1993 wurde Jeff Saibene als Spieler mit Aarau Schweizer Meister. 16 Jahre später erwies sich der FC Aarau wiederum als ein gutes Pflaster: Auf dem Brügglifeld holte er Schwung für seine Trainerkarriere.

Zwar wurde er nach einem schlechten Saisonstart im Herbst 2009 entlassen, doch danach folgte der grosse Durchbruch mit den weiteren massgeblichen Stationen in St. Gallen und Thun. Bei beiden Vereinen hatte der ruhige und gradlinige Luxemburger noch viel Kredit übrig gehabt.

Und nun ging für Saibene auch die Zeit bei Arminia Bielefeld zu Ende. Seit März 2017 hatte Saibene die Bielefelder trainiert. Als unbeschriebenes Blatt stiess er vom FC Thun nach Deutschland in die 2. Bundesliga. Kurz nach Amtsantritt rettete er den Traditionsverein aus Nordrhein-Westfalen vor dem Fall in die 3. Liga. In der vergangenen Spielzeit schnupperten die Bielefelder zwischenzeitlich gar am Aufstieg in die Bundesliga.

Entlassung kam überraschend

Ein halbes Jahr später ist Bielefeld auf dem Boden der Realität angekommen. Nach zehn sieglosen Spielen, davon sieben Niederlagen, hat die Arminia nur noch vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.

Die Entlassung des 50-Jährigen kam dennoch überraschend: Saibenes Team zeigte sich zuletzt verbessert und punktete zweimal. Die traditionell kritischen deutschen Medien prognostizierten zwar schon seit längerem Saibenes Entlassung. Dieser bekam aber stets Rückendeckung von den Vorgesetzten und den Anhängern. Bielefelds Sportchef Samir Arabi sagte der «Neuen Westfälischen» vor zwei Wochen: «Es ist zu einfach, das Ganze an einer Person festzumachen. Das Problem ist vielschichtig.»

Tatsächlich hätte Saibene einige Baustellen bewältigen müssen. Die Führungsspieler floppen regelmässig, die Defensive agiert zu zögerlich und die Verletzungshexe hat es vorwiegend auf die wenigen verbliebenen Leistungsträger abgesehen. Scheinbar trauen die Verantwortlichen Saibene nicht zu, diese Probleme in den Griff zu bekommen.

«Jeff bleibt Chef»

Was lange Zeit für Saibene sprach, war sein enger Draht zu den Spielern. Nachdem Andreas Voglsammer vor etwas mehr als einer Woche das 1:0 im Nachbarschaftsderby gegen Paderborn erzielte, rannte er umgehend zur Bielefelder Bank, um das Tor mit den Auswechselspielern und dem Trainerstab zu feiern. Die Teammentalität stimme nach wie vor, behaupteten dann mehrere Bielefelder nach dem Schlusspfiff.

Das deutlichste Bekenntnis gaben freilich die Anhänger selbst ab: «Jeff bleibt Chef», hiess es auf einem Banner. Und nach dem Abpfiff des Derbys gegen Paderborn skandierten die Anhänger so lange Saibenes Namen, bis dieser den Gang vor die Kurve antrat. Statt sich dort vor den mitgereisten Fans erklären zu müssen, wurde er gefeiert. Sichtlich gerührt bedankte sich Saibene: «Das tut extrem gut, vor allem in so einer Phase. Dass Tausende dastehen und meinen Namen rufen, ist unglaublich.»

Wunsch des Anhangs nicht erfüllt

Dem Wunsch des Anhangs, Saibene im Amt zu halten, kam die Vereinsführung nicht nach. Sportchef Arabi erklärte: «In dieser Spielzeit ist die erhoffte Entwicklung leider ausgeblieben. Wir sehen das Erreichen unserer Ziele als gefährdet an.» Saibenes Vertrag wäre noch bis 2021 gelaufen. Im April dieses Jahres hatte er noch vorzeitig verlängert. Sportchef Arabi sagte damals noch: «Es ist sehr wichtig, Kontinuität auf der Position des Cheftrainers zu haben.» Ein Leitsatz, der heute nicht mehr viel Wert hat.