Der FC Wohlen ist eine graue Maus im Schweizer Cup. Exploits gegen Favoriten sucht man in den vergangenen Jahren ebenso vergeblich wie Niederlagen gegen Amateure. Das peinliche 0:2 im Jahr 2005 im Derby gegen den FC Zofingen ist nun schon elf Jahre her und seit dem 1:4 in der zweiten Runde der Cupausgabe 2009 gegen den FC Rapperswil – drei von vier Toren für Rapperswil erzielten die Zwillingsbrüder Aleksandar und Ex-Bachelor Vujo Gavric – erledigten die Freiämter ihre Pflichtaufgaben gegen unterklassierte Gegner souverän. So auch in diesem Jahr gegen Meyrin.

Bereits nach 16 Minuten ist der Drops gelutscht. 3:0 steht es zu diesem Zeitpunkt für die Gäste aus der Challenge League. Die Genfer Gastgeber werden vom FC Wohlen in der Anfangsphase überrumpelt und kommen ständig einen Schritt zu spät, so auch Buchs gegen Lotti im Strafraum. Foul. Den fälligen Penalty verwandelte der überzeugende Alain Schultz in Minute 11.

Viele Freiräume
Im Stade des Arbères, wo man zuvor noch von der Sensation geträumt hatte, werden spätestens nach dem 0:2 nur zwei Minuten später die Hände verworfen. Wieder ist Schultz der Torschütze. Diesmal aus dem Spiel heraus nach Pass von Kleiner, der gestern in Meyrin eine Extra-Trainingseinheit Flanken bekam. Doch nicht nur den offensiv starken Kleiner und Foschini, vor allem dem Routinier Schultz genehmigt das Heimteam in der ersten Hälfte viel zu viele Freiräume.

Wohlen weiss das in dieser Phase gleich mit dem nächsten Angriff zu bestrafen. Schuss Minkwitz, Meyrin-Goalie Grujicic lässt den Ball nach vorne abklatschen und Foschini staubt ab. 3:0 für die Gäste. Die Vorentscheidung.

In Meyrin werden Erinnerungen wach. Genau vor einem Jahr war es in der ersten Cup-Runde der FC Basel, der beim 0:4 an selben Ort und Stelle in vier Minuten drei Tore erzielte. Jetzt ist es der FC Wohlen. Ruedas Matchplan geht auf. «Wir wollten das Spiel schnell entscheiden. Das ist uns geglückt», resümiert der Coach nach dem Spiel.

Immer einen Schritt voraus
Doch was macht Wohlen eigentlich so viel besser als der drei Klassen tiefer spielende Verein aus der 2. Liga interregional? «Wir sind spielerisch stärker und zudem ein anderes Niveau und eine andere Intensität gewohnt», sagt Rueda. Auf dem Platz fällt vor allem auf, dass die Wohler im Kopf immer einen Schritt voraus sind, schneller antizipieren und umschalten.
Doch das sich anbahnende Schützenfest bleibt aus, weil sich der FC Wohlen in der Folge dem Gegner anpasst und bei heissen Temperaturen von über 30 Grad in Genf nur noch das Nötigste tut. Martin Rueda kann es sich sogar leisten, die leicht angeschlagenen Stahel und Lotti zu schonen und jungen Spielern wie Loosli und Graf eine Chance zu geben.

In der 90. Minute erhält Cup-Goalie Flamur Tahiraj dann doch noch einen Tupfer auf seine weisse Weste. Cardoso gelingt aus Elf Metern doch noch der Ehrentreffer für den Underdog.
Einen Underdog wünscht sich Rueda nun auch für die nächste Runde im Cup: «Das Ziel muss sein, so weit wie möglich zu kommen. Deswegen würde ich es bevorzugen, wenn wir erst noch einmal einen kleinen, schlagbaren Gegner bekommen. Wenn jetzt schon ein grosser Brocken kommt, wird es schwer.» Vor allem für Wohlen, die graue Maus im Schweizer Cup.

Telegramm:

FC Meyrin – FC Wohlen 1:3 (0:3)
Stade des Arbères. – 420 Zuschauer. – SR: Schärli. – Tore: 11. Schultz (Foulpenalty) 0:1. 13. Schultz 0:2. 16. Foschini 0:3. 89. Cardoso (Foulpenalty) 1:3.

FC Meyrin: Grujicic; Howard, Dembele, Buchs, Katana; Rezzonico (54. Matos), de Freitas (68. Ledru); Tsimba, Lucchesi, Martins (62. Alanga); Cardoso.

FC Wohlen: Tahiraj; Foschini, Stahel (46. Loosli), Hajrovic, Kleiner, Muslin, Giampa; Castroman (57. Graf), Schultz, Minkwitz; Lotti (62. Pacar).

Verwarnungen: 44. Martins (Schwalbe), 79. Kleiner (Foul), 83. Lucchesi (Unsportlichkeit).

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Liveticker: FC Meyrin - FC Wohlen