Der Wettingerin Martina Renold schaudert es noch heute, wenn sie an ihre erste Begegnung an der Gehörlosen-EM 2010 in Winterthur zurückdenkt: Gleich mit 19:0 wurden die Schweizerinnen vom späteren Europameister Russland vom Platz gefegt. Zwar schlug sich das Schweizer Frauenteam im Anschluss wacker und erreichte mit Rang 9 immerhin eine Platzierung im Mittelfeld, doch die Verantwortlichen des Sportverbandes waren nur beim Eröffnungsspiel gegen die Osteuropäerinnen anwesend – und stempelten das hiesige Nationalteam danach als «unnötig» ab.

So trainierte die 28-Jährige zwar noch im Futsal-Team des Gehörlosen-Sport-Clubs Aarau – wo 11 der 13 Schweizer Nati-Spielerinnen im Einsatz stehen – doch an einer offiziellen Meisterschaft teilnehmen konnte sie nicht mehr. «Das war schon sehr schade. Deshalb habe ich auch eine kurze Futsal-Pause eingelegt», kommentiert Renold, die drei Jahre ohne nationale Gehörlosen-Auswahl trainierte.

WM als Fernziel

Jetzt, wo sich der Verband doch noch überwinden konnte, eine Frauen-Nationalmannschaft an die kontinentalen Titelkämpfe nach Bulgarien zu schicken – das Essen dort muss die Delegation aber selber bezahlen –, hat die Wettingerin ihre Motivation wieder gefunden. Und wie: «Als Vorbereitung habe ich mich einmal pro Woche mit Jean-Paul Fekete vom Männerteam und dem Verein AFM Futsal Maniacs zu zusätzlichen Trainingseinheiten getroffen. Von ihm habe ich viel profitiert», sagt sie.

Trotz grosser Erfahrung – die Nationalspielerin spielt seit 16 Jahren Futsal – steht ihr in Bulgarien Neuland bevor: In einer Dreier-Gruppe treffen die Eidgenossinnen zum ersten Mal überhaupt auf Polen und Norwegen. Ein zweiter Platz reicht dabei für den Einzug ins Viertelfinal – gleichbedeutend mit der Qualifikation für die WM, die im Oktober 2015 in Thailand stattfinden wird.

Sportlicher Quantensprung

Damit dieses Ziel erreicht wird, trainiert die Nati seit Anfang Jahr bis zu viermal pro Woche. Weil auf dem Platz keine verbale Verständigung stattfinden kann, ist Eingespieltheit noch wichtiger. Die fehlende Kommunikation ist für Renold aber kein Problem. «Wir kennen das ja nicht anders. Und den Gegnerinnen geht es nicht anders», sagt sie achselzuckend.

Welches Potenzial in der Mannschaft steckt, zeigten die Schweizerinnen ein erstes Mal bereits vor einem Jahr. In zwei Partien gegen die starken Belgierinnen resultierten zwei knappe Siege. Nach einer solch intensiven Vorbereitung ist davon auszugehen, dass die motivierten Eidgenossinnen einen sportlichen Quantensprung hingelegt haben. Und die Suche nach Akzeptanz im eigenen Verband, gepaart mit dem Fernziel Thailand 2015, dürfte sie zu Höchstleistungen antreiben.