Kunstturnen

Knapp an der kleinen Revolution vorbei

Jessica Diacci, Aargauerin im Nationalkader.

Jessica Diacci, Aargauerin im Nationalkader.

Showevents wie der Swiss Cup bringen es mit sich, dass mit Lob nicht gegeizt wird. Jessica Diacci und Nils Haller erreichen beim Swiss Cup in Zürich den sechsten Rang.

Das war auch gestern im Zürcher Hallenstadion nicht anders. Die Turner loben das tolle Publikum, das Publikum lobt die tolle Veranstaltung, der Veranstalter lobt im Voraus die zahlreich erschienenen Journalisten für deren Arbeit und die Journalisten loben mit ihrer Arbeit nachträglich die Turner, das Publikum und die gelungene Veranstaltung. Das wertvollste Lob, das Jessica Diacci und Nils Haller gestern erhielten, gab es ganz zum Schluss vom Schweizer Nationaltrainer Bernhard Fluck. «Die beiden zeigten einen wunderbaren Wettkampf», sagte er.

0,05 Punkte hinter dem Finalplatz

Die zierliche Aargauerin und der höfliche Solothurner erreichten bei ihrer ersten gemeinsamen Teilnahme am traditionellen Paarwettkampf den guten sechsten Schlussrang. Und das mitten in einem Weltklassefeld mit Olympiasiegern, Welt- und Europameistern. Die Taktik des Duos ging auf. Mit etwas mehr Wettkampfglück wäre sogar der Final der vier besten Teams erreichbar gewesen. Nach der Vorrunde, in der jeder Athlet an zwei Geräten seiner Wahl turnt, lag das Team Schweiz II auf Rang fünf. Der Rückstand auf einen Finalplatz betrug nur 0,05 Punkte. Im Halbfinal rutschten Diacci und Haller noch auf den sechsten Schlussrang ab.

Die Aargauer Kunstturnerin Jessica Diacci am Swiss Cup in Zürich

Die Aargauer Kunstturnerin Jessica Diacci am Swiss Cup in Zürich

«Wir haben unsere Erwartungen übertroffen», sagte die 18-Jährige aus Villnachern. «Wir turnten zu Beginn an unseren stärksten Geräten», verriet ihr 22-jähriger Partner des KV Solothurn. Nach der anstrengenden Olympia-Saison merkte man einigen Athleten die Strapazen an, doch Schweiz II turnte in der Vorrunde frisch von der Leber und nahezu fehlerlos. Diacci, Schweizer Meisterin am Balken, wählte ihr Lieblingsgerät und den Stufenbarren. Haller, Schweizer Meister an den Ringen, entschied sich ebenfalls für seine Paradedisziplin und den Barren. Der Einzug in den Halbfinal der besten acht Teams glückte problemlos.

Dann kam das, was Haller «unsere nächstbesten Geräte» nannte. Und das Nächstbeste reichte dann eben doch nicht ganz, um auch noch im Final ein Wörtchen mitreden zu können. Haller flog bei der Katchev-Grätsche vom Reck, Diacci fiel beim Doppeltwist auf die Hände und verliess dabei die Markierung der Bodenfläche. Der Rückstand auf das viertplatzierte Weissrussland war von 0,05 auf 3,2 Punkte angewachsen. Somit qualifizierten sich aus Schweizer Sicht nur die Titelverteidiger Giulia Steingruber und Claudio Capelli für den Final. Zwei einheimische Paare im Schlussdurchgang: Das wäre eine kleine Turn-Revolution gewesen.

Wie Rennpferde in den Boxen

Dennoch war von Enttäuschung keine Spur. Die Scheinwerfer-durchflutete Atmosphäre trug das ihre dazu bei. Swiss Cup ist, wenn Kunstturner wie Rennpferde in ihren Boxen auf den Einsatz warten und am Ende Ehrenrunden wie Leichtathleten drehen. Swiss Cup ist, wenn sich alle loben. «Nils war ein cooler Partner», sagte Diacci. «Jessica ist eine aufgestellte Person», legte Haller nach. Für ihn war es die erste Teilnahme. Dennoch hielt sich die Nervosität in Grenzen. «An den Ringen bin ich selten aufgeregt, da weiss ich, was ich kann», sagte Haller, «am Barren war der Druck schon grösser. Auch weil ich wegen der RS einen Trainingsrückstand aufweise.» Für die Aargauerin Diacci war es nach dem achten Rang 2011 der zweite Auftritt beim Swiss Cup. «Obwohl ich den Ablauf bereits kannte, war das Kribbeln ziemlich stark», gestand sie.

Vom grossen Preisgeldtopf (insgesamt 100000 Dollar) erhalten auch die beiden ihren Teil. «Wir würden aber auch gratis mitmachen», stellen Diacci und Haller klar. Denn vor Familie und Freunden in der Schweiz an einem solchen Wettkampf teilzunehmen, sei einfach unbezahlbar.

Der Solothurner Kunstturner Nils Haller am Swiss Cup in Zürich

Der Solothurner Kunstturner Nils Haller am Swiss Cup in Zürich

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