FC Aarau

Plötzlich ist Schluss: Das neue Leben von Ex-Fussballprofi Sven Lüscher

Neo-Assistent Sven Lüscher (l.) und U21-Cheftrainer Mirko Pavlicevic besprechen sich in der Garderobe.

Neo-Assistent Sven Lüscher (l.) und U21-Cheftrainer Mirko Pavlicevic besprechen sich in der Garderobe.

Beim FC Aarau feierte Sven Lüscher vor drei Jahren einen Einstand nach Mass. In 106 Spielen kam er zu 14 Tore und mauserte sich zum Publikumsliebling. Jetzt beendet er schweren Herzens seine Karriere und tanzt beim FC Aarau auf drei Hochzeiten.

Das Leben eines Berufsfussballers gleicht einer Medaille. Einer Medaille mit einer schönen und einer hässlichen Seite. Beginnen wir bei Sven Lüscher mit der schönen Seite der Medaille: Erinnern Sie sich an den 3. Februar 2013? Nach dem Transfer vom FC Winterthur zu Aarau während der Winterpause feierte Lüscher im Brügglifeld einen Einstand nach Mass. Beim 2:0-Sieg im Cup gegen St. Gallen erzielte der frühere FCA-Junior den Führungstreffer. Ein Traumtor! Lüscher hämmerte den Ball mit einer Direktabnahme aus 20 Metern in den Winkel.

Das Erfolgserlebnis hatte für Lüscher Schubwirkung. In der Folge machte er seinem Namen als Scharfschütze und Spezialist für ruhende Bälle alle Ehre. Lüscher war im Trend. Mehr noch. Im Brügglifeld war er sogar der Publikumsliebling. Ob Corner, ob Freistoss; wenn Lüscher den Ball in Richtung gegnerischen Strafraum schlug, wurde es meistens gefährlich. Dank Rasse und Klasse brachte es Lüscher in den vergangenen dreieinhalb Jahren auf 106 Einsätze in der Meisterschaft. Dabei erzielte er 14 Tore. Bis vor gut einem Jahr lief für Lüscher alles wie am Schnürchen. Nach dem Trainerwechsel von Livio Bordoli zu Marco Schällibaum war Schluss mit lustig. In der Rückrunde der abgelaufenen Saison kam Lüscher nur zu sechs Einsätzen und zählte zweimal zur Startformation. Die hässliche Seite der Medaille kam zum Vorschein. Zwar hatte Lüscher einen Vertrag bis 2017, aber Schällibaum setzte nicht mehr auf ihn.

Dreieinhalb Jahre nach dem gelungenen Einstand war Lüscher das fünfte Rad am Wagen. Nach einem Gespräch mit Schällibaum Ende der vergangenen Saison spürte Lüscher, dass er nicht mehr erste Wahl ist. «Der Trainer hat es mir zwar nicht direkt ins Gesicht gesagt», erklärt er. «Aber mir war danach klar, dass ich im Kampf um einen Platz in der Startelf alles andere als gute Karten habe.» Und was sagt Schällibaum? «Sven ist ein toller Mensch und ein vorbildlicher Sportler», erklärt der Trainer. «Seine Einstellung war bis zuletzt professionell. Aber er geriet im Lauf der Rückrunde in einen Tunnel, aus dem er nicht mehr rauskam. Zudem ist bei uns der Konkurrenzkampf um die Plätze im Mittelfeld besonders gross.» Dass ihm mit Miguel Peralta ausgerechnet ein hoffnungsvolles Talent aus dem Team Aargau den Platz an der Sonne nahm, passt zur Strategie des FC Aarau. Schällibaum setzt je länger, je mehr auf die Jugend: Gut möglich, dass am Sonntag, 24. Juli, beim Saisonauftakt gegen Chiasso mit Marco Thaler, Olivier Jäckle, Daniele Romano, Zoran Josipovic und Peralta gleich fünf Youngsters in der Startformation stehen.

Wie aber sieht die Zukunft von Lüscher aus? Den Vertrag aussitzen und eine Saison auf der Ersatzbank schmoren wollte er nicht. Lüscher entschloss sich schweren Herzens, seine aktive Karriere zu beenden. Logisch, dass der Frust tief sass. «Ich musste meinen Spind in der Kabine im Brügglifeld von einem Augenblick auf den andern räumen», blickt der Mittelfeldspieler zurück. «Das tat weh. Sehr weh. Aber jammern bringt nichts. Ich wollte möglichst schnell nach vorne blicken und machte mich zusammen mit den Klubverantwortlichen auf die Suche nach Lösungsansätzen.»

FCA lässt Lüscher nicht einfach fallen

Was aber tun im heiklen Fall? Keine einfache Sache! Schliesslich brüteten der für die erste Mannschaft verantwortliche Vizepräsident Roger Geissberger, Sportchef Raimondo Ponte und Nachwuchs-Chef Sascha Stauch in Zusammenarbeit mit dem Spieler folgenden Deal aus. Lüscher erhält einen Zweijahresvertrag mit drei Aufgabenbereichen: Er wird Assistent des Cheftrainers Mirko Pavlicevic vom Team Aargau U21 und Stürmertrainer aller Talentauswahlen vom Team Aargau. Und besonders interessant: Lüscher darf einen halben Tag pro Woche an der Seite von Raimondo Ponte verbringen. Lüscher wird also für einige Stunden zum Lehrling des Sportchefs und kann in dieser Zeit mit Sicherheit viel über Theorie und Praxis im Fussballgeschäft erfahren. Vielleicht kann aber auch Ponte von Lüscher etwas lernen. Wie aus dem Umfeld des FC Aarau zu vernehmen ist, soll sich der Sportchef mit dem Bedienen von Handys, Laptops und Computern ziemlich schwertun. Wie wäre es, wenn Lüscher Ponte die technischen Feinheiten der erwähnten Geräte näher bringen würde?

So oder so ist es erfreulich, dass der FC Aarau den Fall Lüscher stilvoll löst und den in die Jahre kommenden Mittelfeldspieler nicht einfach fallen lässt. Schliesslich beginnt für den 32-Jährigen nach der Profikarriere ein neuer Lebensabschnitt. Nicht nur beruflich, auch privat: Nach der Heirat mit Katrin vor einem Jahr wurde Lüscher vor zwei Monaten Vater eines Sohnes mit dem Namen Jaylen. Die junge Familie wohnt seit kurzer Zeit in Hirschthal. Und weil diese Familie einen Ernährer braucht, ist Lüscher auf einen Job angewiesen.

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Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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