Schwingen

Kilchberg-Schwinget: «Drei Nordwestschweizer dürfen sich Hoffnungen machen»

Guido Thürig traut seinem Bruder Mario Thürig (Mitte) am ehesten zu, die Berner Phalanx durchbrechen zu können.

Guido Thürig traut seinem Bruder Mario Thürig (Mitte) am ehesten zu, die Berner Phalanx durchbrechen zu können.

Guido Thürig traut seinem Bruder Mario und dessen Verbandskollegen am nur alle sechs Jahre stattfindenden Kilchberg-Schwinget am Sonntag am ehesten zu, die Phalanx der Berner durchbrechen zu können.

Nach dem Eidgenössischen vom letzten Jahr in Burgdorf ist Guido Thürig vom Schwingsport zurückgetreten. Der 33-jährige Betriebsökonom ist jetzt technischer Leiter im Aargauer Kantonalverband. Am Kilchberg-Schwinget ist der 73-fache Kranzgewinner und Eidgenosse von Aarau 2007 am Sonntag als Betreuer des Nordwestschweizer Teams dabei. Und Thürig traut seinen ehemaligen Mitkämpfern einiges zu.

Guido Thürig, wie geht es Ihnen als pensioniertem, eidgenössischen Kranzschwinger?

Guido Thürig: Sehr gut. Mir fehlt nichts. Durch mein Amt als technischer Leiter der Aargauer und natürlich auch durch meinen Bruder bin ich immer noch sehr nah am Schwingen dran.

Was für Erinnerungen haben Sie an den Kilchberg-Schwinget?

Schmerzliche. Bei meiner Teilnahme 2008 habe ich mich verletzt und musste aufgeben.

Was ist das Besondere am Schwingfest auf dem Gutsbetrieb «Uf Stocken» ?

In erster Linie die sportliche Herausforderung. In Schwingerkreisen gilt der nur alles sechs Jahre stattfindende Kilchberg-Schwinget als besonderer Leckerbissen. Da will einfach jeder einmal dabei sein.

Der Rummel vor und während dem Fest selber ist aber um einiges kleiner als bei einem Eidgenössischen?

Schon, aber im Grund genommen ist das sportliche Niveau um einiges höher als bei einem Eidgenössischen. Es gibt nur zwei Schwingplätze und 60 Schwinger. Das Publikum kann das Geschehen so sehr gut mitverfolgen. Am Kilchberg-Schwinget gibt’s es auch für die Spitze keine «einigermassen» einfachen Gegner, um sich nach einer allfälligen Niederlage wieder aufzubauen – so wie das an einem Eidgenössischen bisweilen der Fall sein kann.

Am Kilchberg gibt es keine Kränze, wird darum auch anders geschwungen?

Es wird definitiv offensiver geschwungen und weniger taktiert. Im Grund genommen zählt ja nur der Sieg.

Kommt diese angriffige schwingweise den Aargauern Mitfavoriten Christoph Bieri und ihrem Bruder Mario entgegen?

Absolut. Beides sind sehr offensiv ausgerichtete Schwinger, denen es passt, wenn die Gegner auch etwas für den Sieg tun müssen.

Ihr Bruder hat heuer drei Feste gewonnen (Solothurner, Baselstädtische und Schwägalp), aber auch Hänger gehabt wie etwa am Berner Kantonalen, als er den Kranz verpasst hat. Wo die liegt die Wahrheit seiner Stärke?

Die Luft an der Spitze ist sehr dünn – darum ist es sehr wichtig, dass der Kopf mitspielt. Für Mario wäre es ideal, wenn er mit einem Sieg starten könnte und so quasi auf eine Welle käme.

Wie ein Surfer in Hawaii?

Ja. Wozu er an einem guten Tag fähig ist, hat man auf der Schwägalp gesehen, als er praktisch die gesamte Nordostschweizer Elite in Schach gehalten hat. Ihm nützt es zweifellos, dass er 2008 schon einmal am Kilchberberger dabei war und weiss, was auf ihn zukommt.

Christoph Bieri hat mehr Konstanz punkto Spitzenklassieriungen an den Tag gelegt, aber «nur» auf dem Weissenstein als Co-Sieger gewonnen?

Er ist sehr gut in Form und für viele ein sehr unbequemer Gegner – auch für Schwingerkönig Matthias Sempach. Auch für ihn ist ein guter Start wichtig und dann ist ihm alles zuzutrauen.

Und was können Sie zum dritten Aargauer David Schmid, dem Shooting Star dieser Saison, sagen?

Er ist ebenfalls ein absoluter Offensivschwinger und hat heuer gezeigt, dass er an der Aufgabe wachsen und mit den Eidgenossen mithalten kann. Die Lust anzugreifen könnte ihm am Sonntag zugutekommen.

Mit Bruno Gisler gibt es da noch einen dritten, sehr «Bösen» in den Reihen der NWS-ler?

Er ist ein blendender Techniker, der natürlich auch aufgrund seiner Erfahrung immer brandgefährlich ist. Die Nordwestschweiz ist zwar nur mit sieben Mann am Start, aber drei davon dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf ein Spitzenresultat machen. Diese Tatsache ist schon bemerkenswert.

Reisen die Nordwestschweizer zusammen oder individuell an?

Individuell. Ich finde es wichtig, dass besonders bei einem Eintagesanlass auch die eigenen Rituale punkto Wettkampfvorbereitung beibehaltet werden können. Schliesslich ist es auch wichtig, dass man zwar Spannung aufbaut, aber nicht verkrampf.

Wer sind ihre drei Topfavoriten?

Titelverteidiger Christian Stucki, König Matthias Sempach und dann nehme ich noch den Joker.

Verfolgen Sie am Sonntag den Kilchberger Schwinget ab 8.00 Uhr im Live-Ticker von AZ Online.

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