Fussball
Kay Voser: «Ich bin keiner, der davonläuft»

Der ehemalige Basler Meisterspieler Kay Voser befindet sich beim FC Fulham in einer schwierigen Situation. Nach einer Verletzung und einem Trainerwechsel wird er nicht mehr berücksichtigt. Ans Aufgeben denkt er aber noch lange nicht.

Markus Brütsch, London
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Kay Voser (rechts) im Dress von Fulham gegen Simon Cox vom FC Reading. Imago

Kay Voser (rechts) im Dress von Fulham gegen Simon Cox vom FC Reading. Imago

imago/BPI

Kay Voser hat Zeit. Aber es wäre ihm viel lieber, er müsste an diesem Abend im Februar sagen, dass er keine Zeit habe. Just in diesen Minuten machen sich nämlich seine Arbeitskollegen vom FC Fulham 125 Meilen nordwestlich in Wolverhampton bereit für das Spiel der 33. Runde in der Championship. Und Voser würde gerne mithelfen, den drohenden Abstieg aus der zweiten englischen Liga abzuwenden.

Doch Kit Symons glaubt weiterhin, auf die Dienste seines Schweizer Aussenverteidigers verzichten zu können. Der Trainer hat den 28-Jährigen, wie stets seit er im Amt ist, auch am letzten Dienstag nicht aufgeboten. Und so sitzt Voser nun halt in einem Café beim Bahnhof Clapham Junction und schildert, wie es ihm seit seiner Ankunft im Sommer letzten Jahres in seinem Fussballtraumland ergangen ist.

Überraschend hatte er damals den FC Basel verlassen und beim soeben aus der Premier League abgestiegenen FC Fulham einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Er war zuvor mit dem FCB zum dritten Mal Meister geworden und hatte als Stammspieler in der Champions League brilliert.

Überzeugungsarbeit von Magath

«Ich bin beim FC Basel extrem glücklich gewesen», sagt Voser. «Aber dann kam die Anfrage aus England. Ich dachte mir, das sei eine gute Chance, einmal etwas anderes zu sehen und neue Erfahrungen zu sammeln.» Es klang gut, was ihm der deutsche Trainer Felix Magath sagte. Fulham habe hohe Ziele und peile den sofortigen Wiederaufstieg an.

Auch finanzielle Abstriche würde es keine geben, im Gegenteil. «Magath überzeugte mich davon, dass ein Wechsel gut für meine fussballerische und menschliche Entwicklung sei. Und weil ich im Europacup gegen Tottenham und Chelsea gut gespielt hatte, besass ich das Selbstvertrauen zu sagen: Du kannst es in England schaffen.»

Acht Monate später ist die Zuversicht einer grossen Ernüchterung gewichen. Die Vorbereitungsphase in Österreich, Schottland und den USA war hart gewesen. Voser hatte Magaths Medizinbälle und Bergläufe kennen gelernt, sagt aber: «Ich habe mich noch nie so fit gefühlt.» Er war in den Testspielen zum Einsatz gekommen und ab dem vierten Spieltag auch in der Meisterschaft.

Trainer ohne Interesse an Voser

«Dann übertrat ich mir im Training den Fuss. Ich erlaubte mir aber keine Pause aus Angst, meinen Platz im Team zu verlieren», sagt Voser. Doch die Schmerzen wurden stärker. Gegen Reading, in seinem vierten Spiel, musste er sich auswechseln lassen. Voser, der in seinem ersten Jahr beim FC Basel mit einer Verletzung am selben Fuss viele Monate ausgefallen war, musste mit einem Knochenödem sieben Wochen lang pausieren.

In der Zwischenzeit war Magath nach einem desaströsen Saisonstart mit nur einem Punkt aus sieben Partien entlassen worden. Der Trainer, der auf Voser gesetzt hatte. Sein Nachfolger wurde Kit Symons, nachgezogen aus der U21. Dieser setzte fortan auf «seine» Spieler und konnte mit der von Magath verpflichteten Fraktion wenig anfangen. Und die Resultate unter Symons wurden zwischenzeitlich besser.

Mitte Dezember war der Schweizer dann wieder fit. «Meine Fussgelenke fühlten sich gut an wie nie», sagt Voser. Er freute sich darauf, wieder anzugreifen – und wurde herb enttäuscht. Der Trainer beschied ihm, er habe seinen Spielerkreis gefunden und Voser erhielt das Gefühl, er könne machen, was er wolle, eine Chance würde er gleichsam nicht erhalten.

Voser zu anständig?

Daran sollte sich auch nichts ändern, als die Ergebnisse wieder schlechter wurden. Der FC Fulham aus den letzten sechs Partien nur noch zwei Punkte holte und jetzt auf dem zwanzigsten Rang von 24 Teams liegt. «Ich glaube, Symons hat mich gar nie richtig kennen gelernt», sagt Voser, «er weiss gar nicht genau, wer ich bin und was ich kann.»

Natürlich, der Aargauer ist nicht der Typ, der sich verbal oder mit den Ellbogen Respekt verschafft; möglicherweise ist er sogar zu anständig für diesen rauen Konkurrenzkampf zwischen 30 Profis. Aber auf der anderen Seite ist es nur schwer verständlich, weshalb ein Mann, der mit dem FCB gegen Tottenham und Chelsea starke Leistungen abgerufen und einen wie Gareth Bale abgemeldet hatte, für die kampfbetonte zweite englische Liga nicht genügen sollte.

Auch Voser, der Kämpfer, hat Mühe mit solchen Gedanken. Die Sprache ist kein Problem und einsam ist er auch nicht. Er hat in der Mannschaft einen kleinen Freundeskreis aufgebaut und fühlt sich in seiner Wohnung im Londoner Stadtteil Battersea an der Themse wohl.

Lust noch nicht verloren

«Ich habe trotz der schwierigen Situation auch noch immer keine Mühe, täglich ins Training zu fahren und mich anzubieten», sagt Voser. «Ich habe den Glauben an mich nicht verloren. Die schwierige Zeit, die ich am Anfang in Basel hatte, hilft mir dabei enorm.»

Als vor ein paar Wochen eine Anfrage des FC Sion vorlag, kam Voser jedoch ins Grübeln. Aber dann entschied er sich, bei Fulham zu bleiben. «Ich bin einer, der nicht so schnell aufgibt. Ich bin hungrig und weiss, wie schnell sich im Fussball alles ändern kann», sagt Voser, «ich verspüre nicht den Drang, so rasch als möglich in die Schweiz zurückzukehren.»

Davonlaufen ist nicht seine Sache. «Aber genau das wäre es gewesen», sagt Voser. Und dann wird deutlich, weshalb er in Basel bisweilen Philo-Voser genannt worden ist. Er sagt: «Man muss auch schlechte Zeiten geniessen und schätzen. Ich weiss, es tönt absurd: Aber auch das Leiden ist ein Gefühl, woraus man später einmal Positives ziehen kann.» Er kann sich gut vorstellen, später als Sportpsychologe seine Erfahrungen weiterzugeben.