Berufsfussballer stehen auf der Sonnenseite des Lebens. Viel Freizeit, flotte Sprüche, schnelle Autos, schöne Frauen und dicke Gehälter: Und all das für ein bisschen Training und höchstens zweimal 90 Minuten Kicken pro Woche. Mag sein, dass der eine oder andere Profi dem Ruf des Lebemannes tatsächlich gerecht wird. Es gibt aber auch die Schattenseite. Exakt diese hat Linus Hallenius in den vergangenen zwei, drei Jahren an Leib und Seele verspürt.

Der Traum einer grossen Karriere

Dabei hat alles so gut begonnen. 2010 wechselte Hallenius von Hammarby, einem Klub in Stockholm, zu Genoa. Der italienische Serie-A-Verein offerierte dem Schweden mit dem starken linken Fuss einen lukrativen Vierjahresvertrag und zahlte Hammarby erst noch eine Ablösesumme von rund 1,7 Millionen Euro. Hallenius, damals gerade mal 20 Jahre jung, träumte von der grossen Karriere. Bei Genoa wollte der 1,87 Meter grosse und 82 Kilogramm schwere Modellathlet die Basis für einen Transfer zur AC Milan oder zu Juventus Turin legen. Es lockten persönliche Triumphe. Es lockte die Champions League. Es lockte das grosse Geld.

Pleiten, Pech und Pannen

Es kam anders. Ganz anders. Genoa und Hallenius – das passte nicht. Mehr noch. Das ging buchstäblich in die Hose. Statt Stammplatz hiess es leihweise zurück nach Hammarby, dann leihweise nach Lugano in die Challenge League und schliesslich leihweise nach Padova Calcio in die Serie B. Statt Tore, Siege und Titel folgten Pleiten, Pech und Pannen. Zu allem Übel kam auch noch Verletzungspech hinzu. Beschwerden an der Patellasehne des rechten Knies warfen ihn weit zurück. Im Juni 2012 musste sich Hallenius einer Operation unterziehen.

Es folgte eine Geduldsprobe mit monatelanger Therapie. Die Klubbosse von Genoa sprachen dem Sorgenkind trotz der Rückschläge bis Anfang dieses Jahres das Vertrauen aus. Von einem Moment auf den andern liessen sie ihn aber fallen.

Grosser Traum vorerst geplatzt

Nun nimmt Hallenius einen neuen Anlauf. Statt AC Milan oder Juventus Turin heisst der neue Arbeitgeber FC Aarau. Nachdem Hallenius’ Traum von der grossen, ruhmreichen Laufbahn fürs Erste geplatzt ist, gibt er sich bescheiden und sagt: «Ich möchte eigentlich nur das Glück zurück. Ich spüre, dass der FC Aarau mein neues Zuhause werden kann. Der Klub macht mir einen guten Eindruck. Der Trainer ist ein aufgestellter Typ, die Mitspieler sind freundlich und die Fans sind nett. Was will ich momentan mehr?» Bleibt die Frage, wie viel der Schwede fussballerisch draufhat? Ist die neue Nummer 8 des FCA ihr Geld wert? Noch ist er nicht hundertprozentig fit. Noch fehlt es ihm an Spielpraxis. Im Heimspiel gegen den FC Luzern am Samstag reicht es höchstens zu einem Teileinsatz. «Ich brauche etwas Zeit», sagt Hallenius. «In zwei, drei Wochen bin ich bereit.»

Privates Glück gefunden

Sportlich wartet Hallenius auf den Durchbruch. Privat hat er sein Glück gefunden. Am 22. Juni des vergangenen Jahres heiratete der Mittelstürmer in seinem Geburtsort Sundsvall seine Izabella. Ein Jahr später verschlägt es Hallenius in die Fussballprovinz. Wer weiss? Vielleicht schreibt der Neue beim FC Aarau nach langer Leidenszeit tatsächlich ein Fussballmärchen.