TalkTäglich

«Lieber lasse ich 500 Zuschauer ins Stadion als gar keinen»: FCA-Präsident Bonorand zu möglichen Lockerungen

"Im Moment haben wir kein Geld vom Bund nötig": der neue FCA-Präsident im TalkTäglich

"Im Moment haben wir kein Geld vom Bund nötig": die wichtigsten Aussagen von Philipp Bonorand in der Sendung TalkTäglich am Dienstagabend.

Wird die Saison abgebrochen oder fortgeführt? Wird die Super League doch aufgestockt? Dürfen im Juli schon wieder Zuschauer ins Brügglifeld? Der neue Präsident Philipp Bonorand äussert sich im «TalkTäglich» zur Situation beim FC Aarau und gibt eine Einschätzung zur Woche der Wahrheit.

Dem Schweizer Fussball steht eine wegweisende Woche bevor: Sofern der Bundesrat am Mittwoch bei seiner Sitzung wie erwartet an der Wiederaufnahme des Spielbetriebs der zwei höchsten Ligen festhält, entscheidet die ausserordentliche GV der SFL am Freitag über Abbruch oder Fortsetzung der Saison.

Der künftige FCA-Präsident Philipp Bonorand (bis zur nächsten GV noch ad interim) ist froh, dass endlich die Entscheidung naht: «Wir müssen langsam wissen, ob die Saison weitergeht oder nicht.»

Finanziell hinterlässt die Coronakrise nämlich auch beim FC Aarau tiefe Spuren: «Wenn die Saison mit Geisterspielen fortgeführt wird, dann rechnen wir mit Einbussen von einem höheren sechsstelligen Betrag. Bei einem Abbruch wären es dann noch 200'000 - 300'000 Franken mehr.» 

Es sei dementsprechend zwar nicht matchentscheidend für den Verein, ob die Spielzeit fortgesetzt werde, aber für den FC Aarau sei die Wiederaufnahme das bessere Szenario, erklärt Bonorand. 

Der künftige FCA-Präsident Philipp Bonorand (l.) führt den Verein bis zur nächsten GV noch ad interim.

Der künftige FCA-Präsident Philipp Bonorand (l.) führt den Verein bis zur nächsten GV noch ad interim.

Rückerstattung für Saisonabo-Inhaber noch ungewiss 

Bezüglich der Liquidität macht sich der Neo-Präsident aktuell keine Sorgen: «Wir sind noch über den Juni hinaus abgesichert und befinden uns noch in einer beruhigenden Situation.»  

Wie es danach aussieht, kann Bonorand noch nicht einschätzen: «Was passiert bei einem Abbruch mit den Saisonkarten und TV-Gelder? Wie reagieren die Sponsoren? Ob wir in diesen Fällen grosse Rückerstattungen tätigen müssen, oder nicht, hat für uns entscheidende Auswirkungen.»

Auf die Frage, ob der Klub das Geld für die verpassten Partien den Saisonabo-Inhaber zurückerstatten werde oder auf deren Solidarität hofft, kann Bonorand noch keine Antwort geben: «Wir werden dieses Thema im Verwaltungsrat besprechen und uns in den nächsten Tagen dazu äussern.»

Noch nicht auf Darlehen angewiesen 

Klar ist für Bonorand dagegen, dass der FC Aarau aktuell noch nicht auf ein Darlehen vom Bund angewiesen ist: «Sofern wir im Herbst wieder mit Zuschauer spielen können, ist der FCA nicht auf einen Bundeskredit angewiesen.»

Für die damit verbundene Kritik am 350-Millionen-Paket, das vom Bundesrat für den Betrieb der Fussball- und Eishockeyligen geschnürt wurde, hat Bonorand nur wenig Verständnis. Die Anschuldigungen bezüglich zu hohen Spielerlöhnen in der Schweiz hält er für populistisch: «Ich verstehe, dass der Vergleich zum internationalen Geschäft den Eindruck erwecken kann, dass wir solche Verhältnisse auch bei uns haben könnten. Vielleicht fehlt da ein wenig das Gespür für den Spitzensport, solche Debatten haben mit dem Schweizer Fussball nichts zu tun.» 

Die Spieler beim FC Aarau verdienen über dem Durchschnitt in der Challenge League.

Die Spieler beim FC Aarau verdienen über dem Durchschnitt in der Challenge League.

Der Präsident will dazu zwar keine genaue Zahlen liefern, stuft die Spielerlöhne beim FCA jedoch über dem Challenge-League-Durchschnitt von 3'800 Franken ein. «Wir sind wahrscheinlich der Klub mit den dritthöchsten Löhnen in der Challenge League. Unser Durchschnitt befindet sich zwischen dem der Liga und 10'000 Franken.»

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich mit Philipp Bonorand in voller Länge:

Woche der Entscheidungen beim FC Aarau

Zusätzliche Sitzplätze durch kreative Ideen

Ein durchaus erfreulicheres Thema ist für Bonorand der «Sportpanorama»-Auftrifft von Daniel Koch. Der Covid19-Delegierte vom BAG betonte am letzten Sonntag, er könne sich vorstellen, dass im Juli wieder Spiele mit Zuschauer stattfinden könnten, sofern die Fallzahlen weiterhin sinken würden. 

Auch wenn Sitzplätze für die Umsetzung zwingend wären, damit Ansteckungsfälle genau zurückverfolgt werden können, finden Kochs Aussagen bei Bonorand grossen Anklang. Obwohl es dafür wohl geeignetere Spielstätten geben würde, als das Brügglifeld. «Lieber lasse ich 500 Zuschauer ins Stadion, als gar keinen. Das Brügglifeld hat 1200 Sitzplätze. Wenn wir die Hälfte besetzten können, dann dürften wir 600 Zuschauer reinlassen. Vielleicht gibt es ja auch noch kreative Ideen, wie wir zu weiteren Sitzplätze kommen würden. Aber um solche auszuarbeiten müssten wir zuerst mehr Details erfahren.»

Kein Zweifel, Bonorand hat in den kommenden Tagen viel Arbeit vor sich und wird schwierige Entscheidungen treffen müssen. Dazu gehört wohl auch die erneute Abstimmung am nächsten Freitag über eine Aufstockung der Super League (12 Teams) sowie eine Verkleinerung der Challenge League (8 Teams). Der Verwaltungsrat habe sich in dieser Frage noch nicht entschieden, sagt der FCA-Präsident. 

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