Orientierungslauf

Kyburz gewinnt Sekundenkrimi in Aarau

Matthias Kyburz setzt sich knapp gegen seine Konkurrenten durch.

Matthias Kyburz setzt sich knapp gegen seine Konkurrenten durch.

Mit dem Grand-Slam-Final in Aarau haben die Schweizer Orientierungsläufer die spezielle Saison abgeschlossen.

Nochmals den Körper auf Hochleistung einstellen, nochmals das Wettkampfgefühl aufbauen, Höchstleistung abrufen. Gleich doppelt galt dies für die besten Schweizer OL-Läufer am Final um den Grand Slam. Qualifiziert hatten sich coronabedingt nur die sechs besten Elite-Männer respektive -Frauen sowie die je drei besten U20 aus beiden Geschlechtern.

Aarau war Austragungsort. Die Durchführung verlief aber anders als ursprünglich geplant. Vorgesehen gewesen war eine Qualifikation über die Mittel­distanz am Vormittag auf der Karte Distelberg. Diese fand statt wie geplant. Der Final, ein geplanter Städtesprint im Zentrum von Aarau, musste aber schnell und arbeitsintensiv umgeplant werden.

Zwei Varianten standen als Alternative zur Auswahl

Christine Lüscher, die Leistungssportverantwortliche bei Swiss Orienteering, sah voraus, dass viele Menschen in der Aarauer Innenstadt unterwegs sind. Zu viele, um mit gutem Gefühl und unter Berücksichtigung aller Schutzmassnahmen das ge­plante Rennen abzuhalten. «Also begannen wir uns nach Alternativen zum Stadtzentrum umzusehen», sagte Lüscher. Die Karte Telli bot eine Alternative, die Sportanlagen Schachen mit dem Reit- und Leichtathletik-Stadion sowie der Badi ebenso.

Das OK entschied sich für die zweite Variante. Dank guter Beziehungen zu den Eigen­tümern und der Stadt stand die Nutzung des gesamten Gebiets rasch fest. Zwar liess sich auf die OL-Karte vom Scool-Cup zurückgreifen. Diese galt es aber zu überarbeiten. Und schliesslich ging es darum, einen attraktiven Wettkampf auf Eliteniveau auf die Beine zu stellen. Nationaltrainer Kilian Imhof übernahm die Aufgabe der Bahnlegung. Er sagte: «Im übersichtlichen und wenig spektakulären Gelände erzwang ich mit zahlreichen Postenstandorten, Richtungswechseln und verschiedenen Abfolgen viele Entscheidungen, die eine Dauerkonzentration forderten.»

Als Sieger profilierten sich Matthias Kyburz und Simona Aebersold. Beide schafften sich am Vormittag eine ideale Ausgangslage für die Finals und gewannen die Qualifikation. Nach deren Reihenfolge wurde im Schachen gestartet – je mit 5 Sekunden Zeitdifferenz zwischen den nachfolgenden Athletinnen und Athleten. Kyburz wie Aebersold verteidigten ihre Führung. Beim Männersieger aber blieb die Spannung hoch bis ins Ziel. Daniel Hubmann und Martin Hubmann schlossen fast zu Kyburz auf. «Die Schlussphase war hektisch. Es war ein Nervenkitzel mit Dani und Martin im Nacken», sagte der Sieger aus Möhlin.

Kyburz löste die Heraus­forderung mit Bravour. «Ich wusste: Jeder noch so kleine Fehler fällt ins Gewicht. Ich muss sauber und fehlerlos laufen.» Indem er die Konzentration auf sich selber lenkte und die Sichtkontakte mit den Widersachern ausblendete, gelang ihm dies. Der Erfolg tut ihm gut. Kyburz sagte: «Die Saison 2020 war extrem fordernd, und meine Erkrankung Ende August machte es zusätzlich schwierig.» Als frustrierend erlebte Kyburz, «wie ich den Lohn meiner Anstrengungen im Training nicht einfahren konnte». Stattdessen büsste er seine Form ein und benötigte Wochen, bis er den Rückstand wieder wettgemacht hatte.

Mit dem Sieg in Aarau gewann er die Gewissheit eines hohen Leistungslevels zurück. Sicherheit und Optimismus generiert er daraus. Überlappt ist diese aber durch die Ungewissheit im Hinblick auf 2021. Kyburz hofft, die Motivation, den Fokus und die nötige Lockerheit erneut zu finden.

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