FC Wettingen

Kein Geld mehr für Spieler und ein Ultimatum

Wettingen-Präsident Pierluigi Ghitti setzt seinen Plan konsequent durch.

Wettingen-Präsident Pierluigi Ghitti setzt seinen Plan konsequent durch.

Dem FC Wettingen fehlen 100 000 Franken – nun reagiert Präsident Pierluigi Ghitti auf die Kritik am freiwilligen Abstieg in die regionale 2. Liga. Und er fordert die Spieler auf, den Verein zu verlassen, wenn sie mit dem Weg nicht einverstanden sind.

Pierluigi Ghitti ist kein Mann der leisen Töne und macht immer das, was er für richtig hält. Hat sich der Präsident des FC Wettingen etwas in den Kopf gesetzt, dann zieht er es durch. Kompromisslos und ohne Wenn und Aber!

Ghitti ist in seiner Rolle als Klubverantwortlicher klar, konsequent und stur. In einer Rückmeldung des Vorstands auf den offenen Brief der ersten Mannschaft, die den freiwilligen Abstieg in die regionale 2. Liga kritisierte, spricht der 55-jährige Bäcker- und Konditormeister Klartext und sagt: «Der FC Wettingen braucht eine gesunde Finanzstruktur. Der Verein kämpft seit längerer Zeit mit finanziellen Engpässen und Herausforderungen, die oft nur durch Zuschüsse des Präsidenten und von Sponsoren gestopft werden konnten. Wegen der Coronakrise und dem daraus folgenden Abbruch der Saison hat sich die aktuelle Situation verschärft. Wir können nicht weiterhin zusehen. Jetzt müssen wir handeln.»

Keine Vergütungen und Entschädigungen mehr

In Zukunft werden dem FC Wettingen mehr als 100000 Franken fehlen. Mietausfälle, fehlende Anlässe wie ein Schülerturnier im Juni und mögliche Rückzüge von Sponsoren können nicht mehr durch eine Person oder Lohn- und Prämienverzichte ausgeglichen werden. Ghitti zieht nach eigener Aussage die Reissleine und sagt: «Für uns ist Fussball auf regionalem und interregionalem Niveau eine Freizeitbeschäftigung, die Freude und Spass machen muss. Der Vereinsgedanke und Teamgeist müssen in den nächsten Jahren im Vordergrund stehen. Deshalb werden wir in nächster Zeit keine Vergütungen und Entschädigungen an Spieler zahlen. Spieler, die das nicht akzeptieren wollen, können, ja sollen gehen.»

Ghitti zieht sein Ding also durch. Von den Spielern will sich keiner zu den neusten Aussagen äussern. Sie verweisen auf den offenen Brief. Mit Trainer Marc Hodel hat der Präsident des FC Wettingen aber einen Mann, ja sogar einen Verbündeten an seiner Seite, der voll und ganz hinter dem freiwilligen Abstieg steht und in Zukunft vor allem auf Junioren aus dem eigenen Nachwuchs setzen wird. «Der FC Wettingen ist ein Ausbildungsverein», sagt Hodel. «Ich freue mich auf die Arbeit mit den Talenten und werde alles daran setzen, dass die jungen Spieler Fortschritte machen. Dieser Herausforderung stelle ich mich gerne.» Man darf gespannt sein, wie sich der «neue» FC Wettingen in der Saison 2020/21 schlagen wird. Klar ist momentan nur, dass es innerhalb vom Kader der ersten Mannschaft einen Umbruch und einen Verjüngungsprozess geben wird.

15 Teams und was ist mit den Eagles Aarau?

Ghitti und der Vorstand haben am Donnerstag mit je einem Schreiben an die Amateurliga in Bern und den Aargauischen Fussballverband (AFV) in Aarau den freiwilligen Abstieg des FC Wettingen in die regionale 2. Liga besiegelt. Stand jetzt bestreiten 15 Mannschaften die Saison 2020/21. Das ist insofern unglücklich, als das bei einer ungeraden Anzahl jeweils ein Team pro Meisterschaftsrunde pausieren muss.

Weiterhin unklar ist allerdings die Ligazugehörigkeit von Eagles Aarau. Ein Entscheid fällt spätestens am 15. Mai. Gelingt es Eagles Aarau bis zu diesem Zeitpunkt nicht, 30 Junioren zu rekrutieren, wie es das Reglement vorsieht, kann es weder in der 2. Liga interregional noch in der regionalen 2. Liga spielen. Ohne 30 Junioren müsste Eagles Aarau sogar in die 3. Liga absteigen. Momentan ist völlig unklar, wie es mit diesem Verein weitergehen wird. Eagles-Präsident Faton Gashi versucht alles, dass die erste Mannschaft die Saison 2020/21 in der 2. Liga interregional spielen kann. Ob das realistisch ist, wird man spätestens in zwei Wochen wissen.

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Autor

Ruedi Kuhn

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