Artur wer? Ionita? Haben die Verantwortlichen des FC Aarau den Verstand verloren? Was will der junge Mann aus der Fussballprovinz Moldawien in der höchsten Schweizer Spielklasse?

Bälle pumpen? Den Rasen mähen? Der schüchterne, unscheinbare Bursche war noch nicht mal 19 Jahre alt, als er im Frühling 2009 zusammen mit seinem Kumpel Serghei Alexeev im Brügglifeld auftauchte.

Alexeev sollte die FCA-Offensive verstärken, Ionita wurde als Versprechen für die Zukunft angepriesen. Nach kurzer Zeit war klar: Super-League-tauglich sind sie beide nicht.

Alexeev verschwand nach wenigen Monaten von der Bildfläche. Und der unerfahrene Ionita war während der Saison 2009/10 drauf und dran, den Bettel ebenfalls hinzuschmeissen. «Mein Gott, was war das für eine schwierige Zeit», blickt er zurück.

«Das ungewohnte Umfeld bereitete mir grosse Probleme. Ich kannte kaum jemanden und war oft verletzt.»

Ionita war der Verzweiflung nahe, gab aber trotzdem nicht auf. «Ich bin immer positiv geblieben und übte mich in Geduld», fügt er hinzu. «Glücklicherweise konnte ich trotz der vielen Rückschläge auf die Unterstützung der FCA-Verantwortlichen zählen.»

Der heimliche Star im Team

Und manchmal bringt Geduld ja wirklich Rosen. Nach zweijähriger Anlaufzeit schaffte Ionita den Sprung zum Stammspieler.

Und seit der Meisterschaft 2012/13 ist der zentrale Mittelfeldspieler mit dem grossen Kämpferherz der kleine Star des FC Aarau. An der Rückkehr in die Super League hatte er grossen Anteil.

«Die Freude über den Aufstieg war riesig», erinnert sich Ionita. «Zum gleichen Zeitpunkt entschied ich mich allerdings, den bis 2014 dauernden Vertrag mit dem FC Aarau nicht zu verlängern. Ich möchte in meiner Karriere einen Schritt nach vorne machen und bin bereit für eine neue Herausforderung.»

Bei der Klubsuche überliess Ionita nichts dem Zufall und heuerte mit Mihael Stankovic einen erfahrenen Berater an. Mit Hellas Verona scheint Stankovic den idealen Klub für Ionita gefunden zu haben.

Schliesslich bot ihm der italienische Serie-A-Verein einen lukrativen Dreijahresvertrag an. Sportlich und finanziell wird Ionita bei Verona in einer anderen Liga spielen als beim FC Aarau.

«Natürlich werde ich in Italien mehr Geld verdienen als in der Schweiz», sagt Ionita. «Für meinen Lebensunterhalt brauche ich allerdings nicht viel. Ich schicke den Grossteil meines Lohnes sowieso nach Moldawien. Meine Eltern bauen in der Nähe von Chisinau ein Haus. Dafür übernehme ich alle Kosten.»

Beruflich setzt Ionita voll auf Fussball. Privat ist die Familie das Ein und Alles. Vater Gheorghe, Mutter Valentina, Bruder Jon und Freundin Anna stehen ihm sehr nahe.

Mit Anna an der Seite wird ihm im Juli der Start ins Abenteuer Serie A leicht fallen. Ionitas Vorfreude auf Verona wird bestärkt durch das Wiedersehen mit einem alten Bekannten.

Das Aarauer Talent Silvan Widmer spielt seit vergangenem Sommer beim Mittelfeldklub Udinese.

«Als Silvan hörte, dass ich ebenfalls nach Italien komme, hat er sich bei mir gemeldet und mir gratuliert», sagt Ionita. «Für das erste Aufeinandertreffen gibt es bereits einen Plan. Wir haben abgemacht, dass wir nach dem Schlusspfiff die Trikots tauschen. Das ist Ehrensache.»