Am Ausgangspunkt steht allerdings keine Metropole, sondern Pliezhausen. Trotzdem geniesst die beschauliche Gemeinde im Bundesland Baden-Württemberg bei Hochstrasser die volle Aufmerksamkeit. Vom Rennen über 1000 m, das am Sonntag zugleich den Auftakt zu seiner Freiluft-Saison bildet, erhofft sich der 27-jährigen Safenwiler Aufschlüsse über seinen Formstand zu erhalten.

«Zudem möchte ich das Wettkampfgefühl finden und mich an die Bahn herantasten, bevor die 1500-m-Läufe anstehen», sagt Hochstrasser. Das Resultat ist deshalb für einmal zweitrangig. «Es wäre toll, wenn ich eine schnelle Zeit laufen kann», sagt er.

Nach zuletzt intensiven Trainingswochen ist das frühere Mitglied des TV Zofingen Leichtathletik froh, endlich die ersten Wettkämpfe unter freiem Himmel bestreiten zu dürfen. Wie schon vor einem Jahr in Flagstaff (USA) absolvierte Jan Hochstrasser ein Höhentrainingslager, diesmal aber in der «Läufer-Hochburg» Kenia.

Gemeinsam mit einem Teil des Deutschen Mittel- und Langstrecken-Nationalkaders spulte Hochstrasser in der Nähe von Eldoret unzählige Kilometer ab – entweder auf herkömmlichen Tartanbahnen oder auf ungewohnten Laufwegen durch dichtes Gestrüpp und über Stock und Stein. «Das war eine sehr tolle Erfahrung», blickt der Betriebswirtschaftsstudent zufrieden auf die dreieinhalb Wochen in Afrika zurück.

Dabei hatte Hochstrasser Glück im Unglück: Nach einem kleinen Missgeschick übertrat er sich den Fuss und musste zwei Tage lang pausieren. Einen bleibenden Eindruck hinterliess bei ihm der grosse Aufmarsch an Athleten mitten in der Woche. «Bis zu 200 Läufer trainierten auf der Bahn, und das an einem normalen Dienstag», sagt er.

Das sei motivierend und inspirierend zugleich gewesen. «Kenia muss man als Läufer erlebt haben, dort kommst du auf die Welt», meint Hochstrasser.

Nach der Rückkehr in die Schweiz trainierte das Mitglied des BTV Aarau während zehn Tagen etwas ruhiger, ehe der nächste Trainingsblock in Tenero auf dem Programm stand. Im Tessin traf Hochstrasser neben anderen Schweizer Mittelstreckenläufern wie Hugo Santacruz auch auf seinen Trainer Louis Heyer. «Das tat gut, ich konnte viel von diesem Austausch profitieren», sagt er.

Guten Mix finden

In den kommenden Wochen will sich Jan Hochstrasser optimal auf die intensive Wettkampfzeit im Juni vorbereiten. Schliesslich soll bis zum 26. Juni die Limite für die Europameisterschaften in Amsterdam (3:40,5 Minuten) und bis zum 11. Juli jene für die Olympischen Sommerspiele in Rio geknackt werden.

«Ich muss einen guten Mix zwischen soliden Trainings und jenen Einheiten mit viel Substanz finden», sagt Hochstrasser, der seinen ersten Lauf über 1500 m beim Pfingstsportfest in Rehlingen geplant hat. Mithilfe einer schnellen Zeit erhofft sich Hochstrasser günstige Einteilungen für die folgenden Rennen.

«Dadurch eröffnen sich mir andere Türen, aber dazu braucht es am Anfang der Saison etwas Glück», sagt Hochstrasser. Der Safenwiler ist sich bewusst, dass er auf dem Weg nach Rio nicht mehr allzu viele Gelegenheiten haben wird. «Wenn die Chance da ist, muss ich parat sein», sagt er.