FC Wohlen
Kunz: «Entlassung ist für mich als zweifachen Familienvater nicht einfach»

Nach nur drei Monaten ist Adrian Kunz als Coach des Challenge-League-Klubs Wohlen entlassen worden. Der 44-jährige ehemalige Co-Trainer des FC Thun will die Vorwürfe, die ihm vom Verwaltungsrat gemacht werden, so nicht auf sich sitzen lassen.

Michael Schenk
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Adrian Kunz lässt die Vorwürfe, wie sie ihm vom Verwaltungsrat des FC Wohlen gemacht werden, so nicht auf sich sitzen.

Adrian Kunz lässt die Vorwürfe, wie sie ihm vom Verwaltungsrat des FC Wohlen gemacht werden, so nicht auf sich sitzen.

Alexander Wagner

Keine Strategie, keine Strukturen und unfähig, Stabilität in die Mannschaft zu bringen - soweit die Vorwürfe vom Challenge-League-Verantwortlichen des FC Wohlen, René Meier, an die Adresse des am Montag entlassenen Trainers Adrian Kunz. Der 44-jährige Berner und frühere Bundesligist bei Werder Bremen hatte die Aargauer erst Mitte November übernommen.

Nach einem Sieg und zwei Niederlagen in der Meisterschaft, sowie dem Cup-out gegen Luzern, musste Kunz seinen Stuhl just auf Beginn der Meisterschafts-Rückrunde überraschend wieder räumen. Eigentlich hätte der FC Wohlen am Samstag gegen Kriens starten sollen. Witterungsbedingt wurde dieses Spiel jedoch abgesagt. Der geschasste Trainer freilich will die Vorwürfe an seine Adresse nicht so auf sich sitzen lassen.

«Klar hatte ich ein Konzept»

«Ich habe ein Konzept und klare Vorstellungen gehabt», sagt Adrian Kunz. Aber er habe in Wohlen genau eine Woche in Ruhe arbeiten können. Die Angst vor dem Abstieg sorgt seiner Meinung nach eher für Instabilität innerhalb des Klubs; denn bei ihm. Wenn ein Verwaltungsrat wenige Tage vor dem Match gegen Schlusslicht Brühl im Training erscheint und mahnt, man wolle ja nicht das erste Team sein, dass gegen den Letzten verliert, zeugt dies effektiv von blanken Nerven auf Ebene Führungsetage.

Prompt unterlag der FC Wohlen zum Abschluss der Hinrunde dem Tabellenletzten 2:3. Kunz‘ Konzept auf dem Rasen sah ein 4-2-3-1-System vor. «Und wir haben auch Spieler für dieses System verpflichtet», sagt er. Wenn einem aber ein Verwaltungsratsmitglied, so Kunz, just vor dem Rückrundenstart auf die Frage, was er denn sagen würde, wenn Wohlen mit diesem System gegen Kriens gewänne, antwortet: «Dann wäre ich frustriert» sei dies doch aussergewöhnlich. Man darf davon ausgehen, dass in dem Fall die Tage von Adrian Kunz als Wohlen-Trainer nicht erst seit der Verkündung der Entlassung gezählt waren.

«Jekami» brachte Unruhe

Nach dem Sieg in Kunz‘ erstem Spiel als FCW-Coach gegen Carouge (19.11.) kam es zu «zig Vorfällen», wie der jetztige ex-Coach betont, «die es einem Trainer gar nicht erlauben, in Wohlen strukturiert zu arbeiten.» Wenn sich etwa ein Spieler weigere, da zu spielen, wo ihn der Trainer aufstelle, und er dafür nicht sanktioniert wird, sei das mehr als fraglich.

Später, Anfang Januar während der Winterpause, verreist derselbe Spieler, ohne Wissen des Coachs, nach Amerika und steht gut einen Monat später, just vor Beginn der Rückrunde, zusammen mit Zuzug Gaspar wieder auf dem Tapet. Notabene - ohne nennenswerte Konsequenzen. «Das ist schon sehr sonderbar», räumt Kunz ein. Andere schwänzen aus fadenscheinigen Gründen das Teambuilding-Weekend in Kitzbühel und wieder andere, der Brasilianer Felipe in dem Fall, sei nach dem Carouge-Spiel nur noch physisch präsent gewesen.

Dies nachdem feststand, dass er zu den Montreal Impacts in die Major League Soccer (USA) wechselt. «Im Kopf sass er bei den folgenden Partien schon im Flugzeug.» Diese und andere Geschichten mögen die aktuellen Probleme, unter denen der FCW leidet, aufzeigen.

14 SMS aus dem Team

Für Adrian Kunz selber ist die Entlassung «sicher nicht einfach als zweifacher Familienvater. Ich war überrascht», sagt er. Er habe aber auch viel Rückhalt aus der Mannschaft zu spüren bekommen. Offensichtlich im Gegensatz zu Wohlens Führungscrew. 14 sms sind bei Kunz am Montag nach Bekanntgabe seiner Entlassung, sprich der Präsentation seines Nachfolgers Ryszard Komornicki, eingegangen.

Stellen Sie sich vor, fragt Adrian Kunz, «was wäre gewesen, wenn wir am Samstag gegen Kriens gespielt und gewonnen hätte und man hätte mich am Montag entlassen?» Gute Frage.