Aargauer Sportler des Jahres

Kunstturner Lucas Fischer gewinnt zum zweiten Mal

Mit Krücken erschien Lucas Fischer am späten Freitagabend auf der Bühne der Suhrer Bärenmatte, um an der Aargauer Sport-Gala zum zweiten Mal die Trophäe für den Aargauer Sportlers des Jahres abzuholen. Er ist der erste Athlet, dem dies gelang.

Die Aargauerinnen und Aargauer wählten Kunstturner Lucas Fischer zu ihrem Sportler des Jahres 2013. Vor drei Monaten wählten sie den 23-Jährigen bereits zum Aargauer des Jahres. Für Fischer ist der Triumph .

Lucas Fischer, Sie sind zum zweiten Mal kantonaler Sportler des Jahres, waren vor kurzem bereits Aargauer des Jahres – ist der neuerliche Titel nur noch einer unter vielen?

Lucas Fischer: Nein, überhaupt nicht. Dieses Mal habe ich dank meiner Leistung gewonnen. Es wurde nicht wie beim ersten Mal primär mein Weg gewürdigt. Und ich empfand die Konkurrenz mit FC Aarau, Leimer oder Vögele als sehr stark. Es ist für mich ein Super-Titel.

Waren Sie an der gestrigen Sport-Gala eigentlich nervös?

Ich werde vor allem vor Bekanntgabe der Wahl ziemlich kribbelig. Man hofft schliesslich immer auf den Sieg. Da gab es keinen Unterschied zum ersten Mal, da kommt keine Routine auf. Das Gefühl im Bauch bleibt immer vor solchen Entscheidungen.

Ihre Karriere ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Wie gehen Sie mit diesen unterschiedlichen Gefühlswelten um?

Das ist ein schwieriges Thema. Vor allem, weil es immer wieder etwas anderes ist. Die Epilepsie kam stets sehr unerwartet und plötzlich. Wenn man solche Tiefschläge überwindet, wird man als Person stärker. Das merke ich immer wieder und das hat mich letztlich zu EM-Silber geführt. Daran habe ich bisweilen selber fast nicht mehr geglaubt. Aber es lohnt sich, für seinen Traum zu kämpfen.

Welche Personen helfen Ihnen, mentale Täler zu durchschreiten?

Da gibt es ganz verschiedene Leute. Zuallererst meine Familie, meine Eltern, mein Bruder, meine Grosseltern. Dann sicher all meine Kollegen und auch meine Turnkameraden. Aber auch das medizinische Umfeld und ganz besonders mein Mentaltrainer, der immer für mich da ist und den ich zu jeder Uhrzeit anrufen kann. Zuletzt waren das Vertrauen des Turnverbandes und der Trainer – auch in schwierigen Zeiten – ebenfalls eine riesige Hilfe für mich.

Das tönt jetzt wie bei der Oscar-Verleihung ...

.... aber es ist ehrlich gemeint.

Wie oft wollten Sie den Turnsack ganz in die Ecke schmeissen?

Ganz ernsthaft war dies 2011 der Fall, als klar war, dass ich wegen der Epilepsie die Olympischen Spiele in London verpassen würde. Und jetzt wieder, als die zweite Knieoperation Tatsache wurde. Das hätte wirklich nicht sein müssen. Ich hatte grosse Mühe, es zu akzeptieren. Es ging mir ganz, ganz schlecht. Ich überlegte mir, ob sich das Ganze noch lohnt.

Offensichtlich tut es das. Wann kommt das nächste Hoch?

Das nächste Hoch war eigentlich bereits gestern bei der Bekanntgabe der Wahl. Ich hoffe, 2015 wieder an der EM dabei zu sein. Und nur dabei sein gibt es für mich nicht. Ich will wieder dort anschliessen, wo ich mit Silber in Moskau aufgehört habe. Ich spüre, wie es bei mir bereits wieder zu kribbeln beginnt. Gestern ertappte ich mich beim Spazieren durch Aarau dabei, wie ich andauernd daran dachte, welche neue Elemente ich in mein Programm einbauen kann.

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