Die Aarauerinnen spielen derzeit so erfolgreich wie nie zuvor. Sie stehen in der NLB-Meisterschaft unangefochten auf Platz eins und haben sich im Cup als einziges Team aus der Deutschschweiz für die Halbfinals qualifiziert. Und trotzdem finden sie sich im morgigen Cupspiel (18 Uhr, Telli) in der Rolle des David wieder. Denn mit Hélios
Basket wartet die Übermannschaft des Frauenbasketballs hierzulande. Für den Schweizer Meister und Cupsieger der letzten drei Jahre ist der Besuch in Aarau nicht mehr als eine Pflichtaufgabe, für das junge Team der Gastgeberinnen ist es hingegen der bisherige Karrierehöhepunkt.

Nur wenige Spielerinnen aus dem Aarauer Kollektiv sind es gewohnt, solch grosse Partien zu bestreiten. Eine von ihnen ist Karen Twehues (31). Doch auch für die beste und erfahrenste Spielerin des BC Alte Kanti Aarau ist es ein besonderes Spiel. Für sie ist es ein Wiedersehen, denn die gebürtige Tessinerin spielte von 2011 bis 2013 für die Walliserinnen. «Ich kenne die meisten Spielerinnen noch immer und freue mich, sie zu treffen», sagt Twehues. «Für uns wird es ein extrem schwieriges Spiel. Aber es ist auch eine gute Standortbestimmung, wenn wir gegen die beste Mannschaft des Landes spielen können.»

Traum verwirklicht

Karen Twehues ist im Sommer zu den Aarauerinnen gestossen. Ein Glücksfall für die Alte Kanti, denn Twehues kann ein beeindruckendes Palmarès vorweisen. Bereits mit 15 Jahren spielte sie für das NLA-Team von Tenero Gordola, wo ihr Vater als Coach tätig war. Nach der Matura erhielt sie von der Universität Cincinnati ein Stipendium und spielte neben dem Studium vier Jahre lang College Basketball in der ersten Division. Es folgte der Wechsel ins Profilager. «Das war schon immer mein Traum und den konnte ich mir in Italien verwirklichen», sagt Twehues.

Nach viereinhalb Jahren hatte sie aber genug und kehrte in die Schweiz zurück. Sie begann ihr Masterstudium in englischer Literatur an der Universität Lausanne. Daneben spielte Twehues für Hélios und Bellinzona in der NLA, erzielte dabei in zweieinhalb Jahren 1499 Punkte und holte zwei Meistertitel und zwei Cupsiege. Und jetzt also Aarau. Doch was zieht eine Spielerin vom Kaliber einer Karen Twehues, die sechs Jahre lang für die Nationalmannschaft spielte, zu einem NLB-Team? «Ich wollte sportlich etwas zurückstecken und nur noch zum Spass spielen. Zudem wohnt mein Freund in Aarau und wir wollten zusammenziehen», sagt Twehues, die als Englischlehrerin arbeitet und ab März das höhere Lehramt in Bern beginnt.

Keine Angst haben

Heute steht jedoch zuerst der Cupknaller gegen Hélios auf dem Programm. Und Twehues hat auch schon einen Plan, wie die Aarauerinnen den übermächtigen Gegner ärgern könnten. «Unser Vorteil ist, dass wir keinen Druck verspüren. Wir müssen von der ersten Sekunde an kämpfen und dürfen auf keinen Fall Angst haben – auch wenn Hélios auf dem ganzen Feld aggressiv verteidigt.» Die Alte Kanti kann sich dabei nicht nur auf die Klasse ihrer Anführerin Karen Twehues verlassen, sondern jede einzelne Spielerin muss über sich hinauswachsen, wenn die Sensation gelingen soll.