Spitzenkampf

Lag René Weiler daneben? Merci Servette – dem FC Aarau steht die Tür zur Barrage offen

René Weiler feierte 2013 mit dem FC Aarau den Aufstieg in die Super League

René Weiler feierte 2013 mit dem FC Aarau den Aufstieg in die Super League

Die Genfer stehen nach dem 3:1 gegen Lausanne als Aufsteiger fest und sorgen dafür, dass der FC Aarau die Barrage aus eigener Kraft erreichen kann.

Sechs Jahre lang haben die Servette-Fans auf die Rückkehr ihres Vereins in die höchste Spielklasse gewartet. Wohin mit all den Emotionen? Warten geht nicht mehr – also ab auf den Rasen im Stade de Genève! Doch die Partie gegen Lausanne ist noch nicht abgepfiffen.

Hektik pur bei den Servette-Verantwortlichen! Der Stadionspeaker scheucht die Massen zurück auf die Tribünen, warnt vor einem Spielabbruch.

Doch der Aargauer Schiedsrichter Fedayi San hat ein Einsehen, er lässt Milde walten, pfeift wenige Minuten später wieder an und dann, um 22.05 Uhr, ist es amtlich: Genf ist zurück in der Super League, die über 20 000 Zuschauer verwandeln das Stade de Genève in ein Tollhaus.

Servette nach sechs Jahren wieder in der Super League

  

196 Kilometer nordöstlich, in Aarau, dürfte im einem oder anderen Haushalt mit FCA-Fans auch noch ein Fläschchen aufgemacht worden sein. Die Niederlage von Lausanne bedeutet nämlich: Der FC Aarau liegt nach Verlustpunkten vor den Waadtländern und kann ab sofort aus eigener Kraft die Barrage erreichen.

Der erste Schritt dahin wäre ein Sieg am Samstagabend in Schaffhausen. Die Vorzeichen stehen schon mal gut: Gegen Schaffhausen nämlich hat Aarau in dieser Saison alle drei bisherigen Duelle gewonnen.

Eines ist klar: Motivieren muss FCA-Trainer Patrick Rahmen nun keinen seiner Spieler mehr. Direkt nach dem Schlusspfiff in Genf sagt er zur «Schweiz am Wochenende»: «Unsere Ausgangslage ist durch den Servette-Sieg noch besser geworden, jetzt wollen wir natürlich mit aller Macht in die Barrage und werden alles dafür tun.»

Gleichzeitig warnt Rahmen vor verfrühter Euphorie: «So, wie ich nach einem Lausanne-Sieg in Genf nicht in Tränen ausgebrochen wäre, veranstalte ich nun auch keine Jubelstürme. Wir haben noch vier Spiele vor uns. Und die Champions-League-Spiele in dieser Woche haben deutlich gezeigt, wie unberechenbar der Fussball ist. Wir tun am besten daran, den Fokus auf das nächste Spiel zu legen und nichts an den Abläufen zu ändern, mit denen wir in den vergangenen Wochen Erfolg hatten.»

33. Runde: Die Challenge-League-Tabelle am Freitagabend nach der Niederlage von Lausanne

33. Runde: Die Challenge-League-Tabelle am Freitagabend nach der Niederlage von Lausanne

Geigers Worte zu Rahmen

Rahmen hat sich am Freitagabend nicht nur für sich und seine Mannschaft, sondern auch für Servette gefreut. «Die Genfer waren über die ganze Saison gesehen die Mannschaft mit der grössten Qualität und Reife. Abgesehen von einem holprigen Start hatten sie keine längere Schwächephase.»

Besonders gönnen mag Rahmen den Aufstieg seinem Trainerkollegen Alain Geiger. «Ich habe ihn schon als Spieler geschätzt. Alain ist ein feiner Typ, mit dem ich gerne über Fussball rede. Er war in der Schweiz lange von der Bildfläche verschwunden, mit ihm hat niemand mehr gerechnet, deshalb freut es mich sehr für ihn.»

Rahmen erinnert sich an ein Gespräch mit Geiger nach dem zweiten Aufeinandertreffen zwischen dem FCA und Servette in dieser Saison. Es war am 20. Oktober 2018, Aarau verlor 1:3 in Genf und lag nach elf Spieltagen mit nur vier Punkten abgeschlagen am Tabellenende.

«Nach dem Schlusspfiff kam Alain zu mir und sagte, wir seien bislang ihr stärkster Gegner gewesen. Ich antwortete, dass ich mir davon nichts kaufen könne, sondern dass wir trotzdem nur vier Punkte haben. Da meinte er, wir sollen geduldig bleiben, er versichere mir, dass sich der Erfolg beim FC Aarau bald einstellen werde. Damit hat er rückblickend ja nicht unrecht gehabt.»

In der Tat: Der FCA hat seither sogar mehr Punkte gesammelt als Geigers Servette. Und gilt spätestens nach dem gestrigen Abend als Favorit auf die Barrage. Denn Lausanne machte im Léman-Derby einen harmlosen Eindruck. Es schien, als hätte die «0:3-Ohrfeige» (O-Ton Lausanne-Trainer Giorgio Contini) vor einer Woche in Aarau tiefe Wunden hinterlassen.

Zum 1:1 in der 15. Minute kam Lausanne wie die Jungfrau zum Kind dank eines Riesenflops von Servette-Goalie Frick. Danach bestand das Remis nur deshalb so lange, weil Servette eine Topchance nach der nächsten liegen liess.

Es dauerte bis zur 74. Minute, als Alexandre Alphonse dem Ex-Aarauer Igor Nganga enteilte und zum 2:1 traf. Drei Minuten später machte Kastriot Imeri mit dem 3:1 den Servette-Aufstieg klar.

Erinnern wir uns zum Schluss an die Worte vom Aarauer Aufstiegstrainer aus dem Jahr 2013, René Weiler. Er sagte Anfang Jahr auf die Frage, ob sein Ex-Klub noch Rang 2 erreiche, dass Aarau in der Rückrunde zwar die meisten Punkte aller Challenge-League-Teams holen werde, die Barrage aber trotzdem knapp verpasse. Was würde Weiler wohl sagen, wenn wir ihm die gleiche Frage heute nochmals stellen?

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