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Jugendkult beim FC Wettingen

Wie Zweitligist Lenzburg vom Kurs der Altenburg-Equipe profitiert.

Andreas Fretz
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Ex und weg: Raphael Füglister spielt neu für den FC Lenzburg. awa

Ex und weg: Raphael Füglister spielt neu für den FC Lenzburg. awa

Fünf Spiele, ein Punkt, letzter Rang. Der FC Wettingen 93 tut sich schwer in der neuen Saison. Doch damit nicht genug. Nach der 1:3-Niederlage gegen Küsnacht verliessen die vier ältesten Spieler die Altenburg-Equipe. Captain Raphael Füglister (28), sein Bruder Manuel (24), Flavio Berardi (30) und Alban Kryeziu (26), allesamt langjährige Stammkräfte, wechselten zum FC Lenzburg, wo sie der ehemalige Wettingen-Trainer (2003–08) Herbert Koitzsch mit offenen Armen empfing.

In Wettingen zeigt man sich ob der Abgänge und des schlechten Saisonstarts wenig beeindruckt. «Die Punkteausbeute ist zwar unter den Erwartungen», sagt Trainer Peter Traber, «aber von der Qualität der Mannschaft bin ich positiv überrascht.» Traber, der das Traineramt zu Beginn der Saison übernahm, verweist auf die zahlreichen knappen Niederlagen und die Unerfahrenheit des Kaders. Er ist sich bewusst: «Es wird eine schwierige Saison. Aber wir arbeiten hart an uns, wir machen täglich Fortschritte.»

Zum Bruch mit dem Quartett kam es während des 2.-Liga-inter-Spiels gegen Küsnacht. Den Routiniers missfielen die Auswechslungen, die Traber vornahm. «Doch das war nur
der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte», sagt Raphael Füglister. Der 28-Jährige war während sechs Saisons Captain der ersten Mannschaft. Er sagt: «Peter Traber legt offenbar keinen Wert auf die Meinung der Führungsspieler, er arbeitet lieber mit jüngeren zusammen.» Füglister glaubt aber, dass die Wettinger gerade in dieser schwierigen Saison auf Routine angewiesen sind. «Sonst riskieren sie den Abstieg.»

Schon vor dem Saisonstart verliessen zahlreiche Stammspieler, wie etwa die Brüder Facchinetti oder Topskorer Pascal Widmer, den Club. Bereits in den Einzelgesprächen vor der Saison wurde laut Füglister offensichtlich, dass Traber auf die Jugend setzt. Von Jerry Girardi, dem Sportlichen Leiter, erhält Traber für seinen Kurs Rückendeckung. «Der gesamte Vorstand steht voll hinter Trainer Peter Traber», sagt er. «Wettingen ist ein Ausbildungsverein. Wir setzen auf die Jugend, das ist unsere Philosophie. Wir wollen finanziell auf gesunden Beinen stehen und erhalten nach wie vor viele Anfragen von jungen, talentierten Spielern. Der Ligaerhalt ist und bleibt unser Ziel.»

Das Quartett um Captain Füglister hat man in Wettingen ohne Widerstand ziehen lassen. Der Altersdurchschnitt der 2.-Liga-inter-Equipe liegt nun unter 20 Jahren. Vom letztjährigen Kader sind noch vier Spieler übrig geblieben. «Solche Abgänge, wie wir sie erlebt haben, bedeuten in der Regel eine Schwächung», sagt Traber, «aber als Team, als Einheit sind wir stärker geworden.» Er glaubt, dass viele alteingesessene Spieler mit dem Kulturwechsel nach seinem Amtsantritt Mühe bekundeten. «Bei mir zählt das Leistungsprinzip», sagt Traber, «ich will willige Spieler um mich haben.»

Wettingens Jugendkult freut derweil die Konkurrenz. «Als ich vom Eklat in Wettingen erfuhr, habe ich sofort den Hörer in die Hand genommen», sagt Lenzburg-Trainer Herbert Koitzsch. Nach dem Telefonat und einem Treffen ist man sich schnell einig geworden. «Es ist extrem, wie viele Anfragen ich erhalten habe», sagt Raphael Füglister. Dass das Quartett geschlossen nach Lenzburg gewechselt hat, kommt nicht von ungefähr. «Wir vier kommen gut miteinander aus und hatten immer ein sehr gutes Verhältnis zu Herbert Koitzsch», sagt Füglister. Und Koitzsch ist erfreut über die Aufstockung seines Kaders und den erhöhten Konkurrenzkampf.

Abstiegskampf lautet dagegen das Motto in Wettingen. Heute (17 Uhr) empfängt das Altenburg-Team den FC Subingen. Die Solothurner liegen einen Punkt und einen Rang vor Wettingen. «Ein Sieg ist zum jetzigen Zeitpunkt sehr wichtig für uns», blickt Peter Traber der Begegnung entgegen.

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