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Judo ist, wenn Brugg gewinnt

Der Judoclub Brugg bleibt in der Schweizer Mannschafts-Meisterschaft das Mass der Dinge. Die Brugger feierten vor heimischem Publikum den achten Titel in zehn Jahren.Thilo Pachmann war bei allen acht Titeln dabei und gab gestern den Rücktritt.

Rainer Sommerhalder
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Und die Überlegenheit wird immer grösser. Zum ersten Mal gewannen die Brugger im Final gegen Yverdon alle sieben Kämpfe. Angesichts des sich vordrängenden Nachwuchses können es die Aargauer auch verkraften, dass sich mit Thilo Pachmann jener Kämpfer definitiv verabschiedet, der als Einziger des aktuellen Teams bei allen acht Meistertiteln dabei war.

Pachmann gab den Abschied standesgemäss. Als allerletzter Brugger stand er auf der Matte und warf seinen Gegner Raphael Monnard lehrbuchmässig auf den Rücken. «Einen schöneren Abschluss als mit diesem perfekten Ippon in dieser extrem tollen Atmosphäre könnte ich mir nicht wünschen», sagte der 32-Jährige.

Er werde auch in Zukunft als Fan an die Kämpfe des Judoclubs Brugg gehen, «denn schliesslich begleitete mich dieser Verein in den letzten 14 Jahren massgeblich durch mein Leben».

Lange war ungewiss, ob der Zürcher aus Küsnacht seine Mannschaft im Final nochmals unterstützen könne. Pachmann litt unter einem Bandscheibenvorfall, verpasste mit einer Ausnahme alle Qualifikationsrunden und konnte erst vor einem Monat wieder mit Trainieren beginnen.

Der überlegenste Judotitel der Geschichte

Den Rücktritt als Einzelkämpfer gab der «Goldküsten-Kämpfer» übrigens bereits vor sechs Jahren. Zuvor vertrat er die Schweiz an Weltcup, EM und Universiade, allerdings nie an einer WM oder Olympiade. Der Grund ist einfach: Mit Sergej Aschwanden stand ihm in seiner Gewichtsklasse der beste Schweizer Judoka der letzten Jahre vor der Sonne.

Für Bruggs Trainer Daniel Kistler schliesst sich mit dem klarsten Titelgewinn der Schweizer Judo-Geschichte ebenfalls ein Kreis. Das erste Mannschafts-Gold gewann Brugg vor zehn Jahren ebenfalls zu Hause - damals noch in Siggenthal.

Wie oft seine Mannen inzwischen zuoberst auf dem Treppchen standen, konnte Kistler übrigens nicht auf Anhieb sagen. Er sei eben nicht so stark in Statistik, «mich interessiert immer nur der nächste Titelgewinn».

Im Final konnte es sich Kistler sogar leisten, mit Raphael De Moliner einen der beiden neuen Schweizer Meister auf der Ersatzbank zu lassen. Sein Ersatz Markus Wellenreiter war ebenbürtig.

Die einzige Brugger Niederlage des Tages lieferte ausgerechnet das langjährige Aushängeschild Christoph Keller im Halbfinal gegen Regensdorf. Der mehrfache WM-Teilnehmer konnte die Punkteniederlage gegen die holländische Verstärkung verkraften.

«Es war mein erster Kampf überhaupt seit der WM vor drei Monaten und bis zum Vorabend war nicht klar, ob ich überhaupt kämpfen kann», verriet Keller. Ihn plagen Rückenbeschwerden, doch er wollte das Risiko eingehen und vor dem Heimpublikum unbedingt für sein Team kämpfen.

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