FC Aarau
Jäckle und der verflixte Oberschenkel - Die Verletzung als Sinnbild für die Krise

Traumjob Berufsfussballer? Vier, fünf Trainings und ein, zwei Spiele pro Woche? Der Rest süsses Nichtstun und erst noch ein dickes Gehalt? Mag sein, dass der eine oder andere Profi tatsächlich ein «Schoggi»-Leben führt. Einer aber hat momentan nichts, aber auch gar nichts zu lachen: Es ist Olivier Jäckle vom FC Aarau.

Ruedi Kuhn
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Olivier Jäckle (l.) muss in der Partie des FCA gegen Schaffhausen ausgewechselt werden und gibt seine Captain-Binde an Teamkollege Patrick Rossini weiter.

Olivier Jäckle (l.) muss in der Partie des FCA gegen Schaffhausen ausgewechselt werden und gibt seine Captain-Binde an Teamkollege Patrick Rossini weiter.

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Der Mittelfeldspieler mit der feinen Technik und der guten Übersicht musste sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder kritische Worte anhören. Kritische Worte, die teilweise unter die Gürtellinie zielten. Kritische Worte, die es schwermachten, positiv zu bleiben. Manch einer machte sich sogar lustig über den 24-jährigen Mittelfeldspieler. Sätze wie «Jetzt reicht es Olivier Jäckle nicht einmal mehr für die Challenge League» oder «Olivier Jäckle ist ein Weichei» waren im Umfeld des FC Aarau zu hören. Damit nicht genug der Unbill. Zuletzt machte sogar das Gerücht die Runde, dass der FC Aarau Jäckle trotz Vertrags bis 2018 an den Ligakonkurrenten Winterthur verkaufen wolle.

Quatsch! Sportchef Sandro Burki denkt nach eigener Aussage nicht einmal im Traum daran, Jäckle an die Zürcher abzugeben. Der Hoffnungsträger bleibt also beim FC Aarau. Und nun ist auch klar, warum er in dieser Saison erst drei Meisterschaftsspiele und das Cupspiel in Echallens (1:2) absolviert hat. Jäckle leidet seit drei Monaten an einer Verletzung, die ihn hartnäckig verfolgt und längst nicht ausgeheilt ist.

Weder Training noch Spiele

Im Gegenteil! Seit kurzer Zeit steht fest: Jäckle wird in nächster Zeit weder trainieren noch spielen können. Wie lange er ausfallen wird, ist fraglich. Momentan muss man davon ausgehen, dass er mindestens bis Ende Oktober keine Einsätze für den FC Aarau bestreiten wird. Gut möglich allerdings, dass die Zwangspause noch länger dauern wird. Viel länger!

Jäckle muss sich einer langen Pause unterziehen

Jäckle muss sich einer langen Pause unterziehen

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Jäckle ist enttäuscht, ja frustriert. «Das Unheil begann eine Woche vor dem Start in die neue Saison», blickt er zurück. «Nach einem Sprint spürte ich, dass im Oberschenkel etwas nicht gut ist. Es hat gezwickt. Ich hatte Schmerzen, glaubte aber zuerst, dass es nichts Schlimmes ist. Ich ging zur Kontrolle, versuchte wieder zu trainieren, musste aber mehrere Rückschläge verkraften und Pausen einschalten.» Nach einer eingehenden Untersuchung beim Vertrauensarzt ist klar: Jäckle zog sich Anfang Juli einen Riss im rechten Oberschenkel zu. Einen Riss, der ohne mehrwöchige Pause nicht verheilt.

«Ich muss jetzt Geduld haben», sagt Jäckle. «Allerdings fällt mir das Warten auf bessere Zeiten extrem schwer. Aber wenn ich gesund werden möchte und in der Vorrunde noch für den FC Aarau spielen will, bleibt mir gar nichts anderes übrig.»

Einer mehr im Lazarett des FCA

Nach Miguel Peralta, Petar Misic, Arxhend Cani und Juan Pablo Garat liegt beim FC Aarau nun also eine weitere Teamstütze flach. Mit Jäckle fehlt in nächster Zeit ausgerechnet der Spieler, in den Aaraus Trainer Marinko Jurendic vor der Meisterschaft grosse Hoffnungen setzte. Jäckle ist ein Allrounder, kann sowohl in der Innenverteidigung als auch im zentralen Mittelfeld eingesetzt werden. Mehr noch. Der frühere Junior vom Team Aargau verfügt durchaus über die Klasse, in die Rolle des unlängst zurückgetretenen Captains Sandro Burki zu schlüpfen. Und zwar auf und neben dem Spielfeld.

Jäckle hätte in die Rolle von Sandro Burki schlüpfen können.

Jäckle hätte in die Rolle von Sandro Burki schlüpfen können.

Marc Schumacher/freshfocus

Dieses Ziel rückt wegen der Oberschenkel-Verletzung erst einmal in weite Ferne. Und so muss sich Jäckle, der im April 2012 sein Debüt in der ersten Mannschaft gab, unter der Führung von Trainer René Weiler so richtig durchstartete und bis jetzt 171 Partien für die Aarauer bestritt, erst einmal in Geduld üben: Eine Tugend, die wahrlich nicht zu seinen Stärken zählt. Jäckle würde gerne mithelfen, den FC Aarau aus der Krise zu schiessen.

Es spricht für ihn, dass er trotz der schlechten Zeiten optimistisch bleibt. Wie sagt er im Vorfeld des Heimspiels gegen Xamax am Freitag so schön und so hoffnungsvoll: «Der FC Aarau ist gegen die Neuenburger zwar Aussenseiter, aber im Fussball ist alles möglich. Wir haben eine Mannschaft mit viel Qualität. Wenn alles passt, können wir Xamax schlagen.»