Volleyball
Keiner will neuer Präsident im Aargauer Verband werden

Der Aargauer Volleyballverband (SVRA) fühlte an einer «Strategiekonferenz» den Puls der Vereine. Dabei kam vorerst weniger heraus, als man sich erhoffen durfte.

Melanie Gamma
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Wer nimmt die Sache in die Hand?

Wer nimmt die Sache in die Hand?

Keystone

89 Vereine gehören zum Verband Swiss Volley Region Aargau. Daneben betreibt der Verband eine eigene Talent School, bei der Trainer und Funktionäre angestellt sind, sowie zwei Geschäftsstellen.

«Wir sind in den letzten Jahren vom Verband zu einem Kleinunternehmen geworden», sagt Roger-René Müller, Präsident von Swiss Volley Region Aargau (SVRA). Ein Kleinunternehmen, das im Sommer 2014 in Schwierigkeiten hineinzuschlittern drohte.

Bei einer AHV-Revision wurde eine Aufrechnungssumme von 180 000 Franken eruiert, für welche der ehrenamtliche Vorstand solidarisch und persönlich hätte haften müssen. Mit sechs Sitzungen mit der AHV-Revision, der AHV-Ausgleichskasse, Anwaltskonsultationen und einem Vergleich konnte ein allzu grosser finanzieller Schaden abgewendet werden.

Zudem wurde der professionelle Teil des Verbandes, sprich die Geschäftsführung mit den beiden Geschäftsstellen und allen Angestellten, per 1. Januar 2015 in eine GmbH eingegliedert. «Es musste alles schnell gehen», erklärt Roger Müller.

«Unwissen» über Möglichkeiten

Dass der Vorstand und vor allem der Präsident so rasch entscheiden und handeln konnten, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Verbandsführung von der Delegiertenversammlung in den letzten Jahren immer mehr Kompetenzen zugesprochen erhielt.

Nun gibt es aber auch Vereine, die wieder mehr Entscheidungskompetenz wünschen. Dies kristallisierte sich an DVs heraus, wo es zuletzt zu Misstönen gekommen war. «Die Vereine haben Möglichkeiten, sich einzubringen, nutzen diese aber zu wenig», meint Roger Müller. Ob es Bequemlichkeit ist oder Unwissen, wie man als Verein oder Einzelperson aktiv werden könne, sei dahingestellt.

Sicher ist, dass es 2015 zu einem Umbruch kommen wird im SVRA. 20 Jahre (mit dreijährigem Unterbruch) stand Roger Müller dem Verband vor und entwickelte mit seinen Vorstandskollegen innovative Ideen.

Ein Leader ist gesucht

Auf die DV im November 2015 tritt er zurück. Der Aufruf an die Vereine, mögliche Nachfolger zu melden, blieb bisher ungehört. «Bei mir hat noch niemand Interesse bekundet», bedauert der aus Zofingen stammende Müller.

Dabei brauche ein so grosser Verband wie der Aargau unbedingt jemanden, der das Leadership übernehme. «Ohne einen visionären Präsidenten befürchte ich eine Stagnation», so Müller.

Doch in welche Richtung soll der SVRA gehen? Mehr Leistungssport, mehr Breitensport, oder weiterhin ein Gleichgewicht? Um den Vereinen den Puls zu fühlen, lud der Verband zur «Strategiekonferenz».

Die Chance, mit einem Kurzreferat mitzuteilen, was einem am Herzen liegt, nutzten drei der 89 Vereine – 12 Clubs waren insgesamt vertreten. «Das ist ein Anfang, aber schön wäre, wenn sich mehr Leute für die Zukunft des SVRA interessieren würden», waren sich die Anwesenden einig.

Ob im Plenum oder bei Gruppenarbeiten, letztlich wurde an der Konferenz wenig Strategisches diskutiert. Vielmehr ging es um Operatives. «Aber auch diese Inputs sind wertvoll», betont Roger Müller.

Kooperation bei Juniorenförderung

Als Output gab es nicht Massnahmen, sondern Ideen zu drei Bereichen, über die der SVRA-Vorstand nun berät und über eine Weiterentwicklung entscheidet. Zum einen soll die Kommunikation zwischen dem Verband, der Talent School und den Vereinen verbessert werden, die Clubs möchten proaktiver informiert werden.

Auch der neue Kommunikationschef Markus Foerster sieht Handlungsbedarf, was die interne Kommunikation angeht – also den Diskurs unter den Clubs, etwa bei der Juniorenförderung. Jene Gruppe, die über Strukturen und Reglemente diskutierte, kam zum Schluss, dass das Reglement der offiziellen Wettkämpfe (ROW) auf Basis der neuen Statuten angepasst werden muss.

Als Vorgehen wurde eine Umfrage bei den Vereinen, was sie gerne ändern würden, vorgeschlagen, ehe eine Arbeitsgruppe sich das ROW vornimmt. «Eine gute Idee», befand Roger Müller, «das zwingt die Vereine, das ROW überhaupt einmal zu lesen.»

Kaum umsetzbar scheint der Wunsch einzelner, vor Entscheiden ein intensiveres Vernehmlassungsverfahren aufzugleisen. «Wichtig ist, dass Vereine ihre Anliegen in Kommissionen einbringen. Alles andere macht die Entscheidungsfindung und somit den Verband träge», erklärte Müller.

Er zeigte sich letztlich «etwas enttäuscht», dass man Details andiskutierte wie Bussen oder das Auf-/Abstiegsverfahren, wenn es eigentlich um Strategisches gegangen wäre. Das Ziel, Zukunftsweichen zu stellen oder Arbeitsgruppen zu bilden, war aber vielleicht etwas hoch gegriffen für die zweistündige Konferenz.

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