Bunjaku); Balaj (75. Aratore), Almeida, Rrudhani; Gashi (58. Spadanuda).

Bemerkungen: Yverdon ohne Morelli (verletzt), Buchard, Delgado Alves Fargues, Hautier und Ombala (alle nicht im Aufgebot). Aarau ohne Qollaku (verletzt), Avdyli, Caserta, Gouano und Senyurt (alle nicht im Aufgebot). – Verwarnungen: 29. Silva, 65. Gétaz, 82. Lusuena, 86. Jäckle (alle Foulspiel), 89. Salvi (Unsportlichkeit).

Liegt es in Yverdon an der Absenz von Kevin Spadanuda? Der Liga-Topskorer weilte während der Länderspielpause im Zivilschutz, absolvierte kein Training und sass im Stade Municipal deshalb zu Beginn auf der Ersatzbank. Nach 58 Minuten kommt er für Captain Shkelzen Gashi, der ohne Torschuss bleibt, ins Spiel, wirklich gefährlich werden die Aarauer aber auch mit Spadanuda nicht.

Liga-Topskorer Spadanuda (blaues Trikot) bleibt nach seiner Einwechslung blass, ehe er mit einem Kopfball das 1:1 vorbereitet.

Liga-Topskorer Spadanuda (blaues Trikot) bleibt nach seiner Einwechslung blass, ehe er mit einem Kopfball das 1:1 vorbereitet.

Pascal Muller/Freshfocus / freshfocus

Das Spiel erinnert an das 0:0 der Schweizer Nationalmannschaft am Mittwoch in Nordirland: Die Aarauer in der Rolle der Nati, die pausenlos anrennt, aber am massiven Abwehrblock des Gegners oder der eigenen Unzulänglichkeit scheitert. Was Nati-Verteidiger Manuel Akanji nach dem Nordirland-Spiel moniert hat, trifft auch auf den FCA zu: Zu wenig Tiefe vor dem gegnerischen Tor, fehlender Mut zum Dribbling und eine miserable Flankenqualität.

Der Unterschied: Aarau rennt ab der 50. Minute einem Rückstand hinterher. Wieder ein Gegentor früh nach der Halbzeitpause, schon das vierte in dieser Saison nach einem Standard: Beim Corner für Yverdon verschätzt sich erst Jérôme Thiesson, ehe Vladi ungedeckt zum 1:0 einschiessen kann. Dabei haben die Aarauer im Abschlusstraining am Donnerstag noch genau solche Situationen geübt...

Einen Lichtblick aus FCA-Sicht gab es dennoch: Innenverteidiger Marco Thaler stand nach 19 Monaten wieder einmal in der Startelf. Zuletzt tat er dies am 23. Februar 2020 beim 4:4 gegen den SC Kriens, dem letzten Spiel, bevor die Corona-Pandemie das Land erreichte. Ehe Thaler in Yverdon das Spielfeld nach 80 Minuten mit Krämpfen verliess, gefiel er gemessen an der langen Pause mit einer tadellosen Leistung. Und so dürfte sich Thaler noch ein bisschen mehr als die Teamkollegen gefreut haben, dass sein Comeback doch nicht mit einer Niederlage endete.

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