Aargauer Sport
Lampenfieber kennt sie nur in der Schule

Eiskunstläuferin Bianca Salzmann aus Seengen will Schweizer Meisterin in der Kategorie Jugend werden. Die Favoritenrolle macht die 13-Jährige nicht mehr nervös.

Rainer Sommerhalder
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Bianca Salzmann (l.) erhält im Training Tipps von Trainerin Fiacco. rs

Bianca Salzmann (l.) erhält im Training Tipps von Trainerin Fiacco. rs

Wenn Bianca Salzmann auf dem Eis steht, dann ist sie wie verwandelt. «Wenn ich in der Schule etwa für einen Vortrag vor die Klasse treten muss, dann spüre ich ziemlich grosses Lampenfieber», gibt sie zu. Ihre sportlichen Künste hingegen vor Publikum aufzuführen, geniesst die 13-jährige Sekundarschülerin aus dem Seetal in jeder Sekunde. Dass sie an der Schweizer Meisterschaft vom 4./5. Februar in Saint-Imier zu den Topfavoriten zählt, macht Bianca Salzmann im Vorfeld nicht kribbelig. «Ich versuche immer, die Beste zu sein», sagt sie selbstbewusst.

Früher sei sie vor wichtigen Wettkämpfen viel nervöser gewesen, gibt das grösste Talent des Eislaufclubs Mittelland zu. Etwa vor einem Jahr, als sie an den Meisterschaften bereits einmal zu den Titelanwärterinnen zählte, das Kurzprogramm aber ziemlich verbockte und nur den 26. Zwischenrang belegte. Die Reaktion in Form einer hervorragenden Kür folgte auf den Fuss. Letztlich reichte es für Platz 9. In dieser Saison läuft es der Seengerin durchs Band weg glänzend. Bei ihren Wettkämpfen stand sie stets auf dem Podest, in Saint-Imier und Grindelwald gewann Salzmann die Konkurrenz.

Erfolge im Eiskunstlauf zu feiern, bedeutet für Bianca Salzmann viel Verzicht. Wenn ihre Schulkolleginnen sich im Ausgang treffen, trainiert sie in der Reinacher Eishalle. Wenn sich die Seenger Jugend im Sommer am See vergnügt, lernt Bianca im Auto auf dem Weg nach Bäretswil oder Wetzikon, wo es durchgehend Trainingseis gibt, für die Schule. Für andere Hobbys fehlt die Zeit, auch wenn Bianca zum Beispiel gerne Kuchen backt. Fern sehen liegt nur ab und zu drin. Etwa gemeinsam mit ihrem 17-jährigen Bruder Sascha, der beim FC Wohlen Fussball spielt, im letzten Sommer das eine oder andere WM-Spiel. In die Ferien reist der Teenager pro Jahr nur eine Woche.

«Sport auf diesem Niveau ist nur möglich, wenn die ganze Familie dahinter steht», sagt ihre Mutter Cini. Seit Bianca vierjährig ist, geht sie regelmässig aufs Eis. Den Anfang machte ein Einsteigerkurs fürs Schlittschuhlaufen. Bald einmal meldete sich die Leiterin bei Mama Salzmann und berichtete über das ausserordentliche Talent ihrer Tochter, das fortan konsequent gefördert wurde. Cini Salzmann setzt sich als Vizepräsidentin auch im Verein ein.

Als Nächstes strebt Bianca Salzmann die Aufnahme ins nationale Junioren-Kader an. Dafür muss sie den Doppel-Axel perfekt beherrschen. Seit dieser Saison zeigt sie den Axel, der oft auch Stéphane Lambiel zum Verhängnis wurde, bei Wettkämpfen. Noch fehlt die Stabilität, gelingt der Doppel-Axel nicht perfekt. Bei ihrem Sieg in Grindelwald hat sie den schwierigen Sprung erstmals bei einer Kür gestanden. Will sie in drei Wochen Schweizer Meisterin werden, muss ihr dies auch in Saint-Imier gelingen. Anschauungsunterricht erhält die junge Aargauerin nächste Woche in Bern an der Europameisterschaft. Sie lässt es sich nicht nehmen, gemeinsam mit ihrer Mutter die besten Eiskunstläufer Europas live zu verfolgen. Eine solche Möglichkeit bietet sich schliesslich nicht alle Tage.

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