Regio-Fussball
Knatsch beim Aargauischen Fussballverband: Vier Rücktritte in sechs Monaten

Beim Aargauischen Fussballverband herrscht dicke Luft: Nicht weniger als vier Vorstandsmitglieder haben innert einem halben Jahr den Rücktritt gegeben. Ihnen passt der Kurs des neuen Präsidenten nicht, der seine eigene Linie durchsetzen will.

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Knatsch beim Fussballverband: Hans Aemisegger wird unkollegiales Verhalten vorgeworfen

Knatsch beim Fussballverband: Hans Aemisegger wird unkollegiales Verhalten vorgeworfen

AZ

2011 war für den Aargauischen Fussballverband ein turbulentes Jahr. Per Ende Jahr nahmen Finanzchef Christian Zemp und Marketingchef Moreno Cavaliere den Hut. Somit haben im vergangenen Jahr insgesamt vier langjährige Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt eingereicht. Viele Funktionäre von Aargauer Fussball-Vereinen rümpften die Nase. Es war klar: Hier muss es zu Unstimmigkeiten gekommen sein.

Rückblende: An der jährlichen Versammlung am 6. August 2011 wird der bisherige TK-Chef Hans Aemisegger zum Verbandspräsidenten gewählt - mit freundlichster Unterstützung seiner Vorstandskollegen. Nur drei Tage später, am Montagmorgen, beginnt der Aargauer Fussballverbands-Knatsch: Die Vorstandsmitglieder werden online als «Bisherige» aufgelistet oder gar komplett gelöscht. Die Betroffenen werden stutzig. Aemiseggers Kommentar an seine Kollegen: Er wolle das so und es sei Zeit, vorwärts zu blicken und eine Neuausrichtung anzugehen.

Mit dem Wettbewerbskommissions-Präsident Roland Stöckli und dem Verantwortlichen für die Kontroll- und Strafkommission Stephan Richner traten daraufhin zwei langjährige Mitglieder umgehend zurück. Ausschlaggebend war, dass Aemisegger eine neue Geschäftsleitung aufstellte ohne sich mit den Vorstandsmitgliedern darüber unterhalten zu haben. «Ich fühle mich deshalb von Hans Aemisegger hintergangen. Wenn er eine neue Geschäftsleitung festlegt, ohne dies mit uns zu besprechen, ist er kein vertrauensvoller Verbandspräsident», sagte Stöckli der az.

Der Verband fand umgehend Ersatz: Für Stöckli übernahm neu Rolf Zumsteg das Amt des Wettbewerbskommissions-Präsidenten und Werner Schneider trat die Nachfolge von Richner an.

Finanzchef und Marketingchef schmeissen Bettel hin

Nun, Ende 2011, haben zwei weitere Vorstandsmitglieder nach langjähriger ehrenamtlicher Arbeit den Bettel hingeschmissen. Es sind dies Finanzchef Christian Zemp und der Marketingverantwortliche Moreno Cavaliere.

Die az weiss: Auf der Homepage des Aargauischen Fussballverbands war die Nachricht der beiden Rücktritte der Vorstandsmitglieder nur während zweier Tage zu lesen, dann wurde sie aus unerklärlichen Gründen wieder gelöscht.

In der Nachricht, die der az vorliegt, steht: «Christian Zemp, Vorsteher der AFV-Finanzkommission, gibt aus Gründen der strategischen Neuausrichtung des Verbandes sowie Unstimmigkeiten mit der neuen Verbandsführung den Rücktritt per Ende Jahr».

«Das war charakterlich schlecht»

Zemp darauf angesprochen, bestätigt letzteres und sieht gleich drei Gründe für seinen Entscheid. «Ich habe gegen Personalwechsel grundsätzlich wenig einzuwenden, aber diese Vorgehensweise von Hans Aemisegger war sehr daneben und charakterlich schlecht», spricht Zemp Klartext.

Ein weiterer Punkt sei, dass Aemisegger in Zemps Ressort - den Finanzen - eine Veränderung wollte und erachtete etwa den Budget-Voranschlag nicht als wichtig und stellte für diese Arbeit einen Praktikanten für 10'000 Franken an. «Ich wurde regelrecht ausgespielt», sagt Zemp.

Ausserdem gab es beim Thema Spesenreglement unüberbrückbare Differenzen, worauf er auch dort ausgeschaltet wurde und Aemisegger das Amt kurzweilig an sich gerissen habe. Aemisegger selbst wollte zu diesen Details keine Stellung beziehen.

Das gegenseitige Vertrauen sank von Tag zu Tag. «Ich musste mir dann eingestehen, dass es so keinen Sinn mehr macht», sagt Zemp.

Aemisegger: «Ich kann keine Fehler erkennen»

Aemisegger sieht den Knatsch differenzierter. Es liege bei einem Präsidentenwechsel auf der Hand, dass es mit einer neuen Ausgangslage Veränderungen und Anpassungen gebe. «Ich hatte aber nie böse Absichten, jemandem näher zu treten. Ein Verband muss sachorientiert und nicht personenorientiert arbeiten. Wenn das jemand nicht mitmachen will oder kann, habe ich Verständnis dafür, wenn er aufhören will», sagt Aemisegger. Denn schliesslich stehe der Spass bei der ehrenamtlichen Arbeit über allem anderen.

Aemisegger glaubt nicht, dass er seit der Wahl zum Präsidenten Fehler begangen hat. «Ich kann zumindest keine erkennen», sagt er. Die beiden Vakanzen im Vorstand werden vorübergehend intern gelöst. «Wir lassen uns Zeit und werden bestimmt eine geeignete Person finden, die in das kompetente Team passt», so Aemisegger, der vor seiner Wahl zum Präsidenten zwei Jahre als TK-Chef im Vorstand amtete.

Die abgetretenen Vorstandsmitglieder sind enttäuscht, dass ihre langjährige Arbeit für den Aargauer Fussball derart abrupt enden musste. «Es waren neun schöne, intensive Jahre, aber nun habe ich mit dem Fussballverband abgeschlossen, auch wenn ich Fussballfan bleibe», sagt Zemp.

Auch Aemisegger bezeichnet den Knatsch als abgeschlossen und will in die Zukunft blicken. «Wir haben ein neues Jahr. Eine neue Geschäftsführung und ein neues, tolles Team, das mit Herzblut ehrenamtlich arbeitet und alle sich gegenseitig unterstützen. Und das soll auch so bleiben», sagt Aemisegger. (sha)