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Jurendic und die Glaubwürdigkeit: FCA-Trainer wählt erstaunliche Worte

Nach der erneuten Enttäuschung gegen Rapperswil-Jona (0:0) wählt der FCA-Trainer erstaunliche Worte.

Sebastian Wendel
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Gesichter, die für sich sprechen: FCA-Trainer Marinko Jurendic (Mitte), flankiert von den Verteidigern Pascal Thrier (links) und Damir Mehidic.

Gesichter, die für sich sprechen: FCA-Trainer Marinko Jurendic (Mitte), flankiert von den Verteidigern Pascal Thrier (links) und Damir Mehidic.

Freshfocus

Der nächste Tiefpunkt? Oder die Realität, an die man sich gewöhnen muss?

Fakt ist: Am Samstagabend, kurz vor 22 Uhr, muss der FC Aarau froh darüber sein, sich einen Punkt gegen Rapperswil-Jona gesichert zu haben. Gegen den Aufsteiger, bei dem 8 von 14 im Brügglifeld eingesetzten Spielern in dieser Saison erstmals auf Profiniveau spielen.

Gegen eine Mannschaft, in der Halbprofis mitmachen, für die der Fussball mehr Hobby denn Beruf ist. Gegen eine solche Mannschaft hat es der mit Cupsiegern, Schweizer Meistern, Champions- und Europa-League-erprobten Spielern gespickte FCA nicht geschafft, sich in 96 Minuten eine grosse Torchance herauszuspielen.

Wie schon drei Tage zuvor gegen Chiasso. Aber eben: Anders als im Tessin hat Aarau gegen Rapperswil-Jona immerhin nicht verloren. Obwohl er es genauso gut hätte können: Denn in der 96. Minute vergibt Manuel Kubli eine sogenannte «Hundertprozentige» alleine vor FCA-Goalie Deana, der mit einer mutigen Intervention den Super-GAU verhindert.

Ja, den FC Aarau verfolgt seit Saisonbeginn ein fast schon ungeheuerliches Verletzungspech. Ja, Ex-Sportchef Raimondo Ponte und Vizepräsident Roger Geissberger stellten ein für die hohen Ansprüche nie und nimmer genügendes Kader zusammen. Und ja, wegen der Fluktuation seit der Amtsübernahme von Ponte-Nachfolger Sandro Burki kann die aktuelle Mannschaft gar nicht eingespielt sein.

Aber: Mehr als das, was der FC Aarau am Samstagabend abgeliefert hat, darf man erwarten. Viel mehr. Man darf erwarten, dass die Spieler Tugenden wie den absoluten Willen zum Sieg, dass sie Mut, dass sie Frechheit und dass sie Aggressivität ausstrahlen. Dass die Mannschaft eine Körpersprache an den Tag legt, die den Glauben an die eigene Stärke, den Stolz, das FCA-Trikot zu tragen und den Spass am Beruf wiedergibt.

Hoffnungsschimmer für neues Stadion?

Stadion-Bauherrin «HRS» neuer FCA-Sponsor

Vielen Zuschauern am Samstagabend im Brügglifeld ist es aufgefallen: Hinter dem Tor beim Totomat prangt seit neustem in grossen Lettern das Logo der «HRS». Und auch im Stadionheftli «Heimspiel» ist die Bauherrin des geplanten neuen Aarauer Fussballstadions auffällig präsent:

Mit einem ganzseitigen Inserat auf Seite 2, in der wortwörtlich steht: «Wir freuen uns, für den FC Aarau das neue Fussballstadion planen und realisieren zu dürfen, und wünschen der Mannschaft und den Fans tolle Spiele und eine erfolgreiche Saison.» Eine unerwartete Charmeoffensive, nachdem man zuletzt gar munkelte, die HRS gehe bei der Projektrealisierung absichtlich vom Gas, da sie das Interesse am Projekt verloren habe und eh keine Konventionalstrafe zu befürchten habe. Was steckt dahinter?

Die «HRS» ist seit kurzem neuer Premium-Sponsor des FC Aarau. Der Jahresbeitrag für einen Platz im dritthöchsten Rang der FCA-Sponsorenpyramide beträgt zwischen 60 000 und 70 000 Franken. In FCA-Kreisen wertet man den Einstieg der «HRS» als Sponsor als Commitment zum Baustart bis spätestens Mai 2018 (Ablauf der Baubewilligung). Nach dem wahrscheinlichen Aus für den «Plan B» sieht die neuste Idee vor, die fehlenden 20 Millionen Franken für den Stadionbau mithilfe von Privatinvestoren bereitzustellen. Ende September soll es dazu eine Infoveranstaltung geben. (wen)

Offiziell waren am Samstagabend 2610 Zuschauer im Stadion. Abgesehen vom sportlich unbedeutenden und von den Hardcore-Fans boykottierten letzten Heimspiel der vergangenen Saison kamen seit Jahren nicht mehr so wenig Menschen an ein Ligaspiel ins Brügglifeld.

Gefühlt alle dieser 2610 Zuschauer, darunter dem FCA wohlgesinnte oder sogar mit ihm verbandelte Fussballkenner, haben die erwähnten Basistugenden vermisst. Haben vom FC Aarau emotions- und ideenlosen Angsthasen-Fussball gesehen.

Verwunderte Gäste

Enttäuschung, Verunsicherung, ja teilweise auch Resignation ist in den Gesichtern und in den Voten einiger FCA-Profis auszumachen, als sie das Spielfeld verlassen. «Wir wollen ja. Und die Stimmung im Team ist gut. Aber es war enttäuschend, was wir gezeigt haben. Wir müssen weitermachen und daran glauben, dass es besser wird», sagt Gianluca Frontino, der neue Spielmacher, der bis auf zwei Schüsse in der Schlussphase blass blieb.

Den Weg in die andere Richtung als Frontino, also jenen in die Gästegarderobe, nehmen die Spieler von Rapperswil-Jona. Einer von ihnen sagt: «Wir mussten schon aufpassen. Aber ein bisschen schwieriger haben wir es uns schon vorgestellt, hier kein Gegentor zu erhalten.»

Kurz darauf kommt Marinko Jurendic aus dem Trainerbüro. So nüchtern, wie er zuvor das Spiel in der Coachingzone verfolgt hat, kommentiert er das Geschehene. «Ich habe einen soliden Auftritt meiner Mannschaft gesehen. Wir waren bemüht, hatten viel Ballbesitz, doch auf den letzten 30 Metern fehlte die Durchschlagskraft.

Es ist erfreulich, dass wir in den vergangenen drei Partien nur ein Gegentor bekommen haben. Wir haben gegen Rapperswil-Jona eine gute Basis gelegt. Und wenn die Integration der neuen Spieler weiter so gut voranschreitet, bin ich zuversichtlich für das zweite Saisonviertel.»

Auch wenn er zum positiven Denken gezwungen ist. Auch wenn Jurendic erst seit kurzem das gewünschte Spielermaterial beisammen hat. Förderlich für seine Glaubwürdigkeit sind diese Worte nicht. Nicht in diesem Moment. Nicht nach diesem blutleeren Auftritt gegen einen Neuling im Profifussball. Nicht nach all den miesen Leistungen und Resultaten in den Wochen zuvor.

Das Publikum glaubt nicht mehr an die Trendwende. Von Sportchef und Präsidium indes hat der Trainer noch Rückendeckung. Die Antwort darauf, ob er diese verdient hat, liefert das Heimspiel am Freitag gegen Xamax.