FC Aarau
Jetzt wirds ernst: Galgenfrist für FCA-Trainer Marinko Jurendic

Der FC Aarau ist nicht gut in die Saison gestartet und steht am hinteren Ende der Tabelle. Trotz den schlechten Resultaten steht der Aarau-Trainer noch nicht vor der Entlassung.

Ruedi Kuhn
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Weist er seiner Mannschaft doch noch den Weg zum Erfolg? Aarau-Trainer Marinko Jurendic.

Weist er seiner Mannschaft doch noch den Weg zum Erfolg? Aarau-Trainer Marinko Jurendic.

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Der Aarauer Fan P. S. aus A. meldet sich per Mail. «Sehr geehrter Herr Kuhn, ich weiss nicht, was die Kritik am FC Aarau soll. Die letzte Runde in der Challenge League verlief ideal. Der FCA holte beim 0:0 im Heimspiel gegen Rapperswil-Jona einen wertvollen Punkt. Und die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf FC Wil, Winterthur und Wohlen haben alle verloren.» Bleibt die Frage, ob Herr P. S. aus A. seine Botschaft ernst meint. Oder ist er ein Zyniker, der sich über den FC Aarau lustig macht? Schliesslich handelt es sich bei Rapperswil um einen Challenge-League-Grünschnabel. Um ein Team, bei dem 8 von 14 Spielern, die im Brügglifeld zum Einsatz kommen, in dieser Saison erstmals auf Profiniveau spielen.

Zu den weiteren Fakten: Tatsache ist, dass die Führungscrew des FC Aarau als Zielsetzung vor der Saison einen Platz in den Top 3 herausgegeben hat. Man wollte im Kampf um den Aufstieg in die Super League mitspielen. Und was ist passiert? Nach einem Viertel der Meisterschaft ist für den FC Aarau der Zug an der Tabellenspitze abgefahren. Der FC Schaffhausen, Xamax und Servette sind in der Challenge League eine Klasse für sich. Vaduz ist im Mittelfeld. Stand jetzt kämpft das Sextett Wil, Aarau, Winterthur, Wohlen, Rapperswil-Jona und Chiasso gegen den Abstieg.

18 Punkte weniger als Xamax

Sechs mickrige Punkte hat der FC Aarau aus neun Spielen geholt. Das sind 18 Zähler weniger als Xamax. In Worten: Achtzehn! Und dieses Xamax gastiert nun im Brügglifeld. Über die Favoritenrolle der Partie zwischen dem Tabellenzweiten und dem Tabellenachten gibt es keine zwei Meinungen. «Die Tabelle lügt nicht», sagt Jurendic. «Xamax hat sich die Erfolge verdient. Die Mannschaft ist seit drei Jahren zusammen und im Verlauf dieser Zeit zu einer Einheit geworden. Die Offensivkraft mit Nuzzolo, Tréand, Doudin und Veloso ist gross.» Vieles spricht also für die Neuenburger. Was aber spricht für den FC Aarau? Jurendic sagt: «In den drei Spielen gegen Wohlen, Chiasso und Rapperswil-Jona haben wir vier Punkte geholt und nur einen Treffer kassiert. Wir sind in den vergangenen Wochen stabiler geworden. Ich spüre eine positive Entwicklung.»

Jurendic: «Ich spüre eine positive Entwicklung.»

Jurendic: «Ich spüre eine positive Entwicklung.»

KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

Das ist seine Sicht der Dinge. Bei Wohlen, Rapperswil und Chiasso handelt es sich um Abstiegskandidaten. Da liegt man mit vier Zählern mindestens drei unter Budget. Das kann nicht zufriedenstellend sein. Deshalb wirkt Jurendics Votum von der «positiven Entwicklung» wie eine Durchhalteparole. Den Druck, der nun auf ihm lastet, kann er mit Worten allein nicht verringern. Jurendic braucht einen Befreiungsschlag.

Wie lange noch?

In der Führungsetage wird das Wort «Entlassung» bislang gemieden. Noch geniesst Jurendic Support. Aber wie lange noch? Ewig kann sein Partner in der Schicksalsgemeinschaft, Sportchef Sandro Burki, die ernüchternden Resultate nicht mit den spät eingeleiteten Verstärkungen (Yapi, Audino, Frontino, Peyretti) erklären. «Natürlich wollen wir schnell weg vom Tabellenende», sagt Burki. «Ich bin überzeugt, dass Jurendic die Mannschaft auf die Erfolgsspur zurückführen wird.» Burkis Worte in Gottes Ohr; dreht die Negativspirale aber auch in den folgenden Spielen gegen Xamax, Wil, Winterthur und Schaffhausen weiter, wird Ende Oktober abgerechnet. Das heisst: Gibt es bis zu diesem Zeitpunkt keine positiven Resultate, muss Jurendic gehen.

Von der Zukunft in die Gegenwart: Vor der zweiwöchigen Nationalmannschafts-Pause bietet sich dem FC Aarau gegen Xamax die Möglichkeit für einen Befreiungsschlag. In der Verantwortung ist nicht nur der Trainer, sondern auch die Spieler. Solch leidenschaftslose Auftritte wie in Chiasso (0:1) und gegen Rapperswil Jona (0:0) will in Zukunft keiner mehr sehen. Dass sich Captain Patrick Rossini auf das Spiel gegen Xamax freut, ist ein positives Zeichen. Aber warum freut sich Rossini? «Gegen das offensiv ausgerichtete Xamax werden wir mehr Räume haben als gegen Rapperswil-Jona», erklärt der Mittelstürmer. «Der Aufsteiger verteidigte gegen uns mit acht, ja neun Spielern. Diese Wand zu durchbrechen war schwierig. Gegen Xamax werden wir mit Sicherheit zu Chancen kommen. Nützen wir sie, können wir gewinnen.»