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Kontroverse 2. Liga inter: Die graue Maus unter den Spielklassen

Höhere Kosten und weniger Derbys – die 2. Liga interregional kämpft um ihr Image. Beim FC Lenzburg oder beim FC Schöftland wollen deshalb aber nicht von einer unbeliebten Liga sprechen.

Jan Arnet und Cedric Heer
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Ein Derby als Ausnahme: Lenzburg (in Weiss) spielte am Wochenende gegen den FC Gränichen.

Ein Derby als Ausnahme: Lenzburg (in Weiss) spielte am Wochenende gegen den FC Gränichen.

Franz Schefer

Dass die 2. Liga interregional bei den Vereinen nicht immer beliebt ist, ist kein Geheimnis. Ein Aufstieg von der regionalen 2. Liga in die interregionale stellt kleinere Vereine oft vor problematische Veränderungen: Weniger Derbys bedeuten weniger Zuschauer, dazu kommen weite Reisewege durch die ganze Schweiz, die vor allem ältere Spieler mit Familie vielmals als grosses Problem ansehen. Die erhöhten Kosten und die geforderte Infrastruktur sind da nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

Der FC Lenzburg blickt als letztjähriger regionaler Meister der interregionalen Herausforderung dennoch zuversichtlich entgegen. Trainer Herbert Koitzsch, der bereits zuvor bei Wettingen Erfahrungen sowohl in der 2. Liga regional als auch in der 2. Liga interregional sammeln konnte, ist überzeugt, dass eine umsichtige Planung das A und O darstellt. «Wir haben vor zwei Jahren damit begonnen, junge Spieler an den Verein zu binden. Dies erzeugt ein Umfeld, das der Finanzstärke anderer Teams entgegenhält.»

Der dadurch entstehende Teamspirit und das kontinuierliche Zusammenwachsen als Einheit sieht Koitzsch als Schlüssel für den längerfristigen Erfolg. Zu der finanziellen Frage entgegnet Koitzsch: «Zwar zahlen wir den Spielern vermehrt Spesen, die jedoch zumeist leistungsabhängig sind. Die höheren Schiedsrichter- sowie Reisekosten können durch den Ausbau des Matchheftes und der Mitreise von Fans im Car an weite Auswärtsspiele ausgeglichen werden.

Keine Löhne bei Schöftland

Spielerlöhne werden auch beim SC Schöftland, der sich bereits mehrere Jahre in der Amateur Liga hält, keine gezahlt. «Wir gehen davon aus, dass wenn ein Spieler bei uns spielt, er nicht wegen dem Geld, sondern wegen dem guten Umfeld und der gut ausgebauten Infrastruktur bei uns ist», verrät Sportchef Andi Jurt. Zwar gehe es ohne eine finanzielle Entschädigung der Spieler und Funktionäre nicht, das Risiko zu grossen finanziellen Investitionen gehe man aber bewusst nicht ein, wie Jurt weiter anfügt. «Das Hauptproblem bleibt deshalb die Spielerrekrutierung, da bereits in der 2. Liga interregional das Geld eine gewichtige Rolle spielt», ist sich Jurt bewusst.

Von einer unbeliebten Liga will Liga-Chef Ramon Zanchetto nichts wissen. Seit Einführung der 2. Liga interregional vor 15 Jahren habe es nur wenige Vereine gegeben, die den Aufstieg in die Amateurliga verweigert hatten. Vielmehr sieht Zanchetto die Liga als Chance für talentierte Spieler, um sich für die 1. Liga zu bewerben. Zudem sei eine interregionale Liga auch sportlich um einiges interessanter als der Breitenfussball. «Wir ermöglichen den Vereinen einen Einblick in andere Fussballkulturen. Die Aargauer Vereine aus Lenzburg und Schöftland zum Beispiel kommen in Berührung mit französisch sprechenden Teams aus dem Jura, der SC Zofingen mit italienisch sprechenden Teams aus dem Tessin. Wir versuchen natürlich trotzdem, die Gruppeneinteilung auf die nahe liegenden Kantone zu beschränken und allen Wünschen nachzukommen», sagt Zanchetto überzeugt.

Höhere Kosten als logische Folge

Dass auf die Vereine höhere Kosten als in der regionalen Liga zukommen, sei klar. Man spiele schliesslich auch auf einem deutlich höheren Niveau. «Für eine Saison muss ein Klub für Schiedsrichterkosten, Reisen und andere Ausgaben ungefähr 10 000 Franken einberechnen. Da ist der Verein gefordert, Lösungen zu finden», so Zanchetto. Und wie sieht es mit den Verbandsrichtlinien gegenüber der 2. Liga aus? Hohe Anforderungen gibt es nicht, meint Zanchetto: «Einzig mit dem Tessiner Klub Castello gab es aufgrund eines zu kleinen Spielfeldes Differenzen».

Eine willkommene Herausforderung

Die 2. Liga interregional ist eine Herausforderung, die von vielen Spielern und Vereinen gerne angenommen wird. «Für unseren Verein, der ein gutes Umfeld pflegt und über eine gute Infrastruktur verfügt, ist die 2. Liga interregional eine gute Liga. Sie bietet eine bessere Plattform zur Weiterentwicklung unserer Spieler», ist sich Andreas Jurt sicher. Ein Geheimrezept gegen die finanziellen Anforderungen hat der FC Lenzburg bereit: «Unsere Spiele sind hauptsächlich am Sonntagnachmittag angesetzt. So kommen einerseits die Fans, andererseits aber auch Mitglieder anderer Vereine gerne ins Stadion. Deshalb erwarten wir tendenziell mehr Zuschauer als noch zuvor in der 2. Liga regional, trotz dem Wegfall einiger Derbys», sagt Koitzsch.

Den Kommentar zur Situation der 2. Liga inter finden Sie hier.

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