Handball
Kreislauf-Zusammenbruch: Endingen-Trainer wieder zu Hause, Team will spielen

Nach dem Zusammenbruchs von Endingen-Trainer Zoltan Cordas bei der Partie gegen Basel geht es ihm nun wieder deutlich besser. Für den Rest der Saison wird er seinem Team fehlen. Seine Spieler sind noch immer aufgewühlt.

Rainer Sommerhalder
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Zoltan Cordas am Sonntag in der Tägerhardhalle Wettingen – Minuten vor seinem Zusammenbruch.

Zoltan Cordas am Sonntag in der Tägerhardhalle Wettingen – Minuten vor seinem Zusammenbruch.

Otto Lüscher

Trainer Zoltan Cordas hat keine bleibenden körperlichen Schäden, teilte der Handballclub TV Endingen am Montagnachmittag mit. Die ersten Befürchtungen, der 51-Jährige könnte bei seinem Zusammenbruch in der zweitletzten Minute des NLB-Krimis gegen den RTV Basel einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag erlitten haben, erfüllten sich glücklicherweise nicht.

Nach einer Nacht im Kantonsspital Baden ist Cordas inzwischen wieder zu Hause. Die Diagnose lautet «Kreislauf-Zusammenbruch». Den Auslöser dafür kennen die Ärzte noch nicht. Betreuen kann der Österreicher sein Team in der letzten Runde vom Mittwoch und in allfälligen Barrage-Spielen um den NLA-Aufstieg aber nicht.

Die Ereignisse am Sonntagabend in der Tägerhardhalle in Wettingen waren für viele Augenzeugen ein Schock und sorgten für manch schlaflose Nacht. Cordas fieberte, wie man ihn seit Jahren kennt, hundertprozentig mit seinen Spielern mit, regte sich angesichts der sich anbahnenden Niederlage merklich auf. Immerhin verspielte sein Team in diesen Minuten gerade den greifbaren Aufstieg in die Nationalliga A.

Dramatische Momente in der Halle

Auf einmal verstummten die 800 Anhänger in der Halle. «Als ich Zoltan regungslos am Boden liegen sah, rechnete ich wirklich mit dem Schlimmsten», sagt TVE-Geschäftsführer Christian Villiger. Er habe sich extreme Sorgen gemacht, erst recht, als ein Betreuer mit dem Defibrilator in der Hand zur Endinger Spielerbank stürmte. «Ich hatte wirklich Angst, dass er sterben könnte», gibt Villiger offen zu. «Die Emotionen haben mich übermannt.» Villiger sagt, das subjektive Zeitempfinden habe ihn völlig im Stich gelassen. «Obwohl alles sehr rasch ging, hatte ich das Gefühl, die schreckliche Situation dauere ewig an.»

Zum Glück war mit Lorenzo Ferrante, dem Vater von Torhüter Dario Ferrante, ein Arzt anwesend. Dieser übernahm die Erstversorgung. Während für NLA-Spiele im Handball die Anwesenheit eines Arztes in der Halle obligatorisch ist, gilt diese Regelung in der Nationalliga B nicht.

«Sie können aber sicher sein, dass es nach diesem Vorfall bei unseren Heimspielen diesbezüglich keinen Zufall mehr geben wird», verspricht Villiger.

Endingens Captain Christian Riechsteiner rang noch Stunden nach dem Spiel um Fassung. Er bat telefonisch spätabends die Medien, keine Bilder vom am Boden liegenden Trainer zu veröffentlichen. Nach einer mehr als unruhigen Nacht nahm er am Montag bei seinem Arbeitgeber Axpo spontan frei.

Spiel gegen STV Baden findet statt

Es war die Kombination von negativen Gefühlen, welche bei Riechsteiner alle Dämme brechen liess. «Eigentlich kann ich gar nicht beschreiben, wie ich mich in der Halle fühlte. Was schlimmer war: Die Enttäuschung, dieses kapitale Spiel verloren zu haben. Oder das, was mit Zoltan passierte. So etwas erlebt man als Sportler wohl nur einmal.»

Nachdem Villiger kurz nach dem Spiel bei Verband und Gegner STV Baden angekündigt hatte, dass man zum letzten Meisterschaftsspiel vom Mittwoch wohl nicht antreten werde, setzte sich bei den Spielern die Meinung durch, unbedingt spielen zu wollen. Auch bei Riechsteiner: «Es ist im Sinn von Zoltan. Er verkörpert Handball mit Herz und Seele und würde sich auf jeden Fall wünschen, dass wir spielen.»

An einer Teamsitzung am Montagabend entschied man definitiv, das Derby zu bestreiten. Betreut wird die Mannschaft von Goalietrainer Martin Pauli und U19-Coach Michael Spuler. Am Dienstag werden die Spieler die Ereignisse zudem noch mit ihrem Sportpsychologen Nino Paneduro aufarbeiten. Wann Riechsteiner das erste Mal wieder mit Zoltan Cordas sprechen wird, weiss der Captain nicht. «Ich denke, er braucht jetzt vor allem viel Ruhe.»

Zoltan Cordas am Sonntag in der Tägerhardhalle Wettingen – Minuten vor seinem Zusammenbruch.
8 Bilder
Zusammenbruch von Endingen-Trainer Cordas
Nemanja Todorovic (RTV) gegen Christian Riechsteiner (13).
Lukas Riechsteiner (TVE) gegen Igor Stamenov (10)
Severin Kaiser (TVE) gegen Goalie Pasca Stauber.
Leonard Pejkovic (TVE).
Sebastian Kaiser (TVE) gegen Martinez (rechts) und Hofstetter
Severin Kaiser (TVE) gegen Vukelic (rechts) und Stamenov.

Zoltan Cordas am Sonntag in der Tägerhardhalle Wettingen – Minuten vor seinem Zusammenbruch.

Otto Lüscher

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