Es ist kein einfacher Tag für den FC Wohlen. Kurz nach zehn Uhr startet das erste Training nach dem Abgang von Cheftrainer Martin Rueda. Am Wochenende wurde publik, dass der 53-Jährige nach Wil wechselt. Es regnet an diesem Montagvormittag. Die Wohler Spieler absolvieren Passübungen und Sprints. Viele können noch immer nicht glauben, dass Rueda tatsächlich weg ist. Die Ungewissheit ist spürbar. Die Stimmung auf dem Platz ist ruhig, viele wirken in sich gekehrt.

Der lauteste auf dem Rasen ist der Übungsleiter. Es ist kein neues Gesicht. Die Pfeife im Mund hat Daniel Bamert, der bisherige Assistenztrainer. Auch er wechselt zum FC Wil, bis auf weiteres trainiert er aber den FC Wohlen. Bamert war es, der den Verantwortlichen des FC Wohlen dieses Angebot machte. «Ich kann die Jungs doch nicht im Stich lassen.» Eine schöne Geste. «Das ist das Mindeste, was ich tun kann», meint Bamert. Dennoch ist die Situation für die Spieler keine einfache.

Sie werden von jemandem trainiert, der soeben bei der Konkurrenz unterschrieben hat. «Neue Inputs gibt es von mir natürlich nicht mehr, es geht mehr darum die Mannschaft in einem guten physischen Zustand übergeben zu können», so Bamert. Im Hinblick auf das Servette-Spiel vom nächsten Sonntag ist es aber ein verlorener Tag.

Rueda kehrt noch einmal zurück

Dass der FC Wohlen darum bemüht ist, schnell einen neuen Trainer vorstellen zu können, weiss auch die Mannschaft. Ehrenpräsident René Meier hat ihr das vor der morgendlichen Trainingseinheit in der Garderobe nochmals persönlich versichert. «Ich würde auch das Servette-Spiel machen, wenn man bis am Sonntag keine Lösung gefunden hat», sagt Bamert. Es spricht aber vieles dafür, dass es nicht so weit kommen wird.

In der Pole Position für die vakante Trainerstelle scheint weiterhin Ex-FCZ-Trainer Urs Meier. Konkreteres ist aber noch nicht bekannt. Je länger die Trainingseinheit an diesem Montagvormittag dauert, desto mehr taut die Mannschaft auf. Mit vollem Einsatz bestreitet sie zum Schluss der Einheit ein Trainingsspiel. «Ich hatte fast das Gefühl, sie wollten mir etwas beweisen», sagt Bamert mit hochgezogenen Mundwinkeln.

Bamert zeigt sich dankbar

Man merkt, dass der bisherige Assistent seine Lockerheit trotz dem bevorstehenden Weggang wahren kann. Positiv bleiben, das war schon immer sein Credo. Witze über seine Zukunft beim FC Wil, der vom türkischen Industriellen Mehmet Nazif Günal alimentiert wird, seinen schon etliche gefallen. Sprüche wie: «Kannst du schon Türkisch?» Bamert aber stört sich nicht daran. «Ich weiss, das Wil ein heisses Eisen ist.» Gleichzeitig sei die neue Herausforderung auch spannend. Bamert erklärt: «In Wohlen hatten wir begrenzte Möglichkeiten, dafür ein intaktes Team. In Wil haben wir nun gefühlt unbegrenzte Möglichkeiten, aber noch kein Team beisammen, das ist das Reizvolle.»

Bamert ist es gleichzeitig auch wichtig, zu unterstreichen, dass er den Verantwortlichen im Freiamt für immer dankbar sein wird, einst die Stelle als Assistenten erhalten zu haben. Die Aufgabe sei erfüllend gewesen. Mit den zusätzlichen Trainingseinheiten, die er nun noch leitet, will Bamert lediglich etwas zurückgeben. Am Montag nach dem Nachmittagstraining kehrt Martin Rueda ein letztes Mal in die Kabine des FC Wohlen zurück, um sich von den Spielern zu verabschieden. Bamert wird noch bleiben. Die Frage ist nur: Wie lange noch?