Wie hat Lausanne gegen Schaffhausen gespielt?», fragt Aarau-Verteidiger Nicolas Bürgy, als er vom Platz läuft. Seine Reaktion auf das 0:0 in der Pontaise – ein lautes «Phuu!».

Durchatmen, dass die Waadtländer den Ausrutscher des FCA nicht ausgenutzt haben. Doch kurz darauf mischt sich Ärger in Bürgys Gefühlslage. Ärger darüber, seinerseits nicht vom Patzer des Barrage-Konkurrenten profitiert zu haben.

Nüchtern gesagt ist nichts passiert im Zweikampf zwischen Aarau und Lausanne. Mit einem Punkt Differenz gingen die beiden Teams in den 33. Spieltag, gute 90 Minuten später herrscht Status quo.

Bewährungsprobe für die Aarauer

In Tat und Wahrheit aber wird das Ganze nun zum Nervenkrieg. «Cool bleiben, gut erholen und dann in Chiasso die nächste Chance nutzen», sagt Bürgy. Einfacher gesagt als getan: Die Partie am nächsten Donnerstag im Stadio Comunale wird zur Bewährungsprobe für die Aarauer: Halten sie dem Druck, nun der Favorit auf die Barrage-Qualifikation zu sein, stand? Die Tessiner werden alles in ihrer Macht stehende dagegen unternehmen, denn für sie geht es um nicht weniger als um das Überleben im Profifussball.

Schon vor dem Heimspiel gegen Kriens lautete die alles entscheidende Frage: Wie geht der FC Aarau mit der neuen Rolle als Gejagter um? Macht er so weiter wie an den vier Spieltagen zuvor – also mit einem Sieg?

Nach dem Anpfiff wird schnell klar: Aarau muss sich in dieser Partie neu erfinden. Die vorherigen Gegner Lausanne, Servette und Schaffhausen hatten Interesse, das Heft des Handelns selber in die Hand zu nehmen.

Die Krienser aber verbarrikadieren ab der ersten Minute den eigenen Strafraum. Aarau hat phasenweise über 75 Prozent Ballbesitz, anfühlen tut es sich nach noch mehr. Das Konterspiel, das die Aarauer in den Spielen zuvor nahe an der Perfektion praktiziert haben, müssen sie sich an diesem Mittwochabend abschminken.

Und sie tun sich schwer mit der ungewohnten Aufgabe. Herausgespielte FCA-Torchancen? Fehlanzeige. So gut wie die Krienser organisiert sind, so mangelhaft das Passspiel des Heimteams in der Offensive.

Symbolisch dafür steht Spielmacher Markus Neumayr, eigentlich prädestiniert für einen Geniestreich gegen massierte gegnerische Abwehrreihen. Doch ihm gelingt wie seinen Mitspielern nichts aus dem Spiel heraus.

Ein Zufallsprodukt

So ist es logisch, dass der einzige Aarauer Treffer aus einem ruhenden Ball resultiert. Nach einem Neumayr-Eckball ist es in der 37. Minute Nicolas Schindelholz, der aus dem Gewühl heraus den Ball unter die Latte drischt.

Die Erleichterung beim FCA und seinen Fans über das Tor ist riesig. Denn wenige Minuten zuvor trifft Kriens aus dem Nichts zum 1:0. Ein Zufallsprodukt nach einem von zahlreichen Befreiungsschlägen, in Folge dessen FCA-Verteidiger Raoul Giger ausrutscht und vom Boden aus zusehen muss, wie Dzonlagic aus 18 Metern trifft.

FC Aarau - SC Kriens 1:1 – Interviews mit Torschütze NIcolas Schindelholz und Cheftrainer Patrick Rahmen:

In der zweiten Halbzeit passiert vor 4389 Zuschauern nichts, bis in der 65. Minute der Krienser Bürgisser vom Platz fliegt. Danach wechselt FCA-Trainer Patrick Rahmen Stefan Maierhofer ein.

Aarau wird wohl ein Tor geklaut

Und der Sturmriese hat wenige Sekunden später seine beste Szene: Nach seinem Kopfball an den Pfosten fliegt der Ball der Torlinie entlang, die Aarauer jubeln bereits, doch ein Krienser schlägt den Ball weg.

Tor oder nicht? Schiedsrichter Dudic lässt weiterspielen. Doch nach dem Spiel schwört Aaraus Neumayr Stein und Bein, er habe den Ball hinter der Linie gesehen. Sogar der Krienser Marco Wiget gibt beim Gang in die Garderobe zu, dass Aarau ein Tor geklaut worden ist.

Wenn Nicolas Bürgy das wüsste. Vor diesem Hintergrund dürfte bei ihm, wie bei allen Aarauern, der Ärger über den verpassten Sieg die Freude über den Ausrutscher von Lausanne dominieren.

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