Crashed-Ice-Weltmeisterschaft
Kilian Braun: «Etwas verrückt muss man schon sein»

Wenn es in Quebec jeweils Mitte März zum Showdown der Crashed-Ice-Weltmeisterschaften kommt, stehen 100000 Fans an den Banden des Eiskanals. Der Rothrister Kilian Braun nimmt morgen am Crashed-Ice-Saisonfinale in Quebec teil.

Janine Müller
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Kilian Braun während eines Crashed-Ice-Runs am letztjährigen Saisonfinale in Quebec

Kilian Braun während eines Crashed-Ice-Runs am letztjährigen Saisonfinale in Quebec

Jörg Mitter/Red Bull Crashed Ice

Dass die Kanadier verrückt sind nach Eishockey, ist bekannt. Kein Wunder also, dass sie auch vom Crashed Ice begeistert sind. Der Sportart, in der die Läufer – ähnlich wie im Ski- oder Boarder-Cross – zu viert auf Schlittschuhen einen Eiskanal runtersausen.

Wie ein Superstar

Zu den waghalsigen Schlittschuhläufern gehört auch der Rothrister Kilian Braun, der aktuelle Weltranglistensiebte. Der Captain der Schweizer Nationalmannschaft startet morgen nicht zum ersten Mal in Quebec. Bereits 2010 und 2011 erlebte der 24-Jährige die einzigartige Ambiance in Quebecs Innenstadt. «Das ist einfach ein krasses Rennen», schwärmt er. «Es hat immer wahnsinnig viele Zuschauer. Die spinnen richtig. Und als Läufer fühlt man sich dort wie ein Superstar.»

Grosse Ambitionen auf einen Podestplatz in Quebec hat Braun nicht. Die verhältnismässig flache Piste komme ihm nicht entgegen. «Ich mag es eher technisch, kurz und schnell», sagt er. Ein Platz unter den ersten zehn sollte aber drinliegen, wie so oft in dieser Saison. Der Rothrister zeigte konstante Leistungen und belegte nach jedem Rennen einen Platz in der Top Ten. Braun ist durchaus zufrieden mit den Resultaten. Seine beste Platzierung (3. Rang in Moskau) aus der letzten Saison vermochte er aber bisher noch nicht wiederholen.

2007 bestritt Braun sein erstes Crashed-Ice-Rennen. Man mag sich fragen, wie einer aus dem Mittelland auf die Idee kommt, sich auf Kufen eine Eispiste hinunterzustürzen. Die Erklärung ist einfach. «Es war im Sommer 2007, als mir ein Kollege auf Youtube ein Crashed-Ice-Video zeigte», blickt Braun zurück. «Er meinte, das wäre etwas für mich.» Der Kollege sollte recht behalten. Braun, der seit dem Alter von fünf Jahren Eishockey spielt – zuerst in Olten, danach Aarau und mittlerweile in Engelberg – nahm gleich am Rennen in Davos teil. Er sei «mega nervös» gewesen. Und obwohl er sich im Rennen in Davos verletzte, wagte er sich zurück. «Man muss halt schon etwas verrückt sein», gibt Braun zu.

Gefahr und Adrenalin

Der Schreinertechniker-Student, bereitet sich mit Eishockey, Kraft- und Ausdauertraining sowie Downhill-Biken auf die Rennen vor. Denn richtig trainieren kann man Crashed Ice nicht, dafür fehlen die nötigen Anlagen. Auch finanziell ist es schwierig, davon leben könne man nicht. Aber dank guter Sponsorenunterstützung muss er auch nichts drauflegen.

Das sei aber auch nicht so wichtig, wie er sagt: «Mich fasziniert einfach dieser Kampf Mann gegen Mann. Es sind Urinstinkte, die während eines Runs in einem hochkommen. Es ist eine Mischung zwischen Gefahr und Adrenalin.» Und das Adrenalin wird ihm auch morgen wieder durch die Adern schiessen, wenn er in Quebec am Start steht und unter den Blicken der tobenden Menge den Run absolvieren wird.

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