Laufsport

Langstreckenläufer Tadesse Abraham und seine Liebe zum Hallwilersee

Tadesse Abraham (rechts) bei seinem Sieg am Hallwilerseelauf im letzten Jahr.Alexander Wagner

Tadesse Abraham (rechts) bei seinem Sieg am Hallwilerseelauf im letzten Jahr.Alexander Wagner

Der beste Schweizer Langstreckenläufer Tadesse Abraham reist in den Aargau, um das Rennen rund um den Hallwilerseelauf für sich zu entscheiden. Dabei trifft er auf eine fordernde Konkurrenz.

Das Laufen ist die Arbeit. Mit dem Laufen verdient Tadesse Abraham sein Geld und kommt damit für seine Familie auf, seine Frau und seinen Sohn. Aber für den
33-jährigen, der vor 16 Monaten nach zehn Jahren in der Schweiz den roten Pass mit dem weissen Kreuz erhalten hat, spielt eine weitere Komponente mit: das Erlebnis. «Die Natur gehört zum Laufen, sie inspiriert und beflügelt mich, das war schon früher in meiner ursprünglichen Heimat Eritrea so.»

Und war besonders auch in der ersten Zeit in der Schweiz so. Die Umrundungen eines Sees, des Greifensees, lernte er ab 2004 schätzen: das Wasser, die Schilfgürtel, die Stille, die völlig differierenden Stimmungen, die Jahreszeiten. Und den Greifenseelauf als Wettkampf. «Das ist mein Heimrennen», sagt er noch immer, obwohl er seit 2010 mit seiner Familie in Genf lebt.

Eine ähnliche Beziehung aufgebaut hat er auch zum Hallwilersee. Um die exakt gleiche Distanz handelt es sich. Die Naturnähe ist auch hier gegeben und eine fordernde Konkurrenz ebenfalls. Dass er da seinen eigenen Halbmarathon-SchweizerRekord von Barcelona vom vergangenen Februar (1:00:42 Stunden) der vielen Richtungsänderungen und der Höhenunterschiede wegen nicht wird gefährlich werden, ist er sich bewusst. Es stört ihn nicht.

Erster Triumph vor neun Jahren

Eine Leistung, die seinem Namen gerecht wird, strebt Tadesse Abraham dennoch an. Der fünfte Sieg nennt er als Ziel – nach 2006, 2007, 2008 und letztem Jahr. Diesem ordnet er auch seine Taktik unter. Noch ist ihm unklar, was ihn erwartet. Den wohl stärksten Widersacher, den Kenianer Peter Lemuya, kennt er nicht. Im Palmarès des 21-Jährigen ist die Zeit von 1:02:00 Stunden im Halbmarathon aufgeführt (Madrid 2014). «Das wird spannend und weist auf viel Spontaneität hin», freut sich Abraham. Immer im Hinterkopf trägt er auch die Zeit von 1:02:47 – den Streckenrekord. Daniel Kiptum, der gehörlose Kenianer, stellte diesen vor fünf Jahren auf. «Er profitierte davon, dass ihn zwei seiner Landsmänner forderten», sagte Abraham. Er selber (3.) wies damals noch nicht das aktuelle Leistungsvermögen auf.

Rio als grosses Ziel

Im Vergleich zum Greifenseelauf drei Wochen zuvor fühlt sich Abraham in besserer Form. «Der WM-Marathon von Ende August in Peking ist nun verarbeitet», sagt er. Nachwirkungen verspürt er keine mehr. Schritt für Schritt will er nun seine Form aufbauen. Noch hat er seinen Trainingsumfang nicht auf sein Normallevel hochgefahren. Noch begnügt er sich auf eine Einheit täglich – «dafür», so betont er, «hat die Trainingsqualität Vorrang».

Sein nächstes Ziel sind die vorweihnachtlichen Stadtläufe. Längerfristig ausgerichtet ist sein Aufbau natürlich auf den Olympia-Marathon vom nächsten August in Rio, für den er die Anforderungen bereits erfüllt hat. Und von Unterstützung ganz besonderer Art profitiert er derzeit. Eine Gruppe von jungen äthiopischen Topläufern weilt in Genf. Mit ihnen trifft er sich zu den qualitativ besonders wichtigen Trainingseinheiten. Auch deshalb ist er für seinen jugendlichen Herausforderer am Hallwilerseelauf gewappnet.

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