FC Aarau
Lieber Aarau als Ausland – Frontino spricht über seinen zweifelhaften Ruf

Momentan steckt der FC Aarau in einer Krise. Der neue Sportchef Sandro Burki hat mit Gianluca Frontino einen Spielmacher nach Aarau geholt. Frontino spricht über seinen zweifelhaften Ruf und er verrät, ob er bereits heute in Chiasso auf dem Platz steht.

Sebastian Wendel
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Gianluca Frontino.

Gianluca Frontino.

Hartnäckigkeit zahlt sich in den meisten Fällen aus. Das beweist auch der Transfer von Gianluca Frontino vom FC Winterthur zum FC Aarau: Schon seit Monaten ist der 27-Jährige ein Thema. Doch als sich nach der ersten Kontaktaufnahme abzeichnete, dass es ein zähes Ringen mit Winterthur um die Dienste des Spielmachers wird, wurden seitens der Aarauer die Bemühungen eingestellt.

Erst nach der Rochade auf dem Sportchef-Sessel kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Oder um es mit den Worten von Frontino zu sagen: «Sandro Burki hat mich fast jeden Tag angerufen und um mich gekämpft. Erst seither spüre ich, dass Aarau mich wirklich will.» Am Montag ist Burki im Feierabendverkehr von Aarau nach Winterthur gefahren, wo Frontino den Vertrag bis 2019 unterschrieben hat.

Zwei Tage später tritt der FC Aarau zum schwierigen Auswärtsspiel in Chiasso an – mit Frontino? Obwohl er spielberechtigt wäre, lautet die Antwort: Nein! Aus zwei Gründen: Er hat erst ein Training mit den neuen Teamkollegen absolviert – der Matchplan für das Chiasso-Spiel steht jedoch schon länger. Zweitens ist seine Knieverletzung, wegen der er zuletzt pausieren musste, noch nicht hundertprozentig ausgeklungen. Frontino: «Mit dem Trainer ist abgesprochen, dass ich mich auf das Heimspiel am Samstag gegen Rapperswil-Jona vorbereite.»

Gianluca Frontino - hier auf einer Aufnahme vor zwei Jahren im Thuner Dress - jubelt nach einem Treffer gegen Vaduz

Gianluca Frontino - hier auf einer Aufnahme vor zwei Jahren im Thuner Dress - jubelt nach einem Treffer gegen Vaduz

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Der FC Aarau ein Spitzenklub?

Aarau ist nach Schaffhausen und Winterthur Frontinos dritter Arbeitgeber innerhalb eines Jahres. Ihm eilt der Ruf voraus, beim geringsten Gegenwind das Weite zu suchen. Damit konfrontiert sagt Frontino: «Ich will mich eigentlich nicht rechtfertigen. Nur so viel zum besseren Verständnis meiner Wechsel: In Schaffhausen sagte mir Trainer Murat Yakin, dass ich in seinen Plänen kaum mehr Platz habe. Dass ich wechseln soll, wenn ich könnte. In Winterthur war ich alles andere als unglücklich und habe mich stets loyal verhalten. Nur darum hat der Klub mich überhaupt gehen lassen, als die wirtschaftlichen Konditionen gestimmt haben. Mir hat es dort gefallen. Doch nach den Gesprächen mit Sandro Burki reifte in mir die Überzeugung, dass das für mich als 27-Jähriger wohl die letzte Chance ist, nochmals durchzustarten. Und das bei einem Spitzenklub mit grossen Ambitionen. Ich habe viel vor, werde mir in Aarau eine Wohnung nehmen und hoffe, länger als bis 2019 in Aarau zu bleiben.»

Hoppla! Der FC Aarau ein Spitzenklub? Trotz dem sportlichen Sinkflug seit Jahresbeginn? Frontino: «Auf jeden Fall. Die Vergangenheit, die vielen Zuschauer, das Stadion, das starke Kader – Aarau ist ein klingender Name. Klar, der Saisonstart war schlecht. Doch wenn alle Spieler wieder gesund sind, ist viel möglich. Ich war beeindruckt vom Niveau im ersten Training.» Und er fügt an: «Dass ich in dieser schwierigen Situation zum FC Aarau wechsle und nicht warte, bis er in der Tabelle besser dasteht, sollte doch ein Indiz dafür sein, dass ich mich nicht vor schwierigen Situationen drücke.»

Einen Klub mit hohen Zielen hätte er auch in Liechtenstein gefunden – der FC Vaduz wollte Frontino ebenfalls unbedingt als neuen Spielmacher. Das Angebot war konkret und gut, doch Frontino wollte «nicht ins Ausland», wie er lachend sagt. «Das Gesamtpaket FC Aarau ist attraktiver.» Das liege auch an der sportlichen Rolle, die er spielen soll. «Trainer Marinko Jurendic weiss: Ich bin ein offensiver Freigeist, kein Kämpfer. Natürlich nehme ich meine Aufgaben in der Defensive wahr. Doch ich brauche offensiv die Freiheit, um Überraschungsmomente zu kreieren.» Worte, die Lust auf Frontinos ersten Auftritt im FCA-Trikot machen. Mal schauen, was dabei herauskommt.