Weissenstein-Schwinget
Knapp an der Rekordschlappe vorbei: Zwei Aargauer retten die Nordwestschweizer Bilanz

Zwei Aargauer retten die Nordwestschweizer Bilanz vor Rekordkulisse am Weissenstein-Schwinget. Dem Technischen Leiter der Aargauer, Guido Thürig, war die Enttäuschung nach dem totalen Berner Triumph ins Gesicht geschrieben.

Wolfgang Rytz
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Nick Alpiger (links) wischte vier Berner Gegnern das Sägemehl vom Rücken, hier nach dem sechsten Gang Niklaus Wüthrich.

Nick Alpiger (links) wischte vier Berner Gegnern das Sägemehl vom Rücken, hier nach dem sechsten Gang Niklaus Wüthrich.

WR

Die 25 Berner dominierten das Bergkranz-Schwingfest auf dem Weissenstein nach Belieben. Vor der Rekordzahl von 4600 Zuschauern marschierte Christian Stucki zu seinem dritten Tagessieg nach 2008 und 2015 durch. Den gastgebenden Nordwestschweizern blieben nur zwei Kränze. Diese gingen an die Aargauer Nick Alpiger und Stephan Studinger.

Dem Technischen Leiter der Aargauer, Guido Thürig, war die Enttäuschung nach dem totalen Berner Triumph ins Gesicht geschrieben. Er war Einteilungspräsident, konnte aber die Nordwestschweizer Schlappe nicht verhindern. Zwei Kranzgewinne am eigenen Bergkranzfest sind die schwächste Ausbeute seit zwölf Jahren. 2005 war Mario Thürig der Einzige aus dem Teilverband, der Eichenlaub gewann. In diesem Jahr verfehlte der 32-Jährige seinen 98. Kranz um einen Viertelpunkt. Der fünffache «Eidgenosse» besiegte zum Auftakt den Berner Routinier Thomas Sempach, scheiterte danach aber an drei anderen Bernern.

Guido Thürig zeigte Verständnis für das mässige Abschneiden der 50 Nordwestschweizer: «Die Ausgangslage war gegen den klar stärksten Teilverband von vornherein schwierig.» So sprach er von «zwei erfreulichen Kranzgewinnen für den Aargau». Dazu sei sein Bruder knapp dahinter platziert. «Mit der Aargauer Bilanz bin ich zufrieden, obwohl die ‹Eidgenossen› Christoph Bieri und David Schmid eine durchzogene Leistung zeigten.»

Zuverlässiger Nick Alpiger

Definitiv als neuer Nordwestschweizer Leistungsträger etabliert hat sich Nick Alpiger. Der 20-jährige Staufener erhielt ein schwieriges Pensum mit sechs Bernern, davon drei «Eidgenossen», auferlegt. Nach dem lebhaften «Gestellten» zum Auftakt gegen Bernhard Kämpf bezwang er Patrick Schenk mit innerem Haken platt. Als er auch noch René Berger niederkämpfte, keimten Schlussganghoffnungen auf.

Doch diese zerstörte Simon Anderegg. Der Berner Oberländer setzte am Boden nach und überwuchtete den Aargauer Aufsteiger platt. Gegen Niklaus Wüthrich bekundete der beste Nordwestschweizer dann aber wieder überhaupt keine Probleme. Mit einem schnellen Sieg sicherte sich Alpiger seinen siebten Bergkranz. «Ich bin zufrieden und trauere nichts nach. Ein Kranzgewinn ist für mich immer schön.»

Erst seinen zweiten Bergkranz nach der Rigi 2014 feierte Stephan Studinger. Der 33-jährige Däniker vom Schwingklub Aarau stellte die Weichen für Eichenlaub mit dem Startsieg gegen den «bösen» Niklaus Zenger. Zwar tauchte er später gegen die Berner Grössen Willy Graber und Matthias Aeschbacher. Doch zuletzt widerstand Studinger den Schlunggversuchen von René Berger und drückte diesen in der Schlussphase auf den Rücken, was für den letzten Kranzrang genügte.

Vergeblich um Eichenlaub kämpften im sechsten Gang die weiteren Aargauer Tobias Widmer und Joel Strebel. Widmer fand gegen den Berner Mittelschwinger Christian Gerber kein Siegesrezept. Strebel, eben von einer Milzverletzung genesen, musste die Übermacht von Schwingerkönigssohn Ruedi Roschi anerkennen. Guido Thürig fand dennoch lobende Worte für die Jungen: «Ich habe vielversprechende Fortschritte gegenüber den Bergfesten auf dem Stoos und der Rigi gesehen.»