38. Hallwilerseelauf
Karuiru Wanjohi aus Kenia war schneller als ein Löwe

Der Kenianer David Wanjohi Karuiru gewinnt den 38. Hallwilerseelauf überlegen. Bester Schweizer ist Altmeister Hansjörg Brücker aus Baden, beste Frau die letztjährige Zweite Susanne Rüegger.

Rainer Sommerhalder
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Über 7000 Läufer am 38. Hallwilerseelauf

Alexander Wagner

Wanjuhi liess vom ersten Meter des Halbmarathons an keine Zweifel offen, wer der Stärkste im Feld ist. Bereits im Wald von Beinwil am See hinunter nach Mosen deponierte der 23-Jährige alle Konkurrenten. Auch in Aesch (Km 6) lag sein Kilometerschnitt noch deutlich unter drei Minuten, bei der Seerose betrug der Rückstand des Zweiten 80 Sekunden und lag der schnellste Schweizer bereits mehr als drei Minuten zurück.

«Ich kam hierher, um den Streckenrekord zu verbessern», sagte der werdende Ingenieur selbstbewusst. Dass es dafür letztlich klar nicht reichte, lag an zwei Dingen: Wanjuhi fehlten schlicht die Gegner und dadurch auch die fordernden Begleiter unterwegs. Dazu waren die Naturwege rund um den See nach den massiven Regenfällen der letzten Tage für ein Rekordtempo zu fest aufgeweicht. So bleibt sein Landsmann und Vorjahressieger Daniel Kiptum (1:02,47) weiter die Nummer 1 in der Bestenliste.

Trotzdem blieb die Solo-Vorstellung des jungen Kenianers, der erstmals überhaupt in Europa weilt und mit dem Hallwilerseelauf seine Schweizer Premiere feierte, eine beeindruckende Leistung. Auch für das kleine Mädchen beim Schloss Hallwyl, welches zusammen mit seiner Familie den Läuferinnen und Läufern applaudierte: «Papa, ich weiss, wieso die so schnell rennen können», kommentierte es den vorbeiziehenden Afrika-Express mit Wanjuhi an der Spitze und vier Äthiopiern in der Verfolgung, «die müssen zuhause schneller als die Löwen sein».

Wäre alles nach Plan verlaufen, hätte man Wanjuhi gar nicht um den Hallwilersee laufen gesehen. Das letzte Jahr verbrachte er als Austauschstudent in Japan. Dort ermöglichte ihm eine grosse kenianische Firma die Kombination Ingenieur-Studium und Laufkarriere. Doch obwohl er bereits ziemlich gut japanisch spricht und sich durchaus fern der Heimat integriert hat, brach er seine Zelte in Japan vor wenigen Wochen ab. Der Grund waren Differenzen mit seinem japanischen Trainer. Denn Wanjuhi weiss auch im Sport ziemlich genau, was er will.

Sein Vorbild ist der grosse Bruder Isaac Racharia. Dieser läuft den Marathon in 2:07 Stunden. «Und ich will eines Tages noch schneller sein», sagt der jüngere Bruder. Und mag er im riesigen Heer der kenianischen Langstreckenläufer auch nur ein unbeschriebenes Blatt sein, beim grössten Lauf im Kanton Aargau war er doch einzigartig. Den Applaus der insgesamt 5537 klassierten Mitstreiter und der erneut vielen Zuschauer rund um den See hat er sich redlich verdient.