Transfer
Karanovic will zum FC Aarau, der FC Aarau will Karanovic - warum der Transfer bisher nicht geklappt hat

Zwei Kreuzbandrisse in drei Jahren - aus sportlicher Sicht war das Auslandabenteuer in Frankreich für den Freiämter Stürmer ein Reinfall. Nun will er seine letzte Chance packen, gerne beim FC Aarau, den er vor drei Jahren in die Challenge League schoss.

Ruedi Kuhn
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Goran Karanovic
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Goran Karanovic im Training des FC Aarau auf dem Trainingsplatz des Stadion Brügglifeld in Aarau.
Goran Karanovic (r.) hat den Torriecher nicht verloren – startet er beim FC Aarau durch?
Taulant Xhaka im Duell mit Goran Karanovic.
Goran Karanovic (rechts) avancierte für St. Gallen zum Matchwinner
Goran Karanovic trifft per Kopf.
Goran Karanovic erlitt zwei Kreuzbandrisse in einem Jahr.

Goran Karanovic

Foto: Claudio Thoma / Aargauer Z

Der 25. Mai 2015: Der FC St. Gallen besiegt Aarau 5:1. Die Kanterniederlage der Aarauer macht den Abstieg in die Challenge League perfekt. Mann des Spiels: St. Gallens Goran Karanovic! Der Mittelstürmer erzielt vier Tore. Zwischen der 67. und der 74. Minute gelingt ihm ein lupenreiner Hattrick. «Es tut mir leid für den FC Aarau», sagte Karanovic damals unmittelbar nach dem Torfestival. «Für mich gehört der Traditionsverein einfach in die Super League.»

Nette Worte zweifellos, aber ein schwacher Trost für den Prügelknaben aus dem Rüebliland! Damit nicht genug der Unbill. Mit Karanovic schiesst ausgerechnet ein Stürmer aus dem Freiamt den Kantonsrivalen in die zweithöchste Spielklasse.

Der Sprung in die Ligue 1

Dass sich der FC Aarau von diesem Tiefschlag im Frühling 2015 bis zum heutigen Tag nicht erholt hat, ist umso bitterer. Und so wurde die Challenge League in den vergangenen drei Saisons quasi zum Wohnzimmer des einst stolzen Klubs vom Brügglifeld.

Im Gegensatz zum FC Aarau schwebte Karanovic im Sommer 2015 auf Wolke sieben. Die Zeit für einen spektakulären Transfer war reif. Mit Angers fand der damals 27-Jährige einen neuen Arbeitgeber in der französischen Ligue 1. Die Unterschrift unter einen Dreijahresvertrag sollte für den Mittelstürmer der Startschuss zu einer erfolgreichen Karriere im Ausland sein. Nicht nur sportlich, auch finanziell!

Unerwartete Wendungen

Aber wie so oft im Profifussball kommt es anders, als man denkt. Drei Jahre später ist Karanovic im Alter von 30 Jahren auf den Boden der Realität zurückgekehrt. Die Ernüchterung ist gross. Der Grund: Die Verletzungshexe! Der Leidensweg von Karanovic beginnt am 10. Januar 2017. Nach einem Zusammenstoss mit Kroatiens WM-Finalgoalie Danijel Subasic zieht er sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zu.

Nach einer sechsmonatigen Zwangspause meldet sich Karanovic zurück. Die Hoffnung auf ein gelungenes Comeback ist allerdings nur von kurzer Dauer: Am 30. August 2017 verletzt er sich während einer Trainingseinheit ein zweites Mal innert kürzester Zeit schwer. Die Diagnose: Erneut Kreuzbandriss im linken Knie! Erneut Zwangspause! Erneut Frust pur!

Auf Klubsuche

«Natürlich war ich in den vergangenen eineinhalb Jahren vom Verletzungspech verfolgt», sagt Karanovic. «Die zwei Kreuzbandrisse waren unerwartete Rückschläge. Die Zeit nach den Operationen mit den Therapien und Aufbautrainings war hart. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind, das laufen lernen muss. Kurzzeitig dachte ich sogar an Rücktritt. Jetzt bin ich wieder voller Hoffnung. Seit Beginn dieses Jahres arbeite ich geradezu besessen an der Rückkehr. Ich trainiere sieben Stunden täglich und spüre, dass es aufwärtsgeht. Es fehlt mir nur noch an der Spielpraxis.»

Die sportliche Zukunft von Karanovic ist offen. Der Vertrag mit Angers ist am 30. Juni dieses Jahres ausgelaufen. Momentan ist er auf Klubsuche. Um sich fit zu halten, trainiert er seit einem Monat beim FC Aarau mit. «Am Anfang ging es für mich nur um die Möglichkeit, zu trainieren», blickt er zurück. «Jetzt aber kann ich mir durchaus vorstellen, für den FC Aarau zu spielen. Die Türen für einen Transfer sind von meiner Seite jedenfalls offen.»

Lohneinbussen: Callà ging stempeln – was macht Karanovic?

Im Sommer 2012 trainierte beim FC Aarau plötzlich ein gewisser Davide Callà mit: Hinter ihm lag eine lange Leidenszeit mit etlichen Knieoperationen, die ihn in den Augen einiger Mediziner zum Sportinvaliden machten. Doch der damals 27-jährige Callà nahm einen letzten Anlauf: Dafür machte er beim FCA «bitti bätti» und musste nach fetten Jahren bei GC massive Lohneinbussen in Kauf nehmen.

Lösung: Die Differenz bis zum Maximalbetrag von 7350 Franken liess er sich vom regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) auszahlen und ging stempeln. Der Fall «Callà» ähnelt jenem von Karanovic: Auch hinter ihm liegen zwei schwere Knieverletzungen, auch für ihn ist der nächste Klub die letzte Chance für die Fortsetzung der Profikarriere auf hohem Niveau. Nimmt sich Karanovic ein Vorbild an Callà?

Dafür müsste der 30-Jährige den Aarauern viele Schritte entgegenkommen und seine von den drei Jahren in Frankreich gefärbten Lohnvorstellungen stark nach unten korrigieren. Sportchef Burki und Trainer Rahmen möchten Karanovic aus sportlicher Sicht gerne verpflichten, doch der FCA kann ihn aktuell nicht finanzieren. Sebastian Wendel