Das Ziel ist klar: EM und WM 2013. Und natürlich von ganz oben auf dem Treppchen hinabschauen zu können. Lucas Fischer erlebt Rückschlag um Rückschlag in seiner Karriere, bereits fünf Fussoperationen hat er hinter sich und die Diagnose der Epilepsie. Trotzdem scheint es ihm heute besser zu gehen als je zuvor. «Ich fühle mich gut, der Fuss ist zwar noch ein wenig entzündet, aber das legt sich wieder», weiss Fischer.

Nach der Operation im März sei es völlig normal, dass der Fuss noch eine Entzündung aufweist – das haben ihm die Ärzte versichert. Was das Training anbelangt, muss er natürlich jetzt auch kürzer treten bei den Geräten: Reckübungen sind absolut tabu. Sie könnten wieder epileptische Anfälle auslösen, da «es sich dort immerzu dreht und dreht». Momentan fokussiert er sich auf den Barren, den er als seine stärkste Disziplin sieht und mit der er auch an die Qualifikation für die EM und WM an den Start gehen will.

Endlich wieder Wettkämpfe turnen

Fischers Programm und die Ziele sind klar strukturiert: «Nach den Weihnachtsferien werde ich den physischen Aufbau des Fusses wieder aufnehmen – bis dahin muss ich ihn noch ein bisschen schonen», erklärt der 22-Jährige. Dann soll es wie zuvor weitergehen. Er weiss, wie gut er sein kann, wenn er verletzungsfrei turnt. Das wichtigste Ziel ist für ihn, in der kommenden Saison wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen zu können – nebst dem Wunsch gesund zu bleiben natürlich.

Kunstturner Lucas Fischer singt Weihnachtslieder

Fischer singt

Die positive Einstellung des Mörikers kommt nicht von ungefähr, er hat nach einem Ventil gesucht für seinen Kummer und unterdrückten Emotionen. Seit einem Jahr hat er dieses gefunden: das Singen. «Der Gesang hilft mir, mich emotional mit den Geschehnissen im Turnen auseinanderzusetzen. Sicher gibt es im Kunstturnen auch starke Gefühle, aber diese sind anders», sinniert er.

Der Gesang und der Sport bringe seine innere Unruhe wieder in die Balance, wie er erzählt. Fischer möchte sich mit dem Singen ein zweites Standbein schaffen, und wenn die Turnkarriere eines Tages zu Ende geht, dann stürzt er sich ins Musikbusiness.

Dank dem Singen weniger nervös

Ein schöner Nebeneffekt des Singens sei auch noch der Aspekt der Nervosität. In früheren Wettkämpfen hat er durch die extreme Nervosität Fehler gemacht. Das hat sich nun geändert: «Ich spüre vor einem Konzert genau die gleiche Nervosität wie bei einem Wettkampf. Mittlerweile habe ich das mehr im Griff.» Was seine Auftritte betrifft, hat er keine näheren Zukunftspläne. Doch er sei für vieles zu haben, wenn man einen Sänger brauche, dann solle man ihn einfach buchen.

Das Schweizer Ausnahmetalent scheint den Stein also langsam, aber sicher nach ganz oben auf den Hügel gestossen zu haben – ganz im Gegensatz zum armen Sisyphus. Also wenn alles läuft wie geplant, dann sehen wir Lucas Fischer bald wieder im neuen Jahr – doch nicht mit zwei Krücken, sondern mit zwei Medaillen um den Hals.