Kunstturnen

Kunstturnerin Jessica Diacci will zurück ins Scheinwerferlicht

Jessica Diacci in der Sporthalle Obersiggenthal, wo sie bereits als kleines Mädchen turnte.

Erinnerungen werden wach

Jessica Diacci in der Sporthalle Obersiggenthal, wo sie bereits als kleines Mädchen turnte.

Nach einer dreijährigen Leidenszeit ist Jessica Diacci bereit, wieder voll anzugreifen. Am Samstag startet sie am Länderkampf in Obersiggenthal – allerdings ausser Konkurrenz.

Jessica Diacci hat gute Erinnerungen an die Sporthalle in Obersiggenthal. Die 20-Jährige Turnerin aus Villnachern hat in ihrer Heimhalle vor acht Jahren gleich vier Junioren Schweizer Meistertitel gewonnen. Seither hat sie keinen Wettkampf mehr bestritten an der Stätte ihrer ersten nationalen Erfolge. am Samstag kehrt sie jedoch anlässlich des Länderkampfs zwischen der Schweiz, Deutschland und Rumänien zurück.

Als sie die Halle fürs Fotoshooting wieder betritt, lässt sie den Blick über die bereits aufgebauten Geräte und die Tribüne schweifen. „Das letzte Mal als ich hier war, ist mir alles viel grösser vorgekommen“, sagt sie. Kein Wunder, es ist viel passiert in den letzten acht Jahren. Schwebebalkenspezialistin Jessica Diacci hat in den grössten Hallen der Welt geturnt und an vier Europa-, zwei Weltmeisterschaften und an den Youth Olympic Games teilgenommen.

Viel Verletzungspech

Zuletzt ist Jessica Diaccis Karriere allerdings ins Stocken geraten. Während drei Jahren konnte die junge Aargauerin nie über längere Zeit voll trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen. Immer wieder wurde sie von Verletzungen zurück geworfen.

Die Liste der Blessuren ist lang: ein gebrochener Mittelfussknochen, ein Ermüdungsbruch, Handgelenkprobleme, eine Knieprellung und zu guter Letzt auch noch eine Infektion im Knie. „Es war ein extremes Auf und Ab in dieser Zeit. Mehrmals habe ich alles hinterfragt, aber ich liebe das Kunstturnen noch immer und so lange das der Fall ist, werde ich weiter machen“, so Diacci, die in dieser Phase viel Unterstützung aus ihrem Umfeld erhielt.

Jetzt ist Jessica Diacci wieder fit und konnte zum ersten Mal seit drei Jahren die gesamte Saisonvorbereitung beschwerdefrei absolvieren. Entsprechend gross war die Vorfreude auf die beiden Qualifikationswettkämpfe für die im Oktober anstehende WM in Nanjing.

Doch es folgte der nächste Rückschlag. Sowohl im internen Qualifikationswettkampf als auch an den Schweizer Meisterschaften in Widen am vergangenen Wochenende kam Jessica Diacci nicht auf Touren. Sie stürzte in beiden Wettkämpfen mehrmals und schaffte es damit nicht, sich für die WM zu empfehlen. „Ich war mega enttäuscht nach diesen beiden Wettkämpfen. Ich hatte mir viel mehr erhofft“, findet sie klare Worte.

Diacci will sich steigern

Mit etwas Abstand hat sie eine Erklärung, weshalb es nicht geklappt hat. „Mir fehlt der Wettkampfrhythmus. Ich war extrem nervös vor meinen Einsätzen und hatte die Nerven nicht im Griff.“ An diesem Problem will sie nun gezielt arbeiten. Die Hilfe eines Mentalcoach zieht sie in Betracht, aber in erster Linie braucht Diacci möglichst viele Wettkämpfe, um die verlorene Sicherheit zurück zu gewinnen.

Die erste Gelegenheit bietet sich heute im Länderkampf in Obersiggenthal. Aufgrund der enttäuschenden Ergebnisse in den Qualifikationswettkämpfen wird Jessica Diacci ausser Konkurrenz antreten. Das heisst, ihre Punkte zählen nicht für die Wertung des Schweizer Teams, aber sie wird trotzdem am Barren, am Boden, beim Sprung und in ihrer Paradedisziplin Balken antreten.

„Ich will unbedingt besser turnen als an den letzten beiden Wettkämpfen und meine Trainingsleistungen bestätigen. Ich freue mich sehr, vor all meinen Freunden und Bekannten anzutreten. Das ist sehr speziell“, so Diacci.

Spitzenturner in Obersiggenthal

Am Länderkampf in der Dreifachturnhalle Obersiggenthal messen sich Deutschland, Rumänien und die Schweiz. Die drei Nationen stellen je ein Männer- und ein Frauenteam. Pro Gerät treten jeweils fünf Athleten – ein Team besteht aus deren sechs – an, wobei die vier besten Ergebnisse in die Wertung kommen. Dabei dürften die Zuschauer in den Genuss einiger ganz hoher Wertungen kommen, denn am Start sind unter anderem die zweifache Europameisterin Giulia Steingruber, der Welt- und sechsfache Europameister Fabian Hambüchen aus Deutschland, sowie die rumänischen Swiss Cup Sieger des letzten Jahres, Larisa Iordache und Andrei Muntean. Der Wettkampf der Frauen beginnt um 14 Uhr, die Männer starten um 18:30 Uhr. 

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