FC Aarau

«Kein Spieler kann von sich behaupten, eine gute Saison zu spielen»: Sportchef Sandro Burki nimmt Stellung zur Krise

Sandro Burki ist unzufrieden mit dem ersten Saisondrittel des FC Aarau.

Sandro Burki ist unzufrieden mit dem ersten Saisondrittel des FC Aarau.

1:3 gegen Lausanne, 0:3 in Wil: Statt in der Tabelle den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, ist der FC Aarau endgültig in eine Krise geschlittert. Ist die Situation vergleichbar mit jener vor einem Jahr? Ist die Mannschaft zu alt? Und sind in der Winterpause Neuzugänge geplant? Antworten vom Sportchef.

Mit dem Körper in Bern, mit dem Kopf im Brügglifeld: FCA-Sportchef Sandro Burki weilt Anfang dieser Woche an einer zweitägigen Weiterbildung, doch die Gedanken drehen sich um die ­Situation beim FC Aarau. Sie ist zwar nicht so dramatisch wie vor einem Jahr, als man nach zwölf Spieltagen nur ­sieben Punkte auf dem Konto hatte. Doch auch deren 14, wie sie Aarau in dieser Saison bislang geholt hat, sind klar zu wenig für die internen und ­externen Ansprüche. Besorgniserregend: Beim 0:3 am Sonntag in Wil war nicht nur resultattechnisch, sondern auch leistungsmässig keine Aufwärtstendenz zu erkennen.

Die sportliche Krise verschärft sich zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: In knapp vier Wochen, am 24. November, stimmt das Aarauer Stimmvolk über den Stadion-Kredit
(17 Millionen) und die «Teiländerung Nutzungsplanung Torfeld Süd, Stadion 2017» ab. Ist es aus diesem Grund verhältnismässig ruhig beim FCA? «Nein, die Stadionabstimmung tangiert den sportlichen Alltag nicht, wir arbeiten so leistungsorientiert wie immer», sagt Burki, als wir ihn am Montagmittag telefonisch erreichen.

Das erste Saisondrittel ist vorbei. Welche Note geben Sie dem FC Aarau?

Burki: Eine ungenügende, aber mit Vorbehalt: Ein grundsätzliches ­Fazit kann man immer erst nach der kompletten Saison ziehen.

In den letzten fünf Partien gab es nur einen Sieg (3:2 in Kriens; die Red.) und drei Niederlagen, zuletzt das 0:3 in Wil. Die ­Leistungskurve zeigt bergab – wie dramatisch ist die Situation?

Der Auftritt in Wil war für uns alle eine grosse Enttäuschung und ein Rückschritt. Wir waren dem Gegner spielerisch nicht unterlegen, aber zu einer guten Leistung gehört es auch, keine Fehler zu machen. Wir haben uns drei Mal sehr schlecht angestellt, Wil hat diese Fehler nicht gemacht, darum ­haben wir verdient verloren.

Der FC Aarau hat mehr Punkte als vor einem Jahr, dafür zeigt die Leistungskurve anders als damals gegen unten. Das muss Sie doch beunruhigen.

Ich möchte die beiden Situationen nicht vergleichen. In der letzten Saison sind wir katastrophal gestartet, hatten nach sechs Spielen null Punkte. Dieses Jahr war der Start gut, danach haben wir trotz ordentlicher Leistungen zu wenig Punkte geholt. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass die letzten zwei Spiele gegen Lausanne und Wil Rückschritte waren. Wir machen zu viele individuelle Fehler, die zu Gegentoren führen, das müssen wir schleunigst abstellen.

Die FCA-Spieler begehen zu viele individuelle Fehler, die zu Gegentoren führen.

Die FCA-Spieler begehen zu viele individuelle Fehler, die zu Gegentoren führen.

Die Häufung der Aussetzer deutet auf ein Qualitätsproblem hin. 

Es ist kein Geheimnis, dass wir qualitativ nicht mehr so gut aufgestellt sind wie in der vergangenen Saison. Aber wir sind besser als die letzten Resultate und der Tabellenstand.

Marco Schneuwly sagte in Wil: «Es kommt schon gut.» Es wäre jedoch fatal zu glauben, der FC Aarau startet nach dem ungenügenden Saisonstart einfach nochmals eine Siegesserie wie vor einem Jahr – einverstanden?

Einverstanden, aber so denkt bei uns keiner. Marco meinte damit, dass wir weiter hart arbeiten müssen, so wie wir es auch letzte Saison getan haben.

Nach dem 0:3 in Wil konnten weder Trainer Patrick Rahmen noch Captain Elsad Zverotic eine konkrete Lösung für die Trend­wende nennen. Und Sie?

Am wichtigsten ist es, im Hier und Jetzt zu denken, also nur ans nächste Spiel zu denken und aufzuhören, den Abstand nach vorne und nach hinten auszurechnen. Diese Denkweise war vor einem Jahr der Schlüssel zum Erfolg. Und wie damals müssen wir uns auch jetzt auf dem Platz in allen Bereichen verbessern: Im Defensivverhalten, im Kreieren von Torchancen und im Auftreten als Einheit.

Gutes Stichwort: In Wil hatte man von aussen nicht den Eindruck, als würde sich jeder Spieler be­dingungslos gegen die Niederlage stemmen.

Das weise ich entschieden zurück: Unsere Situation ist keinem Spieler egal. Jeder ist sich bewusst, dass er mehr leisten muss, nur so erzwingen wir das Glück wieder auf unsere Seite. Die Liga ist noch ausgeglichener als letzte Saison, jedes kleine Nachlassen wird bestraft.

Stefan Maierhofer wurde in Wil erst in der 80. Minute einge­wechselt und schrieb am Tag danach auf Facebook: No Major, no Party. Stellt da nicht einer seine Person über das Kollektiv?

Solche Beiträge sind unpassend und nicht akzeptabel. Ich werde mit Stefan sprechen, sobald ich zurück bin.

Maierhofers sportlicher Wert ist im Keller, es gibt Gerüchte über eine vorzeitige Vertragsauflösung im Winter. Ihr Kommentar?

Stefan verhält sich genau gleich wie in der vergangenen Saison, der Unterschied ist, dass er nicht mehr so regelmässig trifft. Er weiss, dass er noch nicht auf dem früheren Niveau ist.

Die Vertragsverlängerung mit Maierhofer war eine Ihrer Entscheidungen vor dieser Saison, die sich bislang nicht als richtig herausgestellt haben. Eine andere: Es fehlt ein Abwehrchef. Wenn wir uns in die Sommerpause zurückbeamen könnten: Was würden Sie anders machen bei der Kaderzusammenstellung?

Kein Spieler kann bislang von sich behaupten, eine gute Saison zu spielen. Aber ich bin nach wie vor überzeugt von jedem einzelnen.

Zwei der FCA-Routiniers: Markus Neumayr (l.) und Elsad Zverotic.

Zwei der FCA-Routiniers: Markus Neumayr (l.) und Elsad Zverotic.

Der FCA hat die älteste Mannschaft der Liga – gibt es zu viele Häupt­linge und zu wenig Platz für junge, hungrige Spieler?

Es ist legitim, dass in der aktuellen ­Situation die erfahrenen Spieler, der Trainer und ich in die Kritik geraten. Aber Sie sind einig mit mir, dass in der letzten Saison die Routiniers den Karren aus dem Dreck gezogen haben – oder?

Stimmt. Auffallend ist aber auch die Spannbreite der gezeigten Leistungen: Top gegen GC und Sion, katastrophal gegen Chiasso, Vaduz und in der Anfangsphase gegen Lausanne. Lähmt das ­Trauma des vergeigten Aufstiegs die Spieler bis heute?

Das Barrage-Rückspiel gegen Xamax war für den ganzen FCA ein brutaler Schlag. Möglich, dass es beim einen oder anderen immer noch nachhallt. Aber es darf keine Ausrede sein für die Leistungen in dieser Saison.

Sie haben Ende August den Vertrag mit Trainer Patrick Rahmen bis 2021 verlängert. Würden Sie das auch in der jetzigen Situation tun?

Ja. Das sage ich nicht, um meine Entscheidung von damals zu stützen, ­sondern weil ich zu hundert Prozent von Patrick überzeugt bin.

Zwischen sie passt kein Blatt: Sportchef Burki (links) und Cheftrainer Patrick Rahmen.

Zwischen sie passt kein Blatt: Sportchef Burki (links) und Cheftrainer Patrick Rahmen.

Blicken wir noch voraus: Sehen Sie in der aktuellen Krise ein Problem für die Stadionabstimmung am 24. November?

Ich vertraue den Aarauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, dass sie diese zwei Paar Schuhe auseinanderhalten und ihre Meinung längst gemacht haben. Am 24. November geht es um die Zukunft des FC Aarau und des Aargauer Fussballs.

Entscheidet das Abstimmungsergebnis auch darüber, ob das FCA-Kader in der Winterpause verstärkt wird?

Davon gehe ich aus. Momentan sind jedenfalls sind keine Neuzugänge ­geplant, was auch an der finanziellen Situation liegt.

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