Der 25. Mai 2015: Der FC St. Gallen besiegt Aarau 5:1. Die Kanterniederlage der Aarauer macht den Abstieg in die Challenge League perfekt. Mann des Spiels: St. Gallens Goran Karanovic! Der Mittelstürmer erzielt vier Tore. Zwischen der 67. und der 74. Minute gelingt ihm ein lupenreiner Hattrick. «Es tut mir leid für den FC Aarau», sagte Karanovic damals unmittelbar nach dem Torfestival. «Für mich gehört der Traditionsverein einfach in die Super League.»

Nette Worte zweifellos, aber ein schwacher Trost für den Prügelknaben aus dem Rüebliland! Damit nicht genug der Unbill. Mit Karanovic schiesst ausgerechnet ein Stürmer aus dem Freiamt den Kantonsrivalen in die zweithöchste Spielklasse.

Der Sprung in die Ligue 1

Dass sich der FC Aarau von diesem Tiefschlag im Frühling 2015 bis zum heutigen Tag nicht erholt hat, ist umso bitterer. Und so wurde die Challenge League in den vergangenen drei Saisons quasi zum Wohnzimmer des einst stolzen Klubs vom Brügglifeld.

Im Gegensatz zum FC Aarau schwebte Karanovic im Sommer 2015 auf Wolke sieben. Die Zeit für einen spektakulären Transfer war reif. Mit Angers fand der damals 27-Jährige einen neuen Arbeitgeber in der französischen Ligue 1. Die Unterschrift unter einen Dreijahresvertrag sollte für den Mittelstürmer der Startschuss zu einer erfolgreichen Karriere im Ausland sein. Nicht nur sportlich, auch finanziell!

Unerwartete Wendungen

Aber wie so oft im Profifussball kommt es anders, als man denkt. Drei Jahre später ist Karanovic im Alter von 30 Jahren auf den Boden der Realität zurückgekehrt. Die Ernüchterung ist gross. Der Grund: Die Verletzungshexe! Der Leidensweg von Karanovic beginnt am 10. Januar 2017. Nach einem Zusammenstoss mit Kroatiens WM-Finalgoalie Danijel Subasic zieht er sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zu.

Nach einer sechsmonatigen Zwangspause meldet sich Karanovic zurück. Die Hoffnung auf ein gelungenes Comeback ist allerdings nur von kurzer Dauer: Am 30. August 2017 verletzt er sich während einer Trainingseinheit ein zweites Mal innert kürzester Zeit schwer. Die Diagnose: Erneut Kreuzbandriss im linken Knie! Erneut Zwangspause! Erneut Frust pur!

Auf Klubsuche

«Natürlich war ich in den vergangenen eineinhalb Jahren vom Verletzungspech verfolgt», sagt Karanovic. «Die zwei Kreuzbandrisse waren unerwartete Rückschläge. Die Zeit nach den Operationen mit den Therapien und Aufbautrainings war hart. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind, das laufen lernen muss. Kurzzeitig dachte ich sogar an Rücktritt. Jetzt bin ich wieder voller Hoffnung. Seit Beginn dieses Jahres arbeite ich geradezu besessen an der Rückkehr. Ich trainiere sieben Stunden täglich und spüre, dass es aufwärtsgeht. Es fehlt mir nur noch an der Spielpraxis.»

Die sportliche Zukunft von Karanovic ist offen. Der Vertrag mit Angers ist am 30. Juni dieses Jahres ausgelaufen. Momentan ist er auf Klubsuche. Um sich fit zu halten, trainiert er seit einem Monat beim FC Aarau mit. «Am Anfang ging es für mich nur um die Möglichkeit, zu trainieren», blickt er zurück. «Jetzt aber kann ich mir durchaus vorstellen, für den FC Aarau zu spielen. Die Türen für einen Transfer sind von meiner Seite jedenfalls offen.»