Challenge League

Kaum aus der Kabine, schon fällt das Gegentor: Der FC Aarau ist der Langsamstarter der Liga

Schnappschuss nach dem 2:2 gegen Winterthur: Ob Jäckle (rechts) Temakollege Maierhofer nach dem Grund für die frühen Gegentreffer fragt?

Schnappschuss nach dem 2:2 gegen Winterthur: Ob Jäckle (rechts) Temakollege Maierhofer nach dem Grund für die frühen Gegentreffer fragt?

Kein anderes Team kassiert in der Startviertelstunde und nach der Pause mehr Gegentore als der FC Aarau – eine Ursachenforschung. Was Hoffnung macht vor dem Auswärtsspiel in Schaffhausen (Freitag 20 Uhr, im AZ-Liveticker): Die wichtigste Statistik spricht für Aarau.

Ein Tipp für alle FCA-Fans, die heute das Spiel zwischen Schaffhausen und Ihrem FC Aarau im Stadion oder vor dem Fernseher verfolgen: Wenn Sie nicht besonders leidensfähig sind, lenken Sie sich während der ersten 15 Minuten der Partie mit etwas angenehmem ab. Die Chance, dass der FCA in Rückstand gerät, ist gross. In Zahlen ausgedrückt: Neun der insgesamt 32 Gegentore fielen in der Startviertelstunde. Einsamer und unrühmlicher Spitzenwert in der Challenge League.

Gemäss Statistik sieht es auch für die FCA-Offensive schlecht aus: Nach 16 Spieltagen erst ein Tor in der Startviertelstunde, keine andere Mannschaft kommt harmloser aus der Kabine. Heute Abend wäre ein frühes Aarau-Tor gar eine kleine Sensation: Der FC Schaffhausen hat als einziges Team der Liga bislang keinen Gegentreffer in den ersten 15 Spielminuten erhalten.
Nach der Pause, in der die Spieler die Gedanken sammeln und vom Trainer neue Anweisungen erhalten, sieht es übrigens nicht besser aus: Sieben Gegentore zwischen der 46. und 60. Spielminute – auch in dieser Statistik hält Aarau den Negativrekord, gemeinsam mit Schaffhausen. Auf der Habenseite sind drei Aarau-Tore in der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit der zweitschwächste Wert der Liga.

Ein Bild, das es in dieser Saison viel zu oft gab: Resignierte Aarau-Spieler nach einem frühen Gegentreffer

Ein Bild, das es in dieser Saison viel zu oft gab: Resignierte Aarau-Spieler nach einem frühen Gegentreffer

Genug der Zahlen-Jonglage, die Message ist klar: Regelmässig verpennt der FCA die Startphasen. Krasseste Beispiele sind das Auswärtsspiel am vierten Spieltag in Chiasso und das Heimspiel am elften Spieltag gegen Lausanne-Sport: Im Tessin führte Aarau zur Halbzeit 2:1, innert zwölf Minuten nach dem Wiederanpfiff drehte Chiasso das Skore zum 3:2 (Endstand 4:2). Gegen Lausanne lautete das Vorhaben der Aarauer, den Tabellenführer von Beginn an einzuschnüren und schnell in Führung zu gehen. Doch schon nach elf Minuten stand es 3:0 für die Gäste (Endstand 3:1).

Leiden die Spieler an Nachwehen der Barrage?

Die Startprobleme sind einer der Hauptgründe, dass die Mannschaft von Patrick Rahmen mit 20 Punkten und Rang 7 nach 16 Spielen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Sieht auch der Trainer so: «Wir gehen ganz klar zu oft in Rückstand. Beim 0:0 gegen GC sind wir gut ins Spiel gekommen, zuletzt beim 2:2 gegen Winterthur wieder nicht.» In besagtem Spiel kassierte der FCA nach 15 Minuten das 0:1 und in der 51. Minute, also sechs Minuten nach Wiederanpfiff, das 1:2.

Der aktuelle FCA-Talk, in dem unter anderem die Schlafmützigkeit der FCA-Spieler Thema ist:

«Schluss mit Kuschelrock!» – klare Ansage an Aarau-Trainer Patrick Rahmen

«Schluss mit Kuschelrock!» – klare Ansage an Aarau-Trainer Patrick Rahmen

Noch zwei Spiele bis zur Winterpause: Um die Vorrunde versöhnlich abzuschliessen und die anvisierte Barrage nicht aus den Augen zu verlieren, muss der FC Aarau in Schaffhausen und gegen Chiasso gewinnen. Die AZ-Reporter Sebastian Wendel und Ruedi Kuhn appellieren im Talk an den Stolz der Spieler, nehmen aber auch Trainer Patrick Rahmen in die Pflicht. 

Woran liegts? «Vielleicht daran, dass die Spieler eher mit dem Gefühl auf den Platz kommen, es könnte etwas schief gehen, statt sich auf ihre Stärken zu ­besinnen.» Eine Aussage, die Raum für Interpretationen lässt. Und einen schnell einmal auf den 2. Juni 2019 zurückkommen lässt, als die Aarauer gegen Xamax nach dem 4:0-Hinspielsieg den Aufstieg noch aus der Hand gaben. Rahmen sagt: «Möglich, dass beim einen oder anderen Spieler der 2. Juni noch im Hinterkopf ist. Aber das darf keine Ausrede sein. Dass wir nach den bisherigen Resultaten in der laufenden Saison nicht vor Selbstvertrauen strotzen, ist klar. ­Andererseits ist es heutzutage und vor allem in einem ausgeglichenen Wettbewerb wie der Challenge League normal, dass nicht von der ersten bis zur letzten Minute nur eine Mannschaft dominiert.»

Der Umgang mit den verschiedenen Phasen einer Partie werde im Fussball immer wichtiger. «Es ist ein Lern­prozess: Zu akzeptieren, dass im Moment gerade der Gegner ­dominiert und dass man sich in diesem Fall als Mannschaft auf saubere Defensivarbeit konzentriert, statt mit Biegen und ­Brechen die Offensive zu forcieren.»

Dazu passt, dass der FC ­Aarau viele Tore kurz nach Ballverlusten kassiert: Dann also, wenn bei unkontrolliertem Anrennen auf das gegnerische Tor die eigene Defensive besonders verwundbar ist. Gut zu beobachten war dies vor einer Woche im Heimspiel gegen Winterthur: Der FC Aarau lief den Gästen in der Startphase ins offene Messer und hatte Glück, dass es nach 15 Minuten nur 0:1 stand.

In Schaffhausen muss der Start besser gelingen als zuletzt, mit fünf Toren in der Startviertelstunde gehört das Yakin-­Team zu den besten Frühstartern der Liga. Die wichtigste Statistik aber spricht für die Gäste: Seit Patrick Rahmens Amtsantritt im Sommer 2018 hat der FC Aarau alle fünf Spiele gegen Schaffhausen gewonnen.

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