Ja oder Nein?
Ist Patrick Rahmen noch der richtige Trainer für den FC Aarau?

Die Trainerfrage steht kurz vor der Auflösung. Gegen Wil und in Chiasso müssen Punkte her, sonst ist Patrick Rahmen als FCA-Trainer Geschichte. Richtig oder falsch?

Sebastian Wendel und Ruedi Kuhn
Merken
Drucken
Teilen
Bleibt der FCA-Trainer Patrick Rahmen im Amt oder muss er gehen? Unsere beiden Sportreporter Sebastian Wendel und Ruedi Kuhn sind unterschiedlicher Meinung.

Bleibt der FCA-Trainer Patrick Rahmen im Amt oder muss er gehen? Unsere beiden Sportreporter Sebastian Wendel und Ruedi Kuhn sind unterschiedlicher Meinung.

KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

Aarau hat ein Spielerproblem

Sportreporter Sebastian Wendel sagt Ja zu Patrick Rahmen: Das Versagen der Mannschaft ist das Pech von Patrick Rahmen: Hätte er charakterstarke Spieler, hätte er Erfolg mit dem FC Aarau.

Wer versagt bei der Chancenverwertung? Wer haut im eigenen Strafraum über den Ball und lädt den gegnerischen Stürmer zum Toreschiessen ein? Etwa der Trainer?

Neunmal hat der FC Aarau in dieser Saison verloren. Aber! Abgesehen vom Heimspiel gegen Chiasso hätte der FC Aarau jedes Mal genauso gut gewinnen können. Das Drehbuch ist immer das gleiche: Die Offensivspieler versagen bei der Chancenverwertung. Und hinten stellen sich die Verteidiger so dämlich an, dass sich die 23 Gegentreffer wie Eigentore anfühlen.

Um das klarzustellen: Wer solche Unzulänglichkeiten offenbart, der verdient es auch, zu verlieren. Aber wäre der FC Aarau eine Mannschaft ohne Offensivkonzept, käme er nicht in jedem Spiel zu etlichen Torchancen. Wäre der FC Aarau eine Mannschaft ohne Defensivkonzept, gäbe es jede Woche eine Kanterniederlage.

Fakt ist: Ausser beim Totalausfall gegen Chiasso musste sich Aarau von keinem Gegner dominieren lassen. Kein Spiel wurde mit mehr als zwei Toren Differenz verloren. Bei den zwei 1:3-Niederlagen fielen die letzten Gegentreffer jeweils in der Schlussphase, als Aarau in der Hoffnung auf den Ausgleich alles nach vorne warf und die Abwehr entblösste.

Aarau hat kein Trainerproblem. Was Patrick Rahmen der Mannschaft auf den Weg gibt, hat Hand und Fuss. Das sagen auch die Spieler. Sie stehen hinter Rahmen. Und dass der als Mensch ideal ins Brügglifeld passt, ist eh klar.

Der Bäcker kann die beste Brotmischung der Welt zaubern – was bringts, wenn der Geselle das Brot zu lange im Ofen lässt? Aarau hat ein Spielerproblem. Auf dem Transfermarkt zählte die Verpackung mehr als der Inhalt. Das war beim heutigen Gegner, dem deutlich weniger talentierten FC Wil, anders. Dort ordnen sich alle dem Team und dem Schicksal des Vereins unter. Darum ist Wil Erster und Aarau Letzter.

Die Chance nicht genutzt

Sportreporter Ruedi Kuhn sagt Nein zu Patrick Rahmen: Im Fussball sind Resultate die härteste Währung. Heisst also: Patrick Rahmen ist als Trainer des FC Aarau nicht mehr tragbar.

Im Profifussball gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Trainer werden an Resultaten gemessen. Das gilt für alle, auch für Patrick Rahmen. Er hat neun von elf Spielen verloren. Eine Horrorbilanz. Rahmen ist der Hauptverantwortliche für die jetzt schon verpfuschte Saison des FC Aarau. Er arbeitet fast täglich mit der Mannschaft. Er macht die Aufstellung. Und er bestimmt das Spielsystem und die Taktik.

Erinnern Sie sich an die grosse Erwartungshaltung vor der Saison? Nach den Transfers von namhaften Spielern wie Marco Schneuwly und Elsad Zverotic waren sich die Experten einig, dass Lausanne, Servette und der FC Aarau den Aufstieg unter sich ausmachen werden. Aber statt im Rennen um einen Platz in der Super League mit dabei zu sein, kämpfen die Aarauer schon nach knapp einem Drittel der Meisterschaft gegen den Abstieg in die höchste Amateurliga.

Rahmen ist trotz vier Punkten aus elf Partien immer noch Trainer des FC Aarau. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin kein Freund von Trainerentlassungen. Als Journalist ist es nicht meine Aufgabe, Trainer in die Wüste zu schicken. Die Entscheidungsgewalt bezüglich einer Trainer-Entlassung liegt einzig und allein beim Verwaltungsrat mit Präsident Alfred Schmid und Vize Roger Geissberger an der Spitze. «Wir sind nicht der FC Sion und machen bei Trainer-Entlassungen keine Schnellschüsse», sagt Schmid. Diese Aussage ist zu respektieren.

Aber bei allem Respekt, Alfred Schmid: Der FC Aarau ist ein stolzer Fussballklub mit Tradition. Der Cupsieger 1985 und Meister 1993 spielte von 1981 bis 2010 in der höchsten Liga. Während dieser Zeit verdiente man sich den Namen «Die Unabsteigbaren». Und nun steht man vor dem Absturz in den Amateurfussball. Das muss verhindert werden. Mit Rahmen ist das nicht mehr möglich. Er hatte seine Chance und nutzte sie nicht.