Analyse
Jahr der Entscheidung: Wieso im Frühling 2019 das Schicksal des FC Aarau auf dem Spiel steht

Nach der Saison ist vor der Saison – auch für den FC Aarau. Und die nächste Saison ist eine wegweisende. Eine Analyse zum FC Aarau, über dessen Schicksal im Frühling 2019 bestimmt wird.

Ruedi Kuhn
Drucken
Teilen
Die Spieler bedanken sich mit einem Plakat «Vielen Dank für eure erstklassige Unterstützung!» bei den Fans.

Die Spieler bedanken sich mit einem Plakat «Vielen Dank für eure erstklassige Unterstützung!» bei den Fans.

Marc Schumacher/freshfocus

Am 12. Juni beginnt der FC Aarau mit den Vorbereitungen auf die neue Saison. In den folgenden elf Monaten wird sich zeigen, in welche Richtung es geht. Klar ist: Eine schlechte Saison wie 2017/18 mit dem enttäuschenden sechsten Rang kann und darf er sich nicht mehr leisten. Es steht zu viel auf dem Spiel.

In der Stadion-Abstimmung im Frühling 2019 geht es für den FC Aarau um Sein oder Nichtsein. Oder – um es mit den Worten von FCA-Präsident Alfred Schmid zu sagen: «Verlieren wir diese Abstimmung, dann können wir das neue Stadion vergessen. Und zwar endgültig!»

Das Stadion mit den vier Hochhäusern (von Südosten her gesehen).
7 Bilder
Die Modell-Ansicht von der Echolinde aus zeigt, wie sich die Silhouetten der vier geplanten Hochhäuser (rechte Bildhälfte) im Stadtbild machen würden. Am linken Bildrand ist das Telli-Hochhaus zu sehen (80 Meter hoch), rechts davon das AEW-Hochhaus (60 Meter hoch).
Blick ins neue Aarauer Stadion, aussen die Hochhäuser. (Visualisierung)
Aarauer Stadionprojekt mit Hochhäusern (Plan B)
Um das Stadion im Torfeld (Platz für 10'000 Besucher) sollen vier unterschiedlich hohe Wohntürme gebaut werden.
Die Einnahmen aus den vier geplanten Hochhäusern sollen das Stadion mitfinanzieren.
Visualisierung: So soll es beim neuen Aarauer Stadion aussehen.

Das Stadion mit den vier Hochhäusern (von Südosten her gesehen).

zvg

Der FC Aarau steht also am Scheideweg. Die Basis für ein Ja der Aarauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger zum Stadion ist der sportliche Erfolg. Das Ziel für die nächste Saison muss ein Rang in den Top 3 sein.

Wenn möglich mit unterhaltsamem, vielleicht sogar spektakulärem Fussball. Da kommen nach dem grösstenteils langweiligen Gekicke der letzten Monate allerdings zurecht Zweifel auf. Ist ein Platz auf dem Podium gepaart mit schönem Fussball für die zuletzt arg gebeutelten FCA-Kicker nicht etwas viel verlangt?

Am Ende des Tunnels ist aber durchaus ein Lichtlein zu erkennen: Zu Hoffnungen Anlass gibt der neue Trainerstab mit Patrick Rahmen als Chef und Marco Walker als Assistent. Ob das Duo erfolgreich ist oder nicht, wissen die Götter. Einen Vorteil haben die Zwei: Für sie ist der FC Aarau Neuland. Sie gehören nicht zum Filz.

Sie sind unbelastet und bekannt dafür, konsequent ihren Weg zu gehen. Der FCA braucht jetzt Führungskräfte, die nicht nach links und nicht nach rechts schauen. Exakt so, wie das Trainer René Weiler in der erfolgreichen Zeit zwischen 2011 und 2014 getan hat.

Klar ist: Von nichts kommt nichts! Weil Wunder im Fussball eher selten sind, muss sich der FC Aarau verstärken. In der Achse braucht es einerseits mehr Stabilität, anderseits mehr Klasse. Rahmen scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Er spricht von vier, fünf Verstärkungsspielern.

Konkret: Bis Mitte Juni sollen zwei Innenverteidiger, ein zentraler Mittelfeldspieler und ein oder zwei Stürmer verpflichtet werden. Mal schauen, was der Nachfolger des erfolglosen Marinko Jurendic aus dem Hut zaubern wird. Das Beziehungsnetz zu seinen ehemaligen Arbeitgebern FC Basel, FC Biel und FC Luzern kommt ihm bei der Suche nach durchschlagskräftigen Spielern sicherlich entgegen.

Gefordert sind aber nicht nur Rahmen und Walker, sondern auch Sandro Burki. Die Schonfrist für den Sportchef ist mit den Planungen für die neue Saison abgelaufen. Das Erstaunliche: Der 32-Jährige gibt sich nach aussen hin völlig entspannt, ja cool und spricht in aller Seelenruhe von positivem Druck, der auf seinen Schultern lastet.

Die Schonfrist von Sandro Burki ist abgelaufen.

Die Schonfrist von Sandro Burki ist abgelaufen.

Marc Schumacher/freshfocus

Da drängt sich die Frage auf, ob der junge und noch unerfahrene Sportchef seine Aufgabe nicht unterschätzt. Der grosse Ehrgeiz und das souveräne Auftreten von Burki in der Öffentlichkeit sind noch lange keine Garantie, um einen Klub auf Vordermann zu bringen, der seit 2014 kaum mehr ein Bein vors andere gebracht hat.

Bleibt unter dem Strich folgendes Fazit: Burki, Rahmen und Walker haben das Schicksal des FC Aarau in ihren Händen. Die finanziellen Voraussetzungen für das Zusammenstellen des Kaders der ersten Mannschaft sind gut oder zumindest besser als in den vergangenen Jahren.

Bezüglich Budget ist die Führungscrew um Präsident Schmid und Vizepräsident Roger Geissberger nämlich bereit, die Grenzen auszuloten, ja sogar die Reserven in Höhe von 500 000 Franken anzuzapfen. Das heisst: Der Etat für die Saison 2018/19 beträgt nicht 3,5 Millionen, sondern knapp 4 Millionen Franken.

Diese Summe macht den Braten zwar nicht fett, ermöglicht aber trotzdem den einen oder andern kleinen Transfercoup. Und Transfercoups sind nötig, wenn der FC Aarau vorwärtskommen will.

Ein Abwehrchef, ein Abräumer vor der Viererabwehrkette und ein Mittelstürmer mit Torinstinkt kommen nicht aus lauter Zuneigung oder sogar Liebe zum Cupsieger 1985 und Meister 1993. Nein! Die guten Zeiten sind längst und wohl definitiv vorbei. Solche Cracks wollen Kohle sehen. Und das nicht zu knapp!