Leichtathletik
Silvan Wickis Sprint in die Rekordbücher

Der BTV-Aarau-Sprinter zog seinen Plan durch und knackte an den Schweizer Hallenmeisterschaften in Magglingen mit 6,59 Sekunden den 22 Jahre alten Schweizer Rekord über 60 Meter. Und zwei weitere Aargauer sorgten für Edelmetall.

Jörg Greb
Drucken
Teilen
Unwiderstehlich: Silvan Wicki (2.v.r.) siegt über 60 Meter in Rekordzeit.

Unwiderstehlich: Silvan Wicki (2.v.r.) siegt über 60 Meter in Rekordzeit.

Athletix

Die Absicht war klar kommuniziert: Silvan Wicki wollte seine Leistungsentwicklung des letzten Jahres bestätigen und den Schweizer Rekord über 60 Meter in der Halle attackieren. Bei 6,60 Sekunden stand dieser seit 22 Jahren. Für ein Gelingen des Unterfangens sprach sowohl die jüngere Vergangenheit als auch die Gegenwart. Im letzten und im vorletzten Jahr holte sich der Basler in Diensten des BTV Aarau den Titel – in 6,62 (2020) und 6,65 (2019) Sekunden. Und im vergangenen Sommer vermochte er seine Entwicklung zu bestätigen, indem er sich über 100 m (10,11) und 200 m (20,45) markant steigerte.

Der 26-Jährige war vor dem Finallauf in Magglingen voller Spannung. Die Nervosität liess er sich aber kaum anmerken. Voll fokussiert und überzeugt stand er hinter seinem Startblock. Schliesslich schnellte Wicki nach dem Startkommando fast gleichzeitig mit «Startrakete» Pascal Mancini aus dem Block – und landet einen souveränen Start-/Zielsieg. Die Zeit? 6,58 leuchtete auf. Später wurde die Zeit auf 6,59 korrigiert. Wickis Reaktion? Nach dem Abbremsen an der dicken Matte und schnellem Durchatmen begann er zu strahlen. Widersacher William Reais (6,66) tanzte auf ihn zu, ist erster Gratulant. Der entthronte Mancini (6,69) richtete seinen Zeigfinger auf Wicki und signalisierte: «Seht her, der neue Sprinterkönig!»

«Ich habe gespürt, dass die Puzzleteile vorhanden sin»d

Silvan Wicki fühlte sich bestätigt: «Ich habe gespürt, dass die nötigen Puzzleteile vorhanden sind.» Das Abschlusstraining am Donnerstag vermittelte ihm die erhoffte Sicherheit. Ebenso der Vorlauf in 6,65 Sekunden – ohne durchzuziehen. Silvan Wickis Vorstellung des optimalen Sprints entsprach aber auch das Final-Rennen nicht. «Ich habe den Lauf verhauen», sagte er gar mit etwas Distanz. Nach dem «schön flachen Start» glückte ihm der Übergang in die aufrechte Haltung nicht optimal. «Nach 20 m war ich zu tief, das war nicht so, wie ich es könnte.» Der perfekte Lauf war dies also nicht.

Den nächsten Wochen blickt Silvan Wicki zuversichtlich entgegen. «Ich werde immer stabiler und dadurch nicht nur schneller, sondern auch konstanter», freute er sich und folgerte, dass er seinen Rekord auf dem Weg an die Hallen-Europameisterschaften vom ersten März-Wochenende in Torun (Polen) schon bald selber weiter verbessern könnte. «Vier Hundertstel liegen noch drin», kündigte er an. Diese Motivation verbindet er mit einer zweiten: Vor zwei Jahren verpasste er an der Hallen-EM mit einer mässigen Leistung den Finaleinzug. Das möchte er nun besser machen. Fürs Erste aber geniesst er: «Rekord ist Rekord.»

Aargauer Edelmetall für Wunderlin und Rosamilia

Im Schatten von Wicki sorgte der Fricktaler Springer Lino Wunderlin mit Silber im Hochsprung (2,10 m) und Bronze im Weitsprung (7,47 m) für einen doppelten Erfolg. Und ein Ausrufezeichen gelang der erst 18-jährigen Valentina Rosamilia (BTV Aarau): Hinter den beiden international profilierten Lore Hofmann und Selina Rutz-Büchel gewann sie über 800 m Bronze – in der neuen persönlichen Bestzeit von 2:05,52 Minuten. Einen bitteren Beigeschmack hat der Erfolg: Die Limite für die Hallen-EM lag bei 2:05,50.

Valentina Rosamilia lief über 800 Meter auf den dritten Rang.

Valentina Rosamilia lief über 800 Meter auf den dritten Rang.

Athletix