Manchmal schreibt der Fussball kuriose Geschichten. Da zeigt Schiedsrichter Lukas Fähndrich Luganos David Forzano nach gut einer Stunde wegen wiederholten Foulspiels die gelb-rote Karte – und was passiert? Der FC Wohlen legt in Überzahl endlich seine Hemmungen ab und kommt innert vier Minuten zu zwei hochkarätigen Möglichkeiten. Nenad Bijelic hat den Führungstreffer für die Freiämter auf dem Fuss, verfehlt das Ziel beim ersten Versuch knapp und trifft beim zweiten Versuch statt ins Tor nur das Bein von Orlando Urbano.

Pech gehabt: Nach 71 Minuten liegt das 1:0 für die Mannschaft von Trainer David Sesa in der Luft. Doch es kommt anders. Ganz anders. Nach 72 Minuten führt nicht Wohlen, nach 72 Minuten führt Lugano. Armando Sadiku trifft mit einem Kopfball aus kurzer Distanz nach einer Flanke von Gezim Shalaj. Und als Rafael Da Silva 120 Sekunden später nach einer Flanke von Shalaj das 2:0 gelingt, ist die Entscheidung gefallen. Wohlen gibt allerdings nicht auf. Kurz vor Schluss erzielt Joao Paiva tatsächlich den Anschlusstreffer. Zu mehr reicht es nicht. Schliesslich gewinnt Lugano verdientermassen 2:1. Ganz einfach deshalb, weil es die initiativere Mannschaft war und weil Wohlen vor Forzanos Platzverweis offensiv nichts, aber auch gar nichts zustande brachte.

Bis zum Platzverweis harmlos

Lugano bestimmte also von Beginn an den Rhythmus, kam vor der Pause zu acht Eckbällen, aber zu keinen hochkarätigen Möglichkeiten. Wohlen beschränkte sich mit Ausnahme der Schlussphase auf Defensivarbeit. Und das mit Erfolg. Bis zum Platzverweis von Forzano kam Lugano zu keiner einzigen Chance. Und wenn mal ein Ball in Richtung Tor des Gastklubs flog, war der tadellose Flamur Tahiraj zur Stelle. Dass Lugano die Partie trotz Unterzahl zu seinen Gunsten entscheiden konnte, lag in erster Linie am Gegner. Mit einem Spieler mehr und im Glauben, das Spiel vielleicht doch noch gewinnen zu können, vernachlässigte der FC Wohlen die defensiven Pflichten – und lief innert kürzester Zeit gleich zweimal in den Hammer.

Mit 11:11 wäre es 0:0 geblieben

Für Lugano-Trainer Livio Bordoli war die rote Karte gegen Forzano letztlich der Knackpunkt der Partie. «Nach unserem Platzverweis wurde Wohlen mutiger und agierte offensiver. Wir profitierten davon, indem wir plötzlich mehr Raum bekamen. So konnten wir die Partie mit zwei schnellen Gegenangriffen zu unseren Gunsten entscheiden. Mit elf gegen elf Spieler wäre es wohl beim 0:0 geblieben.» Gut möglich: Für den FC Wohlen blieb am Schluss ein weiterer Nuller. Und die Erkenntnis, dass eine rote Karte für den Gegner noch lange kein Vorteil sein muss.