Fussball
Joël Mall: «Bei einem Transfer gibt es immer ein Risiko»

GC-Torhüter Joël Mall spricht über die krassen Unterschiede zwischen dem FC Aarau und GC, Höhenflüge und Glück. Ausserdem wünscht er seinem Ex-Klub nur das Beste für die laufende Challenge-League-Saison.

Ruedi Kuhn
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Joël Mall ist bei GC die neue Nummer eins.

Joël Mall ist bei GC die neue Nummer eins.

Keystone

Joël Mall, sind Sie ein Glückspilz?

Joël Mall: Nein. Wie alle andern Menschen muss ich mir das Glück erarbeiten. Das war in der Vergangenheit so. Das ist in der Gegenwart so. Und das wird auch in Zukunft so sein.

Haben Sie in Ihrem Leben nie Glück gehabt?

Was heisst Glück? Ich bin ein glücklicher Mensch, weil ich gesund bin, grossartige Eltern und eine tolle Schwester habe. Ein Glück ist es sicherlich auch, dass ich mein Hobby Fussball zum Beruf machen durfte.

Und jetzt haben Sie das Glück, dass Sie nicht mit dem FC Aarau in den Niederungen der Challenge League dümpeln, sondern mit GC an der Spitze der Super League mitspielen dürfen.

Der Wechsel kam tatsächlich zum richtigen Zeitpunkt. Ich habe beim FC Aarau in den vergangenen Jahren schöne Zeiten erlebt, eine gute Entwicklung gemacht und viel gelernt. Natürlich war der Abstieg eine bittere Pille. Für mich gab es aber auch eine positive Seite.

Welche?

Ich habe in diesem Frühjahr beim FC Aarau einen Zweijahresvertrag unterschrieben, der nur für die Super League Gültigkeit hatte. Nach dem Abstieg war der Weg frei für einen Wechsel. Ich wollte unbedingt in der höchsten Spielklasse spielen. Mit dem Transfer zu GC konnte ich den nächsten Schritt in meiner Karriere machen.

Wo sind die Unterschiede zwischen GC und dem FC Aarau?

Die Unterschiede sind extrem. Der Wechsel war ein Kulturschock.

Konkreter bitte.

Ich weiss natürlich, dass GC andere Mittel hat als der FC Aarau. Bei GC ist halt alles professioneller. Die Infrastruktur auf dem riesigen Trainingsgelände im Campus in Niederhasli ist perfekt. Die Plätze sind hervorragend. Die Kabinen sind modern. Die Trainings sind sehr gut. Alles ist perfekt organisiert. Jeder Spieler kann sich voll und ganz auf den Fussball konzentrieren.

Ist GC das Mass aller Dinge?

Nein. Aber ich sehe jetzt, was möglich ist. Klar ist aber auch, dass es von GC noch einige Stufen nach oben gibt. Wenn Kim Källström von Spartak Moskau zu GC wechselt, hat er andere Ansprüche als ich. Aber im Endeffekt wird jeder Spieler an seinen Leistungen gemessen. Als Torhüter muss ich Bälle halten. Punkt.

Wie wurden Sie bei GC aufgenommen?

Gut. Ich stiess zu einer neuen Mannschaft, in der sich jeder Spieler einfügen musste. Eines aber steht fest: Ob Kim Källström oder Joël Mall; ein Profi muss sich den Respekt immer und überall erarbeiten.

Wie gross war das Risiko des Wechsels von Aarau zu GC?

Bei einem Transfer gibt es immer ein Risiko. Ich wäre gerne in Aarau geblieben. Der Wechsel war für mich sehr emotional. Aber ich will Karriere machen. Ich will vorwärtskommen. Und das ist bei GC möglich.

FC Aarau, GC – was ist der nächste Schritt?

Das weiss ich nicht. Aber ich setze mir weitere Ziele. Wenn ich mir Spiele der deutschen Bundesliga und der englischen Premier League anschaue, dann wünsche ich mir, auch mal bei einem solchen Klub spielen zu dürfen. Aber im Profifussball zählt nur die Gegenwart. Ich muss Leistung bringen. Alles andere kommt von selbst. Ich bin jetzt bei GC. Da möchte ich zeigen, was ich kann.

Fühlen Sie sich als Torhüter Nummer eins bei GC?

Das müssen Cheftrainer Pierluigi Tami und Torhüter-Trainer Christoph Born beurteilen. Ich durfte zuletzt dreimal spielen. Und GC hat dreimal gewonnen. Jetzt bin ich bereit für weitere Aufgaben.

Wie erleben Sie den Zweikampf mit Vaso Vasic?

Wir sind Konkurrenten. Wir sind Profis. Alles läuft fair ab. Wir machen beide keine Spielchen. Wir wissen beide, dass die Wahrheit auf dem Platz ist.

Wie sehen Sie Ihre Entwicklung?

Na ja, ich habe beim FC Aarau Fussball gespielt. Und ich spiele bei GC Fussball. Aber klar: Bei GC war alles neu. Das Umfeld und die Kollegen. Das bringt mich als Sportler weiter. Ich muss mich neu beweisen. Ich muss neue Dinge lernen. Das bringt mich als Sportler und als Mensch weiter.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich habe kürzlich die dreijährige Ausbildung zum Marketing-Fachmann abgeschlossen. Jetzt mache ich einen Lehrgang als Product Manager. Das Ziel ist es, dass ich etwas den Kopf lüften kann. Ich will vom monotonen Fussball entfliehen.

Wie erklären Sie sich das Hoch von GC?

Die Mischung zwischen erfahrenen und jungen Spielern stimmt. Wir haben einen guten Trainer, der sich nie in den Mittelpunkt stellt und die Qualität der Spieler auf den Platz bringt. Tami arbeitet akribisch und hat alles im Griff. GC hat hervorragende Transfers gemacht. Kim Källström und Basic ergänzen sich hervorragend. Sie sind das Herzstück der Mannschaft. Und wir haben extrem gute Junioren.

Wie erklären Sie sich das Tief des FC Aarau?

Diese Frage habe ich erwartet. Ich leide mit, will mich dazu aber nicht im Detail äussern. Wenn möglich, schaue ich mir die Heimspiele an. Klar ist, dass ich dem FC Aarau das Beste wünsche.