Es gibt kluge Fussballer. Und es gibt weniger kluge Fussballer. Joël Geissmann hat Glück. Er zählt zu den Klugen. Im Sommer 2014 hat er die Matura an der Sport-Kantonsschule in Aarau mit der Durchschnittsnote von 4,8 abgeschlossen. Eine reife Leistung!

Der Sommer 2014 war für Geissmann nicht nur in schulischer Hinsicht ein Highlight. Vor knapp zwei Jahren fiel auch der Startschuss zur bisher erfolgreichsten Saison des jungen Mannes aus Hägglingen. Er griff mit dem FC Wohlen nach den Sternen und sicherte sich Ende der Meisterschaft 2014/15 hinter Lugano den zweiten Rang in der Challenge League.

Geissmann war in dieser Ausnahmesaison nicht nur ein Mitläufer, nein, Geissmann zählte zu den Teamstützen. Weil das so ist, schrieb sich der eine oder andere Sportchef der zehn Super-League-Klubs den Namen des Wohler Mittelfeldspielers mit der Nummer 8 ins Notizbuch.

Zwei Bodenständige finden sich

Einer dieser Sportchefs kommt aus Thun und heisst Andres Gerber. Geissmann war schon seit geraumer Zeit auf dem Radar von Gerber. Und weil Gerber wusste, dass auch noch andere Klubs der Top 10 im Schweizer Fussball Interesse an einer Verpflichtung des 23-Jährigen hatten, nahmen die Thuner im April Verhandlungen mit Geissmann auf.

Andres Gerber, Thun-Trainer Jeff Saibene und Geissmann trafen sich also zu einem unverbindlichen Gespräch. «Es passte von Anfang an alles zusammen», blickt Geissmann zurück. «Der FC Thun ist ein bodenständiger Klub. Er passt gut zu mir. Und ich passe gut zu ihm. Für mich stimmt das Gesamtpaket.»

Ähnlich optimistisch ist auch Gerber. «Joël hat in der Challenge League wichtige Erfahrungen gesammelt und ist beim FC Wohlen in letzter Zeit zu einer prägenden Figur geworden», sagt er. «Nun ist er bereit für den nächsten Schritt.» Weil beide Seiten nach der Unterredung ein gutes Gefühl hatten, einigte man sich schliesslich auf einen Dreijahresvertrag.

Für Geissmann ist der Wechsel von Wohlen zum FC Thun ein wichtiger Karriereschritt. «Es war sicherlich nicht mein Ziel, bis zu meinem 30. Lebensjahr in der Challenge League zu spielen», erklärt Geissmann. «Ich wollte möglichst schnell in die Super League. Das habe ich geschafft. Jetzt möchte ich mich in Thun durchsetzen. Ich weiss, dass der Kampf um einen Platz in der Mannschaft eine grosse Herausforderung ist. Ich weiss aber auch, dass ich mich nicht verstecken muss.»

Geissmann wird bei den Thunern nichts geschenkt. Mit Captain, Laufwunder und Kraftbolzen Denis Hediger und dem schussstarken Abräumer Sandro Wieser spielen momentan zwei arrivierte Kräfte im zentralen Mittelfeld. Exakt auf jener Position also, auf der Geissmann beim FC Wohlen zuletzt die unumstrittene Nummer eins war.

Für Geissmann steht die sportliche Herausforderung an erster Stelle. Hätte er ans Geld gedacht, wäre er in der kommenden Saison beim FC Wil unter Vertrag. Der Krösus der Challenge League ist schon lange hinter Geissmann her und machte ihm ein lukratives Angebot.

Abschied mit Siegtor gegen Aarau?

Nach Alban Pnishi, Mergim Brahimi, Roman Buess, Simone Rapp und Mario Bühler ist Geissmann der sechste Spieler des FC Wohlen, dem innert kürzester Zeit der Schritt in die Super League gelungen ist. Mal schauen, wie sich Geissmann in der höchsten Spielklasse schlagen wird.

Bevor er sich der Herausforderung FC Thun stellt, wartet auf den jungen Mann aus Hägglingen allerdings noch eine spezielle Aufgabe. Stichtag ist der Samstag, 21. Mai! Dann trifft Geissmann im Stadion Niedermatten mit Wohlen ausgerechnet auf den FC Aarau. Es wird seine Abschiedsvorstellung im Dress der Freiämter sein.

Natürlich geht es für beide Klubs nur noch ums Prestige. Aber vielleicht ist es ja ausgerechnet Geissmann, der den FC Wohlen zum Abschluss der laufenden Saison zum allerersten Meisterschafts-Sieg gegen Aarau schiesst. «Es wäre ein schöner Abschluss meiner Zeit in Wohlen», sagt er. Nicht nur das. Schiesst Geissmann gegen den Erzrivalen tatsächlich das Siegestor, wäre ihm ein Eintrag ins goldene Buch des FC Wohlen sicher.