Wer sich in der Sportart Cross Country- Eliminator auskennt, kommt an diesem Namen nicht vorbei: Kathrin Stirnemann. Die 28-jährige Gränicherin kann auf einige Erfolge zurückblicken. Schweizer Meisterin, Europameisterin, wie auch Weltmeisterin. Ihr letzter Saisonerfolg liegt nur wenige Tage zurück: WM-Gold im Eliminator in China. Und trotzdem reicht ihr das nicht.

Kathrin Stirnemann möchte mehr. Sie möchte bei Olympia mitfahren und sich wieder einen Namen im Cross Country machen. In einer Disziplin, in welcher sie zu Beginn ihrer Karriere bereits sehr erfolgreich fuhr. Da diese Erfolge ein paar Jahre zurückliegen, stellt sich nun natürlich die Frage, ob sie nach ihren Glanzresultaten im Eliminiator auch im Cross Country wieder auf Spitzenniveau kommt.

«Ich bin eher der Sprintertyp»

Laut Stirnemann ist der Unterschied zwischen den beiden Disziplinen aber «riesig». Beim Cross Country muss man 90 Minuten lang Vollgas fahren, während es beim Eliminator fünf mal zwei Minuten sind. Dass Stirnemann die Eliminator-Disziplin so gut liegt, könne daran liegen, dass sie «eher der Sprintertyp» sei.

Beim Eliminator ist es wichtig, dass man technisch sauber fährt, weil man sich keinerlei Fehler erlauben kann. Da sie punkto Technik «sehr stark» sei, komme ihr «diese Disziplin sehr entgegen». Aber wieso möchte sich jemand, der in seiner Kategorie alles gewonnen hat, überhaupt wieder im Haifischbecken Cross Country beweisen? Für Stirnemann hat es «einen Reiz», auch in ihrer früheren Domäne wieder an die Spitze zurückzukehren.

«Zu viel auf einmal gewollt»

Das Jahr 2017 war allerdings «ein graues Jahr», was die Cross Country Disziplin anbelangt. Es sei «einfach gar nicht gelaufen». Kathrin Stirnemann selbst denkt, dass es daran liegen könnte, dass sie «zu viel trainiert» und «zu viel auf einmal gewollt» hat. Aber auch die Konkurrenzdichte sei grösser als im Eliminator, die Strecken viel anspruchsvoller.

Bei langen Aufstiegen falle es ihr wegen ihrer «körperlichen Voraussetzungen» schwer, mit der Weltspitze mitzuhalten. «Mit meinem Gewicht ist es schwierig, mit einem Fliegengewicht wie Jolanda Neff mitzuhalten», sagt sie lachend und merkt aber an, dass sie die amtierende Weltcup-Siegerin früher auch schon besiegt hat. Das Potenzial, um im Cross Country Erfolge zu feiern, ist bei Kathrin Stirnemann zweifellos vorhanden.

Entsprechend hofft sie, dass es mit einer guten Platzierung an der Heim-WM 2018 auf der Lenzerheide klappt: «Natürlich ist die WM im eigenen Land etwas ganz Spezielles, darum glaube ich, dass ich dank einer Trainingsumstellung an die Spitze fahren kann.»

Eine schwere Entscheidung

Früher konnte Kathrin Stirnemann sich noch auf beide Disziplinen konzentrieren, da die Cross-Country- und Eliminator-Rennen gleichzeitig stattfanden. 2014 ist die Eliminator-Sparte aber abgesplittet worden und darum der Aufwand, beide Disziplinen zu betreiben, «sehr gross»geworden. Deshalb musste Stirnemann sich für eine Disziplin entscheiden und – «nach langem Überlegen» – setzt sie nun wieder auf Cross Country.

Vor allem deshalb, weil es olympisch ist. «Natürlich ist Olympia ein Traum», aber sie wolle trotzdem das machen, wo ihr Herz daran hängt. Und das ist Mountainbike. Für Stirnemann hat sich kürzlich dank einer ganz anderen Rad-Disziplin, nämlich der Bahn, ein mögliches Olympia-Türchen geöffnet.

Olympia, aber nicht um jeden Preis

Im Hinblick auf Tokio hat Swiss Cycling ein Frauen-Bahn-Projekt gestartet und die Gränicherin angefragt. Aber Stirnemann lehnte dankend ab: «Ich möchte nicht einfach so die Disziplin wechseln.» Darum, Olympia ja, aber nicht um jeden Preis.

Jetzt ist sowieso erstmal Saisonpause: «Es war ein langes Jahr, darum bin ich froh, dass ich das Velo jetzt eine Zeit lang in die Ecke stellen kann.» Und was das nächste Jahr anbelangt, schaue sie «von Jahr zu Jahr», aber der Fokus liege weiterhin beim Sport.